Holzboot-Regatta

Die Rennen der Nostalgie-Segler auf der Außenalster

Bei den „Hamburg Summer Classics“, die der Hamburger Segel-Club (HSC) an diesem Wochenende zum 22. Mal auf der Außenalster ausrichtete, trafen sich 150 Segler fuhren auf 63 Holzbooten.

Hamburg. Windstärke 6 bis 7 aus Süd, Südwest, das Wasser der Alster tänzelt am Steg, Gewitter im Anmarsch. Kein gutes Omen für die Regatta, die gleich beginnt. Klaus Leithner, 66, Segler aus Leidenschaft, kann das alles die Laune nicht verderben. „Hauptsache, wir sind mit dabei“, sagt der Skipper. Mit seiner Acht-Mann-Crew und dem Jugendwanderkutter „Neumühlen“ ist er einer der Teilnehmer der traditionellen Holzboot-Regatta „Summer Classics“, die der Hamburger Segel-Club (HSC) an diesem Wochenende zum 22. Mal auf der Außenalster ausrichtete. 150 Segler fuhren auf 63 Holzbooten in mehreren Läufen um die Wette. Die Besonderheit: Alle Boote sind älter als 25 Jahre und in traditioneller Bootsbauerkunst aus Holz gebaut.

So auch der Jugendwanderkutter „Neumühlen“, auf dem sich Leithner und seine Kollegen startklar machen. „Ich bin mit einem solchen Schiff schon in den 1950er-Jahren gesegelt“, erinnert sich Klaus Leithner. Der Glasermeister ist mit seiner Partnerin Ingeborg zur Regatta erschienen, er hat zwei Töchter, ist selbst Eigner einer Jolle. „Neumühlen“, es ist ein Schiff mit Stil: Es wurde 1969 in Bremen in Mahagoni auf Eiche gebaut und ist zum zweiten Mal mit dabei, ausgeliehen von der Segler Vereinigung Altona Oevelgönne. Der Kutter ist 8,50 Meter lang, 2,50 Meter breit, hat eine Masthöhe von sechs Metern. Seine Segelfläche beträgt 33 Quadratmeter. Skipper Klaus Leithner ist begeistert. „Das ist etwas ganz Besonderes.“ Er segelt im HSC seit 1960. Als nach dem Zweiten Weltkrieg die Nachfrage nach Beschäftigung für Jugendliche stieg, suchten Segelvereine nach einem stabilen und sicheren Boot für ihre Jugendarbeit. Etwa 15 bis 20 Exemplare der Segel-Kutter sind noch auf der Elbe rund um Hamburg aktiv.

„Es geht darum, in alten, liebevoll gepflegten Schiffen um die Wette zu fahren, fahrt vorsichtig", stimmt Regatta-Organisator Jürgen Grandt die Teilnehmer ein, Segler aus ganz Deutschland sind angereist, auch zwei aus Bayern, mit ihren „Chiemseeplätten, frühere Fischerboote, längst Klassiker unter den Holz-Segelbooten. Erst mal ist Seglergeduld gefragt: Denn immer wieder wird der Start zunächst verschoben, zu böig und stark sind die Gewitterwinde, dann endlich der Startschuss: Die zwei Holz-Plätten vom Starnberger See segeln zuerst los. Dicht an dicht kämpfen sich die urigen Schiffe auf der sechs Kilometer langen Strecke um die Bojen. Erst starten die langsameren, dann folgen die schnelleren zeitversetzt, maßgebend dafür ist ein ausgeklügeltes System, bei dem bestimmte Faktoren wie Bootstyp, Segelfläche, Größe etc. mit berücksichtigt werden. Ein buntes Feld: H-Jollen, Drachen, Piraten und andere schöne Boote, mit Namen wie „Teufelchen“, „Lausi von der Leither“ oder „La Bella – am Steg bei den Zuschauer und auf dem Holz-Beiboot von Skipper Hubertus Sämann, 72, wird geschwärmt und gefachsimpelt: Die Z-Rennjolle Aglaya, Baujahr 1926, auch der Name einer griechischen Göttin, zieht vorbei,, „ein schönes Schiff“, meint ein Seglexperte. Ein anderer: „Da hängt ja ein Drache eine Jolle ab.“ Führend nach zwei Wettfahrten am Sonnabend ist Claas Würdemann auf der O-Jolle „Bommel“, der die „Summer Classics“ bereits 2013 gewonnen hat. Er gewann an diesem Sonntag erneut die Gesamt-Regatta, die dieses Jahr vier Durchgänge hatte. Der Kutter „Neumühlen“ kommt am Ende auf Platz 31.

Das Rennen, aber auch der HSC hat Historie: Seit 1892 treffen sich hier Segler aller Klassen, ob Fahrtensegler, Leistungssegler oder Freizeitsegler. Als Veranstalter und Mitveranstalter großer Regatten ist der Hamburger Segel-Club ein wichtiger Partner für internationale Events wie Kieler Woche, Nordseewoche, Warnemünder Woche und Travemünder Woche- und natürlich auf der Alster. Hier werden Deutsche- Europa- und Weltmeisterschaften, Match-Races ausgetragen, treffen sich traditionelle Schönheiten bei der einzigartigen „Summer Classics“, die mittwöchlichen "Kängeruh-Regatten" sind ein weiteres Event für Segelfreunde in the City. „Die Förderung des Segelsports ist im Hamburger Segel-Club oberstes Gebot. Eine intensive Ausbildung der Jüngsten und Jugend steht ebenso auf dem Programm wie die Förderung des Leistungssports“, sagt Sybs Bauer vom HSC-Vorstand.

Der HSC steht für wettkampforientiertes und Freizeit-Segeln. So enthält das HSC-Mitgliederverzeichnis große Segler-Namen, wie u.a. Hans-Otto Schümann, dreimaliger Admirals-Cup Gewinner (1973, 1984 und 1993), Frank Schönfeld, 7x Europa- 26x Deutscher Meister und vieles mehr und ganz aktuell aus den Junioren Max Gurgel, 3x Deutscher Meister im Seesegeln, sowie Silke Hahlbrock, mehrfache Deutsche Meisterin im Match-Race. Die letzten beiden segeln derzeitig im HSC-Bundesliga Cader 2014.

„Wer immer die Leidenschaft für Wasser und Wind teilt, ist herzlich willkommen“, sagt HSC-Sprecher Oliver Jahn. Auch ohne Boot bietet der HSC mit seinen ca. 800 Mitgliedern die Möglichkeit des Segelsports. Die eigene HSC-Flotte (insgesamt ca. 60 Boote, inkl. der Jugendboote), von J24, J22, Kielzugvogel stehen den Mitgliedern zur Verfügung. Jahn: „Versierte See- und Fahrtensegler heuern gerne Crew-Mitglieder für Wettfahrten und interessante Törns an und bei den Junioren sind immer aktive Regatta-Segler herzlich willkommen.“

Am Regatta-Ende, die Holzboote dümpeln längst wieder am Steg, wird gefeiert. Für Gewinner gibt es maritime Bilder, Pokale, Schiffsmodelle. Clamor Mittelbach, 81, hat früher fast alle „Summer Classics“ mitgesegelt, nun ist er altersbedingt Zuschauer. Holzboote? Er sagt: „Wunderschön, darüber kommt nichts mehr.“