Hamburger Altstadt

Der Alte Wall am Rathaus wird zum Boulevard

Gebäude am Rathaus werden modernisiert. Büros, Läden und Gastronomie ziehen ein. Spektakulär ist der Plan, unter die Immobilie ein öffentliches Parkhaus mit bis zu fünf Etagen und 230 Stellplätzen zu bauen.

Hamburg. Der Alte Wall am Rathaus soll zum Einkaufsboulevard werden. Der Gebäudekomplex, der früher die Vereins- und Westbank und zuvor die Reichsbank beherbergte, wird revitalisiert. In diesem Zuge soll in die Immobilie, die sich vom Rathausmarkt bis etwa 160 Meter in den Alten Wall hinein erstreckt, auf rund 10.000 Quadratmeter Fläche hochwertiger Einzelhandel einziehen. Es ist ein wenig wie eine Reise in die Vergangenheit: Denn Fotos von vor mehr als 100 Jahren zeigen, dass der Alte Wall zu dieser Zeit eine belebte Einkaufsstraße war.

In den vergangenen Jahrzehnten wurde der Gebäudekomplex ausschließlich als Niederlassung für die Bank und Ausstellungsfläche für das Bucerius Kunst Forum genutzt. Das soll auch weiterhin dort seine Räume zum Rathausmarkt hin behalten, aber ansonsten wird sich vieles ändern: Die Art Invest mit Hauptsitz in Köln investiert hier im Herzen der Hansestadt rund 230 Millionen Euro, inklusive der etwa 100 Millionen Euro für den Ankauf der Immobilie.

Das bestätigte Geschäftsführer Jan Rouven Künzel im Abendblatt-Gespräch: „Wir wollen mit unserem Projekt den Alten Wall aus dem Dornröschenschlaf holen. Wir haben hier eine erstklassige Lage, die nun deutlich attraktiver für die Öffentlichkeit gemacht werden soll.“

Wenn alles nach Plan verläuft, soll bis Mitte 2017 der Alte Wall zum Einkaufsboulevard umgestaltet werden. Die Parkplätze fallen weg, eine einheitlich gestaltete Fußgängerzone soll dort entstehen. Mit Bäumen und Sitzbänken wollen die Investoren für eine höhere Aufenthaltsqualität sorgen: „Außerdem sollen auf dem Alten Wall Kunstwerke platziert werden“, sagte Künzel.

Die Geschäfte und Restaurants werden im Erdgeschoss, der ersten Etage und im Untergeschoss zum Fleet hin untergebracht. Außensitzplätze sollen den Alten Wall im Sommer beleben.

Spektakulär ist der Plan, unter die Immobilie ein öffentliches Parkhaus mit bis zu fünf Etagen und 230 Stellplätzen zu bauen. Dieses ist auch Bestandteil des Business Improvement Districts (BID) Nikolai-Quartier, das von diesem Jahr an umgesetzt werden soll.

Die Einfahrt soll über den Alten Wall erfolgen. Daneben verläuft ein Fahrstreifen, auf denen dann die Limousinen der Senatoren und Staatsräte weiterhin auf ihren Parkplatz am Rathaus gelangen können. Bislang gab es dort auch Stellplätze für die Bürgerschaftsabgeordneten. Diese fallen künftig weg . In der neuen Tiefgarage stehen dann 20 Plätze für die Abgeordneten zur Verfügung.

Dass sich am Alten Wall nun vieles ändern soll, unterstützt Oberbaudirektor Jörn Walter ausdrücklich: „Die Neugestaltung der Vereins- und Westbank kann zu einer wesentlichen Verbesserung der Integration des Alten Walls in das öffentliche Netz der Innenstadt beitragen, sei es durch die Verlagerung der Stellplätze in eine öffentliche Tiefgarage oder die neue Wegeverbindung über einen Fußgängersteg von den Alsterarkaden zum Rathausinnenhof.“

Der Plan: Eine Brücke soll künftig die Alsterarkaden mit dem Vereins-und-Westbank-Gebäude verbinden und die Fußgänger könnten durch das Objekt bis in den Rathausinnenhof gelangen. Der Oberbaudirektor betont: „Natürlich müssen an die Neugestaltung der Fassaden zur Alsterseite höchste architektonische Qualitätsmaßstäbe angelegt werden.“

Für die Neugestaltung des Gebäudekomplexes haben die Investoren das Büro gmp Architekten von Gerkan, Mark und Partner gewonnen. Jüngst hatte gmp den Zuschlag für den Neubau des Stadions von Real Madrid in der spanischen Hauptstadt erhalten (wir berichteten). Jetzt sind sie wieder einmal in Hamburg tätig.

Die Außenfassaden des Gebäudekomplexes auf der Seite zum Alten Wall sollen aufwendig saniert werden. Im Inneren sollen neue Gebäudeteile entstehen: „Wir wollen den historischen Charakter des Hauses mit einem modernen Innenleben kombinieren“, sagte Jan Rouven Künzel.

Neben Geschäften und Gastronomie wird es auch große Büroflächen geben

Das Treppenhaus des Gebäudes am Rathausmarkt, das originalgetreu mit feinstem Marmor und Säulen ausgestattet ist, soll natürlich unberührt bleiben.

Der Großteil der Fläche, etwa 18.000 Quadratmeter, sollen auch nach dem Umbau und Modernisierung als Büros genutzt werden. Allerdings müssen die Mieter in dieser Spitzenlage Höchstpreise bezahlen.

Für die Art Invest ist die Revitalisierung des Vereins-und-Westbank-Gebäudes das erste große Projekt in Hamburg. Einer der Gesellschafter der Art Invest ist der wohlhabende Bremer Unternehmer Kurt Zech (Zech-Gruppe).

Die Art Invest sieht große Chancen auf dem Hamburger Immobilienmarkt: Im Oktober 2012 hatten die Projektentwickler das Presssehaus am Speersort erworben. Hier ist bereits seit 1946 der Sitz der Wochenzeitung „Die Zeit“.

Außerdem haben die Investoren das Bürohaus an der Domstraße 10 gekauft, das revitalisiert wird und bereits voll vermietet ist. Mit dem Alten Klöpperhaus am Rödingsmarkt hat die Art Invest vor Kurzem eine weitere Immobilie in Innenstadtlage erworben.