City

Der Alte Wall wird zum neuen Einkaufsboulevard

Hamburgs Innenstadt bekommt eine neue Flaniermeile am Rathaus: Am Alten Wall entsteht ein Einkaufsboulevard mit Fußgängerzone und Tiefgarage. Er verbindet drei Plätze in der City.

Hamburg. Der Alte Wall wie neu: In den kommenden drei Jahren wird der Kölner Projektentwickler Art Invest hier, in unmittelbarer Nachbarschaft des Rathauses, einen 150 Meter langen Einkaufsboulevard mit Fußgängerzone, Tiefgarage und einer kleinen Brücke über den Alsterfleet errichten.

Damit gewinnt die Hamburger Innenstadt einen Teil ihrer Geschichte zurück: 1900 war der Alte Wall zwischen Rathausmarkt und Adolphsbrücke eine belebte Einkaufsstraße. In den vergangenen Jahrzehnten hatte der historische Gebäudekomplex, der im Zweiten Weltkrieg bis auf die Vorderfassade zerstört wurde, jedoch ausschließlich Banken beherbergt. Erst 2002 wurde er den Hamburgern durch die Eröffnung des Bucerius Kunst Forums, das in den Gebäudeteil am Rathausmarkt zog, teilweise wieder zugänglich gemacht.

Platz für Büros und Einzelhandel

Hinter dem Kunstforum soll eine Passage entstehen, die in Fleet- und Erdgeschoss rund 10.000 Quadratmeter Einzelhandelsfläche bietet, darüber sind 18.000 Quadratmeter Büro geplant. Wie berichtet, bleibt die dem Rathaus zugewandte denkmalgeschützte Fassade erhalten, der Abriss des zum Alsterfleet hin gelegenen Gebäudekomplexes hat bereits begonnen. Die Einkaufspassage wird über eine Fußgängerbrücke mit dem Neuen Wall verbunden. Der Bereich vor dem neuen Shopping-Standort soll mit Bäumen, Bänken, Außengastronomie und Kunstwerken zum Boulevard werden. Heute wird der Bereich als Parkplatz unter anderem für die Autos der Senatoren genutzt. Diese finden künftig in einer Tiefgarage unter dem Gebäude Platz, die mit ihren fünf Geschossen die angespannte Parkplatzsituation in der Innenstadt entschärfen soll.

„Unser Ziel ist es, einen neuen Ort mit Aufenthaltsqualität zu schaffen“, sagte Markus Wiedenmann, Geschäftsführender Gesellschafter von Art Invest, am Montag bei der Vorstellung des Projekts. Dafür nimmt das Unternehmen, zu dem auch die Zech Group aus Bremen gehört, nach eigenen Angaben rund 250 Millionen Euro in die Hand – darin enthalten ist der Kaufpreis für die Immobilie, der bei rund 100 Millionen Euro lag.

Wichtiger Bestandteil des BID Nikolaiquartier

Die Entwicklung des gesamten Alten Walls ist wichtiger Bestandteil des Business Improvement Districts (BID) Nikolaiquartier, durch den die Flächen rund um Rathaus und Handelskammer aufgewertet werden sollen. „Wir werden die Achse zwischen den Einkaufsmeilen Mönckebergstraße und Neuer Wall wieder aktivieren“, so Jan Rouven Künzel, bei Art Invest verantwortlich für die Hamburger Aktivitäten. 2012 erwarben die Kölner das Pressehaus und ein Kontorhaus am Domplatz, 2014 kam das an der Mönckebergstraße gelegene Klöpperhaus dazu. Alle Gebäude sind denkmalgeschützt. „Wir versuchen, unserer Verantwortung an allen Standorten gerecht zu werden“, so Künzel. Auch den Alten Wall, der Jahrzehnte durch eine geschlossene Bebauung dominiert war, werde man mit der „nötigen Sensibilität für die historische Bausubstanz“ behandeln und für die öffentliche Nutzung zugänglich machen. Dabei stehe man in engem Kontakt mit dem Bezirk, der Behörde für Stadtentwicklung und Umwelt (BSU) und dem Denkmalschutzamt.

„Bescheidene Eingriffe“ an denkmalgeschützter Fassade

Gestaltet wird das Gesamtprojekt von Architekten des Hamburger Büros Gerkan, Marg und Partner (gmp). Dessen Mitbegründer Volkwin Marg versprach: „Wir werden nur bescheidene Eingriffe vornehmen. Man wird zweimal hinschauen müssen, um Unterschiede zum heutigen Erscheinungsbild zu bemerken.“ So sollen an der denkmalgeschützten Fassade zum Rathausmarkt hin lediglich die Fenster bis zum Boden gezogen werden, rückwärtig wird die alte Parzellierung aufgenommen. Hier entsteht nur eine kleine Öffnung für die Brücke, die vom Neuen Wall kommend einen Durchgang durch die Passage bildet und über den Alten Wall hinaus zum Innenhof des Rathauses führt.

Tiefgarage besondere Herausforderung

Eine besondere Herausforderung sei die Tiefgarage, so Marg, die in morastigem Untergrund unter einer bestehenden historischen Fassade angelegt wird. Ihr Aushub wird etwa ein Jahr in Anspruch nehmen. Beim Einbringen der mehr als 30 Meter tiefen Schlitzwände muss auch auf die Pfahlgründungen der Nachbargebäude und die unter dem Fleet verlaufende U-Bahn Rücksicht genommen werden. Die Tiefgarage ist mit 220 Stellplätzen größer, als das Haus es erfordern würde. Dafür entsteht aber ein autofreier Boulevard, der gleich drei bedeutsame Plätze miteinander verbindet: den Rathausmarkt, den Innenhof des Rathauses und den Adolphsplatz. „Durch die Entwicklung am Alten Wall bekommt dieses Ensemble wieder Bezug zur Innenstadt“, so Oberbaudirektor Jörn Walter. Der neue Gebäudekomplex sei mit seiner „ästhetisch gelungenen Architektur“ auch wichtig für den Großen Burstah und die Stadthausbrücke. Auch dort entstehen derzeit in Neubauten und historischen Gebäuden Läden und Büros.