The Table

Ein Tisch, ein Menü, ein Erlebnis in der HafenCity

| Lesedauer: 5 Minuten
Marlies Fischer
Sternekoch Kevin Fehling mit seiner Ehefrau Anna

Sternekoch Kevin Fehling mit seiner Ehefrau Anna

Foto: Andreas Laible

Drei-Sterne-Koch Kevin Fehling hat sein Restaurant The Table in der HafenCity erstmals geöffnet – für ganz besondere Gäste.

Hamburg.  Und es leuchten die Sterne in der HafenCity – kurz vor der offiziellen Eröffnung seines Restaurants The Table am 1. August hatte Kevin Fehling am Montagabend befreundete Kolleginnen und Kollegen ins Lokal an der Shanghaiallee gebeten. Der Drei-Sterne-Koch, der bis vor einigen Wochen als Angestellter im Restaurant La Belle Epoque im Columbia Hotel Travemünde in der Küche stand, will in seinem eigenen Betrieb neue Maßstäbe in der deutschen Sternegastronomie setzen.

„Ich möchte in Hamburg weltoffene Kreativküche präsentieren und mit meinem Konzept internationale Maßstäbe setzen“, sagt der 38-Jährige. „Mein Ziel ist es, kopiert zu werden, nicht zu kopieren.“ Die Gäste am Montag konnten sich schon von seinem Einfallsreichtum überzeugen: Zum Perrier Jouet Champagner probierten sie Carabinero – die „Königin der Garnele“ – auf indische Art mit Tandoori Hollandaise, Auster Bloody Mary, Challans Entenbrust mit Himbeer-Reisgel und Shisojus sowie Pina Colada Macarons.

Unter den Gästen waren Zwei-Sterne-Koch Christoph Rüffer und Fisch-Spezialist Werner Henssler aus Hamburg, Jahrhundert-Koch Eckart Witzigmann sowie die Berliner Küchenchefs Matthias Diether (Restaurant first floor im Palace Hotel) und Marco Müller (Weinbar Rutz). Und sie alle sehen die Bereicherung der Restaurant-Szene und nicht etwa neue Konkurrenz. „Ich finde das Restaurant sehr schön, licht und großzügig mit einer tollen Einrichtung“, sagte Christoph Rüffer. „Kevin Fehling wird die Hamburger Gastronomie bereichern.“

Das sieht auch Kollege Werner Henssler so. „Toller Laden“, sagte er, „wurde Zeit, dass Hamburg so ein innovatives Restaurant bekommt.“ Der Altmeister der deutschen Spitzenköche, Eckart Witzigmann, war extra aus München gekommen – „um Kevin die Ehre zu erweisen“. „Das sehr moderne Restaurant passt perfekt zu seiner Küche. Ich bin überzeugt, dass er in Hamburg großen Erfolg haben wird.“

Herzstück des Restaurants ist ein einziger schlangenförmiger, thekenartiker Tisch aus dunklem Kirschholz, an dem 18 bis 20 Gäste Platz nehmen können. Durch die geschwungene Form sind variable Einteilungen in unterschiedlich große Sitzgruppen möglich. Vom Tisch aus sollen die Feinschmecker dem Geschehen in der Küche zusehen und sich zugleich von Fehling und seiner bewährten Mannschaft um Sommelier und Restaurantleiter David Eitel, die er aus Travemünde mitgebracht hat, umsorgt fühlen.

„Kommunikation spielt eine wichtige Rolle“, sagt Fehling. „Gast, Service und Küche werden miteinander verschmelzen.“ Das Konzept des einen Tisches gibt es schon in New York, Chicago und Paris, aber noch nicht in Hamburg. Den Ablauf des Abends wollen der Küchenchef und sein Team so gestalten, dass die Gäste zu zwei festgelegten Zeiten, um 19 und 20 Uhr, im Restaurant erscheinen. Die Gerichte des Menüs sollen dann für die Gäste jeweils nahezu zeitgleich zubereitet und serviert werden. „Das bedeutet: Sechs Köche, zwölf Hände, zwölf Augen konzentrieren sich nur auf dieses eine Gericht, und das wird dann gemeinsam angerichtet“, sagt Kevin Fehling.

Wer sich bei dem Vater von Ivy (3) und Lene (fünf Monate) an den Tisch setzt, soll sich wie zu Hause fühlen. „Wir wollen eine warme, lockere und freundliche Atmosphäre schaffen.“ Das Geschirr kommt aus Spanien, die Gläser von Schott Zwiesel aus dem Bayerischen Wald. Das Besteck ist aus Kupfer, läuft nicht an und passt zum Kirschholz des Tisches. Auf Kronleuchter und Tischdecken verzichtet der Chef. „Der Luxus findet auf dem Teller statt.“

Alle zwei Monate soll sich die Karte ändern, im August umfasst das Menü: Geflämmte Makrele & Tatar mit Rettich, Sojakaviar und Dashi-Sud; Gänseleber „Tom Ka Gai“ mit Fjord-Shrimps & Mango; Jakobsmuschel „LBE“ mit Erdbeere, Rhabarber & Waldmeister; Carabinero mit orientalischem Couscous, Kumquats, Erbsencrème & Arganöl-Hollandaise; Challans Entenbrust mit Reiscreme, Himbeere, Reisessig-Hollandaise & Shisojus; „Oliven“ mit Martiniperlen, Mandelcreme, Holunderblüte & Estragoneis; „Wundertüte“ mit Lavendel, Blaubeere, Sternanis & Kardamom.

Fehling ist zwar ein Drei-Sterne-Koch, aber sein neues Restaurant trägt diese Auszeichnung des Guide Michelin noch nicht. Sie verbleibt im Travemünder Lokal. Aber der Küchenchef lässt keinen Zweifel daran, dass er die leuchtenden Himmelskörper schnell an seinen jetzt eigenen Tisch zurückholen möchte. „Jeder Koch hat seine eigene Handschrift, ich will meine weiterentwickeln. Das hört nie auf.“

Den Rücken hält ihm seine Frau Anna, 28, dafür frei. „Ich komme auch aus der Branche, kümmere mich aber momentan um die Töchter und die Familie. Aber ich trage das natürlich alles mit.“ Im Gegensatz zu einem Investor, denn auf den hat Fehling bewusst verzichtet. „Ich bin mein eigener Geldgeber.“ Und der wird sich freuen, dass das Restaurant im August und September an den Wochenenden bereits ausgebucht ist.