Hammerbrook

Der größten Skater-Anlage Hamburgs droht das Aus

Das Skateland an der Spaldingstraße wird jedes Jahr von 100.000 Jugendlichen besucht. Politiker machen sich für Erhalt stark.

Hamburg. Droht dem Skateland an der Spaldingstraße, der größten Skater-Anlage Hamburgs, das Aus? Der von Modedesigner Thomas Friese vor 22 Jahren gegründete Verein, der sozial benachteiligte Kinder und Jugendliche betreut und sie vor dem Abrutschen in Sucht oder Kriminalität versucht zu bewahren, wird jährlich mit 220.000 Euro von der Stadt gefördert. Jetzt könnten die angekündigten Sparmaßnahmen in der Jugendhilfe den Betrieb der Skate-Halle, die von rund 100.000 Kindern und Jugendlichen im Jahr besucht wird, gefährden. "Wir bekommen auf unsere Nachfragen keine konkrete Auskunft", sagt Sportpädagoge Frank Martens, der den Verein seit mehr als 20 Jahren leitet. Eine Antwort zur Zukunft von Skateland blieb die Sozialbehörde auch dem Abendblatt schuldig. "Wegen der angeordneten Sparmaßnahmen stehen derzeit viele Projekte auf dem Prüfstand", sagt Sprecherin Nicole Serocka. "Eine endgültige Entscheidung wird erst noch fallen."

Diese Ungewissheit macht Martens unruhig - viel mehr als der Lärm, der aus der 1500-Quadratmeter-Halle in sein Büro dringt. Und der ist beträchtlich: Rund 60 Skater, Inliner und BMX-Radfahrer vollführen ihre Sprünge. Aus dem Fenster seines Büros kann Martens die gesamte Halle überblicken. Mit in Eigenarbeit geschaffenen Halfpipes (halbe Röhren), einer Bowl (schalenförmige Vertiefung) und Miniramps (kleine Rampen) bietet der Skatepark alles, was die Jugendlichen für ihren Sport brauchen. 2004 wurde eine Tribüne gebaut, sodass hier auch große Veranstaltungen stattfinden können - die Vermietung der Halle ist neben dem Verkauf am Kiosk, der Unterstützung durch Sponsoren und dem Eintritt (2,50 Euro am Wochenende) eine der Einnahmequellen des Vereins, der pro Jahr knapp 100 000 Euro selbst erwirtschaftet. Wegen der hohen Besucherzahlen sollte das 1800 Quadratmeter große Außengelände eigentlich demnächst erweitert werden.

Außerhalb der Regelzeiten von 15 bis 20 Uhr (geöffnet wird erst nachmittags, damit kein Besucher fürs Skaten die Schule schwänzt) kommen vormittags Klassen, Behindertensportler oder Jugendgruppen. Nachmittags und abends gibt es Angebote wie Drogen- und Gewaltprävention, Hausaufgabenhilfe, eine Videogruppe, die Holzwerkstatt und eine Frauengruppe.

"Gut fünf Prozent der Skater sind verhaltensauffällig und müssen wieder in die Spur gebracht werden", sagt Martens, der die pädagogische Arbeit mit seinem Mitarbeiter Björn Berg, einem gelernten Zimmermann mit Fachabitur in Erziehungswissenschaften, und einer Handvoll Studenten leistet. Mit Erfolg. Tom etwa (alle Namen geändert), 17, rauchte viel Hasch und hatte sich eine "Alles-egal-Haltung" zugelegt. Ihm wurde angeboten, in der Holzwerkstatt mitzuarbeiten. Beim Ausbessern und Bauen des Skateparks wurde sein Interesse an der Arbeit geweckt, jetzt macht er eine Ausbildung zum Tischler.

Die 16 Jahre alte Tina litt lange unbemerkt an einem Borderlinesyndrom. Jetzt macht Tina eine Therapie. Auch Steve, 17, drohte abzugleiten. Ihn trafen Martens und Berg manchmal schon morgens vor der Skate-Halle. Dann hatte Steve unter den Rampen im Freien geschlafen. "Da war es jedenfalls trocken", sagt der Jugendliche mit den braunen Locken, der zwei Jahre lang in Hamburg auf der Straße gelebt hatte. Er war mit 15 aus einem Heim geflohen, in das er von seiner Mutter gesteckt worden war, und hatte seine Lehre als Klempner abgebrochen. Seit fünf Jahren lebt Steve fürs Skaten. "Das hilft, den ganzen Mist zu vergessen, den man im Kopf hat", sagt er. Schon damals fuhr er manchmal nach Hamburg, in die Halle, die in der Skater-Szene ganz Deutschlands bekannt ist. Steve hilft jetzt Björn Berg in der Holzwerkstatt, fegt die Halle oder bringt den Müll raus. Umgekehrt hilft Berg ihm bei den Bewerbungen, die er schreibt, hat ihn schon mehrfach zur Arbeitsagentur geschickt und sich bei Handwerksbetrieben nach Ausbildungsplätzen erkundigt.

Sich um Jugendliche wie Steve, Tom und Tina zu kümmern gehört für die Skateland-Crew zum Alltag. Ihre Erfolge werden von Politikern anerkannt. "Skateland leistet eine moderne und aktive Jugendarbeit, die wichtig für Hamburg ist", sagt Michael Osterburg, Fraktionschef der Grünen in Hamburg-Mitte. "Es wäre fatal, wenn sie der Sparwut des Senats bei der Kinder- und Jugendhilfe zum Opfer fiele." Die Sozialbehörde müsse den Verein weiter fördern, damit dieser die notwendige Vergrößerung planen könne. Auch Bürgerschaftspräsidentin Carola Veit (SPD) unterstützt Skateland. Sie sitzt mit Osterburg im Vorstand. "Eine Einrichtung wie Skateland macht nur Sinn, wenn sie in ihrer jetzigen Form bestehen bleibt", sagt Veit. "Sie muss 365 Tage im Jahr für Kinder aller Schichten geöffnet haben."