Neustadt

Antiquitätenhändler gibt auf – zu viele Diebe

Klaus Korte ,75, und seine Ehefrau Christa, 71, geben ihr Antiqutätengeschäft an der Poststraße auf

Klaus Korte ,75, und seine Ehefrau Christa, 71, geben ihr Antiqutätengeschäft an der Poststraße auf

Foto: AndrŽ Zand-Vakili

Das Ehepaar Korte an der Poststraße hat seit Jahren mit Einbrechern zu kämpfen. Am 30. August ist nach mehr als 40 Jahren Schluss.

Neustadt. Sie gehören eine gefühlte Ewigkeit zur Poststraße – nun machen sie nach mehr als 40 Jahren Schluss: Klaus Korte, 75, und seine Frau Christa, 71, werden ihr Antik-Geschäft in der Hamburger Neustadt, in dem Generationen von Hamburgern Schmuck, Silber, Bronzen und Uhren erwarben oder verkauften, am 30. August für immer schließen. Damit verschwindet eines der letzten Traditionsgeschäfte seiner Art im ehemaligen Hamburger Trödlerviertel von der Bildfläche.

Allerdings geschieht der Rückzug des Ehepaars nicht ganz freiwillig: Drei Einbrüche, ein Raubüberfall und immer mehr Trickdiebe haben den Kaufleuten die Stimmung in der jüngeren Vergangenheit gehörig vermiest. Erst im Frühjahr war erneut eine Bande von vier Asiaten mit Vorschlaghämmern bewaffnet in das kleine Geschäft eingedrungen, hatte eine Vitrine zertrümmert und Kostbarkeiten aus den Auslagen im Wert von mehreren Tausend Euro mitgehen lassen. „Wir hören lieber auf, bevor wir ein Messer zwischen die Rippen bekommen“, sagt Klaus Korte.

Was die Eheleute vor allem erschüttert, ist die Dreistigkeit und Brutalität, mit der die Täter vorgehen. Jahrzehnte lang war nichts passiert in der Poststraße, aber dann: Einbrüche, Diebstähle – und nun das: „Wir waren nur für ein paar Tage in München, als wir erfuhren, dass schon wieder in unseren Laden eingebrochen worden ist“, erzählt Christa Korte. Seit es vor etwa vier Jahren mit den Einbrüchen in ihrem Geschäft losging, ist der Laden mit einer Alarmanlage und Videokamera ausgestattet, die bei einem Sicherheitsunternehmen aufgeschaltet sind. Die Scheiben sind vergittert.

Dennoch brauchten die Täter nur eine Minute, um die Panzerschlösser zu zerstören, Schmuck und Uhren an sich zu reißen und unerkannt zu entkommen. „Obwohl die Polizei in fünf Minuten da war und der Wachdienst wenige Minuten später eintraf, waren die Täter längst über alle Berge“, sagt Klaus Korte. Es wurde noch nie jemand nach einem Einbruch oder Diebstahl in seinem Antik-Laden gefasst.

Eine andere Geschichte spielte sich vor anderthalb Jahren folgendermaßen ab. „Morgens wollte ich Schmuck aus dem Tresor ins Schaufenster räumen. Der Laden war noch zu“, erzählt Korte. Da gestikulierte plötzlich eine Frau vorm Fenster. „Sie lockte mich raus, packte mich am Arm und verwickelte mich in ein Gespräch. Angeblich wollte sie einen Preis wissen.“ Währenddessen schlich ein Typ mit Sakko und Mütze in den Laden und plünderte unbemerkt den offen stehenden Tresor, so der Geschäftsmann. 18 wertvolle Uhren der Marken Rolex und Cartier und vier Colliers im Gesamtwert von 74.000 Euro waren weg.

In letzter Zeit kommen mehr und mehr Trickdiebe in den Laden. Längst haben die Eheleute aufgehört, sie zu zählen. „Die kommen rein, und obwohl man ihnen ständig auf die Finger schaut, ist dann doch etwas verschwunden“, sagt Klaus Korte. „Ein Ring, eine Uhr, Schmuck. Ich habe keine Lust mehr, meinen Kunden ständig auf die Finger zu schauen. Da fühle ich mich unfrei. So will ich keine Geschäfte machen.“

Dabei würden er und seine Frau am liebsten noch mal vierzig Jahre weiter betreiben. Zumal das Geschäft nach wie vor „sehr gut läuft“, wie Kurt Korte betont. „Wir haben eine feste, sehr anhängliche Kundschaft. Die kommt teilweise seit Generationen zu uns. Die Enkel kommen und bringen etwas, was ich ihrem Großvater verkauft habe. Weil sie dafür keinen Platz haben. Und nehmen dafür dann etwas anderes mit. Es ist ein Kreislauf.“

Sie hätten sehr schöne Zeiten erlebt in der Poststraße, vor allem damals in den frühen 70er-Jahren, als es losging, erinnert sich Klaus Korte. „Überall in der Straße wurde Antikes verkauft, Möbel und Schmuck.“ Er begann 1972 in einem kleinen Ladengeschäft auf der gegenüberliegenden Straßenseite, reiste nach England, um sich mit Ware zu versorgen. „Der Hamburger ist ja eher anglophil“, sagt Korte. Zwei Jahre später 1974, wechselte er die Straßenseite und machte aus zwei Läden einen großen.

Auch seine Töchter haben damals in der Straße bei einem Juwelier ihre Ausbildung gemacht. Heute sind die Töchter erwachsen, und die Poststraße hat ihr Aussehen deutlich verändert. Statt Antik-, Trödel- und Militarialäden, die hier noch bis in die frühen 90er-Jahre zu finden waren, säumen vor allem die Schaufenster von Bekleidungsgeschäften die Straße.

Kortes Kunden haben nun die Möglichkeit, von dem mit Tausenden antiken Accessoires angefüllten Laden – silbernen Salzlöffelchen aus dem frühen 20. Jahrhundert, Luxusuhren von IWC, Rolex und Heuer bis zum englischen Teeservice aus dem 18. Jahrhundert – Abschied zu nehmen. „Räumungsverkauf“ steht an der Schaufensterscheibe. Bis zu 40 Prozent auf alle Waren gibt Klaus Korte freiwillig – für treue, ehrliche Kunden.