ARD-Politmagazin

Reportage über Wilhelmsburger Schule sorgt für Ärger

„Panorama“-Moderatorin Reschke und Autorin Wärnke haben in der Reportage „Lehrer am Limit“ gezeigt, wie es an Schulen wirklich zugeht. Nun hat der Schulleiter mächtig Ärger und auch der NDR steht in der Kritik.

Hamburg. Die Hamburger Schulbehörde ermittelt wegen der „Panorama“-Reportage „Lehrer am Limit“ gegen den Schulleiter der Stadtteilschule Stübenhofer Weg in Wilhelmsburg. Es seien zwei Verfahren gegen Kay Stöck anhängig, sagte Behördensprecher Peter Albrecht am Freitag der Nachrichtenagentur dpa. Das eine Verfahren rühre von einer Dienstaufsichtsbeschwerde aus dem Stadtteil her, in der Stöck eine Missachtung der Fürsorgepflicht vorgeworfen werde, das andere stamme von Kindern, die in der Reportage vorkommen und sich nun gemobbt fühlten. Doch nicht nur der Schulleiter, auch der NDR steht in der Kritik.

Die Reportage der „Panorama“-Moderatorin Anja Reschke und der Autorin Birgit Wärnke war erstmals Anfang Juni im NDR ausgestrahlt und am Donnerstagabend im Ersten wiederholt worden. In dem Film wird der Alltag der Stadtteilschule dargestellt, der mit zahlreichen Großstadtschulen in Deutschland vergleichbar sei. Reschke und Wärnke drehten dort in einer 6. Klasse über zwei Monate, wobei Reschke vier Wochen bei den 22 Jungen und Mädchen im Alter von 12 bis 13 Jahren in die Rolle einer „Co-Lehrerin“ schlüpfte und so am eigenen Leib erfuhr, womit die Lehrer jeden Tag zu kämpfen haben. Im Anschluss an die Reportage diskutierten unter anderem Stöck und Reschke in der ARD-Sendung „Beckmann“ über das Thema.

Kritik nach Erstausstrahlung im Juni

Behördensprecher Albrecht sagte, nach der Erstausstrahlung im Juni sei ein Kommitte aus Schülern und Eltern in der Behörde vorstellig geworden und habe sich bitterlich beklagt. Eltern und Schülern sei nicht bewusst gewesen, wie die Kinder in dem Film dargestellt würden. Einige Schüler hätten sogar geweint, weil sie sich nun gemobbt fühlten. Schulleiter Stöck wollte sich, wie er sagte, auf Anraten seines Anwalts nicht zu den Vorwürfen äußern, betonte jedoch in der ARD, dass sowohl mit Schülern als auch Lehrern gesprochen worden sei. Proteste von Eltern habe es nicht gegeben. Er räumte jedoch ein, dass die Schüler nach der Erstausstrahlung betroffen gewesen seien.

„Das haben wir auch ernst genommen“, sagte Stöck. Es sei viel mit den Kindern gesprochen worden. Kurz vor der Zweitausstrahlung der Reportage in der ARD habe er ihnen noch einmal gesagt: „Kinder, seid stolz auf Euch, ihr seid beteiligt an einer Debatte, die es ohne euch nicht gegeben hätte.“ Und stolz seien die Kinder nun auch. „Es sind lebendige, lustige Kinder weiterhin“, sagte Stöck. Über seine Motivation, dem NDR eine Drehgenehmigung zu erteilen, sagte er: „Schule ist wie der Vatikan – closed shop.“ Er finde aber, die Gesellschaft habe ein Recht darauf zu sehen, was in der Schule ablaufe.

Doch nicht nur Schulleiter Stöck, auch der NDR ist inzwischen in die Kritik geraten. So habe er sich trotz Bitten der Schulbehörde geweigert, die Gesichter der Kinder wenigstens bei der Zweitausstrahlung zu verpixeln und keine Namen zu nennen. Zudem hätte Reschke nicht als „Co-Lehrerin“ arbeiten dürfen, weil dies nur ausgebildetem Fachpersonal gestattet sei.

„Kein Anlass für Verpixelung“

Der NDR wies die Vorwürfe zurück. „Die Redaktion hat sich mit der Schule über eine erneute Ausstrahlung der unverpixelten Reportage im Ersten intensiv beraten“, erklärte der Sender. Im Zuge dessen habe die Schule die Schüler und Eltern über die erneute Ausstrahlung informiert. „Es gab keinerlei Umstände, die gegen eine weitere offene Ausstrahlung gesprochen haben.“ Auf die Bitte der Schulbehörde hin, Teile des Films zu pixeln, hätten Redaktion und das NDR-Justiziariat den Vorgang erneut geprüft „mit dem Ergebnis, dass für eine Verpixelung kein Anlass besteht“.

Der Sender wies auch darauf hin, dass Einverständniserklärungen der Eltern vorlägen. Und auch ein angebliches Arbeitsverbot als „Co-Lehrerin“ sei nicht nachvollziehbar. „Im Gegenteil, Schulbehörde und selbst Bildungssenator Ties Rabe waren über das Vorhaben der Redaktion, den Unterricht zu begleiten, und die Dreharbeiten informiert.“