St. Pauli

Bretterverschläge an den Esso-Häusern - Initiative empört

Der Investor sah "Gefahr in Verzug". Anbringung provisorisch, aber auf unbestimmte Zeit. Mieter und Initiative Esso-Häuser sauer.

Hamburg. Außen massive Bretterverschläge und innen vernagelte Holzplatten: Vergangene Woche wurde an den Fassaden und in den Treppenaufgängen der Häuser 5b und 5c am Spielbudenplatz eine großflächige Holzverkleidung angebracht. Was den Charme einer Bretterbude verströmt, sei "zum Schutz der Mieter“ geschehen, sagt Sabine Hagn, Sprecherin des Immobilieninvestors Bayerische Hausbau.

Wegen "erheblicher Probleme“ im Bereich der Treppenhäuser seien die Fassaden der beiden Gebäude, die zum Komplex der Esso-Häuser gehören, Anfang März eingerüstet worden. Dies geht aus einem Informationsschreiben der zuständigen Hausverwaltung Haueisen an die Mieter hervor. Hagn bestätigt: "Aufgrund von herabfallenden Mörtelelementen im Bereich der Glasbausteine in den Treppenaufgängen bestand Gefahr in Verzug. In einem ersten Schritt haben wir ein Gerüst aufgestellt, dieses haben wir dann durch die Bretterverkleidung ersetzt. Die lockeren Teile wurden zudem befestigt.“

Einen "unsensiblen Schritt“ nennt dies Ingolf Goritz von der Grünen-Fraktion im zuständigen Bezirk Mitte. "Diese Aktion sendet eindeutig die falschen Signale“, so der 52-Jährige, der sich im Bau- und Denkmalausschuss engagiert. Zlatko Bahtijarevic von der Initiative Esso-Häuser, die seit Jahren für den Erhalt des Gebäudekomplexes kämpft, ist sich sicher: "Mit diesem Abriss-Ambiente sollen wohl Fakten geschaffen werden. Den Mietern wird das Gefühl vermittelt, der Abriss der Häuser sei längst beschlossene Sache.“

Noch steht jedoch eine endgültige Entscheidung über die Zukunft des Gebäudekomplexes aus. Die Initiative steht in engem Kontakt mit politischen Vertretern, um doch noch einen Kompromiss mit dem Investor zu erzielen. Dieser hatte die Gespräche mit der Initiative im Februar dieses Jahres für gescheitert erklärt.

Durch die Anbringung der Holzverkleidung an der Front und im Hausinneren liegen die Treppenaufgänge einzelner Etagen im Dunkeln. In Gebäude 5b betrifft dies das dritte und vierte Stockwerk, im Nachbarhaus die dritte bis zur sechsten Etage. "Aus Sicherheitsgründen werden wir veranlassen, dass das Licht in den Fluren durchgängig brennt“, sagt Hagn. Am Donnerstagmittag war dies bei einer Begehung mit Mietern jedoch noch nicht der Fall.

An einem der Häuser ist die Bretterverkleidung sogar breiter als der Treppenaufgang, den sie abdecken soll. Die Fenster angrenzender Wohnungen werden dadurch teilweise verdeckt. Für die Vertreter der Initiative Esso-Häuser ein unhaltbarer Zustand. „Die Mieter können doch nicht dauerhaft im Halbdunkel wohnen“, sagt Bahtijarevic. "Dies war nicht beabsichtigt und wurde durch den beauftragten Handwerker falsch ausgeführt. In den nächsten Tagen wird dies nachgebessert“, erklärt Hagn.

Für Siegmund Chychla vom Mieterverein zu Hamburg hat das Verhalten des Investors "ein Geschmäckle. Es besteht hier der Verdacht, dass Mängel nur provisorisch behoben werden – in der Hoffnung, dass die Häuser abgerissen werden.“ Der Mietrechtexperte weiter: "Der Vermieter ist verpflichtet, Mängel umgehend zu beseitigen. Und zwar so, dass für die Mieter keine Beeinträchtigungen entstehen. Es wäre zu prüfen, ob der Vermieter seiner Pflicht zur Instandsetzung der Immobilie in vollem Umfang nachkommt.“

Weitere Investitionen zur Instandsetzung der Esso-Häuser plant die Bayerische Hausbau nicht. "Wir halten eine Neubebauung des Geländes nach wie vor für die sinnvollste Lösung“, so die Sprecherin des Investors. "Solange wir nicht wissen, wie es mit der Immobilie weitergeht, dient die Holzverkleidung als provisorische Maßnahme.“

Wie lange dies andauern könnte, ist unklar. Hagn: "Das können wir momentan nicht sagen. Derzeit sind wir in Vorbereitung des vierten und finalen Gutachtens (zur Zukunft des Gelände – Anm. d. Red.), dessen Befragungstext und Auswahl des Sachverständigen von Andy Grote mit der Initiative Esso-Häuser besprochen wird.“

Das Ergebnis der Gespräche zwischen der Initiative und dem SPD-Bürgerschaftssabgeordneten Grote will die Bayerische Hausbau also abwarten. "Sobald wir wissen, ob an diesem Standort neu gebaut oder saniert wird, werden wir das Thema Treppenhausverkleidung nochmals angehen.“