Helmut Schmidt

Scharfschützen sichern Trauerfeier im Michel

Die Reiterstaffel der
Polizei vor der Hauptkirche
St. Michaelis

Die Reiterstaffel der Polizei vor der Hauptkirche St. Michaelis

Foto: picture alliance / dpa

50 Beamte bereiten Trauerfeier für Helmut Schmidt vor. Spürhunde im Einsatz. Viele Staatschefs auf der Gästeliste.

Hamburg.  Der Sicherheitsaufwand für den Staatsakt zu Ehren des verstorbenen Altkanzlers Helmut Schmidt am kommenden Montag im Michel ist enorm. Nach den Terror­anschlägen von Paris gilt die höchste Sicherheitsstufe. Vor der Trauerfeier werden Spürhunde eingesetzt, die sowohl die Kirche als auch die Umgebung absuchen. Dazu wird die Kanalisation überprüft, und Sieldeckel werden versiegelt. Möglicherweise werden die Gullys sogar zugeschweißt wie bei früheren Staatsbesuchen geschehen, etwa bei einer Visite des einstigen PLO-Chefs Yassir Arafat 2004.

Das hätte den Musikliebhaber Helmut Schmidt sicherlich erfreut: Nach Informationen des Abendblatts wird Kent Nagano, seit Kurzem General­musikdirektor der Hamburgischen Staatsoper, mit dem Philharmonischen Staatsorchester die musikalische Seite des weltlichen Teils der Trauerfeier bestreiten. Nach einer Eröffnung durch Michel-Hauptpastor Alexander Röder sind als weitere Redner Bürgermeister Olaf Scholz (SPD), der frühere US-Außenminister und Freund Schmidts, Henry Kissinger, sowie Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) vorgesehen.

Bis gestern, Dienstag, sind die Einladungen an rund 1800 Gäste verschickt worden. Erste prominente Zusagen liegen dem Protokoll bereits vor. So werden Bundespräsident Joachim Gauck ebenso wie der frühere französische Staatspräsident Valérie Giscard d’Estaing, ebenfalls ein langjähriger Freund und Weggefährte Schmidts, nach Hamburg kommen. Zugesagt hat auch die schweizerische Bundespräsidentin Simonetta Sommaruga.

Eingeladen werden alle europäischen Staats- und Regierungschefs über ihre jeweiligen Botschaften. Auf der langen Liste stehen auch alle Bundestags- und Europaabgeordneten, die Bundesminister, Staatssekretäre sowie die Ministerpräsidenten und Landtagspräsidenten der Länder. Die Spitzen der Bundesgerichte erhalten ebenso Post wie ehemalige Bundeskanzler, -präsidenten, frühere Bundestags- und Landtagspräsidenten. Auch in Hamburg werden viele Einladungen verschickt. Neben den Senatoren und Staatsräten stehen alle 121 Bürgerschaftsabgeordneten auf der Gästeliste. Das Gleiche gilt für das Konsularische Korps sowie Vertreter der Verbände und Institutionen der Stadt.

Die Ludwig-Erhard-Straße soll aus Sicherheitsgründen gesperrt werden

Der Staatsakt wird für den Straßenverkehr in der Innenstadt mit erheblichen Behinderungen verbunden sein. Die Ludwig-Erhard-Straße, eine der Hauptverbindungen in Ost-West-Richtung, soll gesperrt werden. Zusätzlich wird es zu Sperrungen und Behinderungen während der An- und Abfahrt von Merkel, Gauck und weiteren Ehrengästen kommen. Merkel und Gauck fahren in gepanzerten Limousinen mit Motorradeskorte vom Flughafen zum Michel, von dort zum Rathaus, wo der Senat um 13 Uhr einen Trauerempfang für rund 1000 Gäste gibt, und schließlich zurück zum Flughafen.

Der Stab zur Vorbereitung des Staatsakts unter Leitung des Bundes­innenministeriums umfasst rund 50 Beamte, die sich täglich zur Lage­besprechung treffen. Mit dabei sind das Bundes- und das Landeskriminalamt sowie die Bundes- und Hamburger Polizei. Vertreter von gleich drei Bundesministerien – Inneres, Auswärtiges Amt und Verteidigung – nehmen an den Sitzungen ebenso teil wie Mitarbeiter des Bundespräsidialamts. Das Bundeskanzleramt wird zugeschaltet. Nicht zuletzt sitzen Protokollbeamte der Senatsverwaltung und der Hamburger Verkehrsverbund (HVV) mit am Besprechungstisch.

Unabhängig vom Staatsakt für Schmidt sind die Sicherheitsmaßnahmen in der Stadt als Folge der Terror­attentate von Paris verstärkt worden. Auf Anordnung von Bundesinnenminister Thomas de Maizière (CDU) tragen Bundespolizisten am Flughafen in Fuhlsbüttel und auf dem Hauptbahnhof seit dem Wochenende schusssichere Westen und sind – für die Öffentlichkeit sichtbar – schwerer bewaffnet. An beiden Verkehrsknotenpunkten waren auch am Dienstag mit Maschinenpistolen bewaffnete Beamte zu sehen.

Rund 300 Bundespolizisten und 600 Luftsicherheitsassistenten arbeiten am Flughafen bei der Personen- und Gepäckkontrolle. Neben der „robusteren Ausstattung“ würden nun auch selektive Kontrollen bei Flügen von und nach Frankreich vorgenommen, sagte der Sprecher der Bundespolizei am Flughafen, Maik Lewerenz. Trotz der Anschläge würden aber noch immer Bundespolizisten des Flug­hafens wegen des Flüchtlingsstroms zur österreichischen Grenze beordert, um dort ihre Kollegen zu unterstützen.