Schifffahrt

So kämpft Blankenese für seine Elbfähre

Treffen auf dem Anleger Op’n Bulln: Bürgervereinschef Benjamin Harders (v. l.), Monika Lühmann, Oliver Diezmann und Dr. Jan Kurz (Förderkreis).

Treffen auf dem Anleger Op’n Bulln: Bürgervereinschef Benjamin Harders (v. l.), Monika Lühmann, Oliver Diezmann und Dr. Jan Kurz (Förderkreis).

Foto: Thorsten Ahlf

Neue Allianz schreibt Brandbrief an Wirtschaftssenator Westhagemann und fordert flache Schiffe für den Weg nach Cranz.

Hamburg. Seit Monaten gibt es auf beiden Elbseiten große Sorgen um den Fortbestand der Fährverbindung von Blankenese nach Cranz. Jetzt hat sich in Blankenese eine ungewöhnliche Allianz gebildet, die sich energisch für die Fähre einsetzt: Vertreter des Blankeneser Zukunftsforums sind darin ebenso vertreten wie der Bürgerverein und die Interessengemeinschaft und BID-Initiative, die sich für die Geschäftsleute am Ort einsetzt.

Das ist ungewöhnlich, weil in den vergangenen Wochen immer wieder der Eindruck entstanden war, vor allem Traditionalisten und Einzelpersonen mit Partikularinteressen würden sich für die Fähre starkmachen. Auch der Förderkreis Historisches Blankenese ist mit im Boot, während sich von Cranzer Seite der Arbeitskreis Cranz und die Bürgervertretung Neuenfelde-Francop-Cranz angeschlossen haben.

Initiative setzt sich auch für die Pendler ein

Alle gemeinsam haben jetzt einen Brandbrief an Wirtschaftssenator Michael Westhagemann (parteilos) geschrieben, in dem sie ihn auffordern, sich stärker als bisher für die Fähre einzusetzen. „Hier geht es auch um die Erreichbarkeit von Arbeitsplätzen in Blankenese“, sagt Oliver Diezmann von der Interessengemeinschaft, „denn auch von und nach Blankenese gibt es Pendler.“ Überhaupt müsse die gute Erreichbarkeit des Elbvororts auch im Interesse der Wirtschaftsbehörde liegen. Die Fährverbindung ist, wie berichtet, unter anderem in die Krise geraten, weil immer wieder Fahrten wegen starken Niedrigwassers ausfallen. Nicht zuletzt dadurch waren auch die Fahrgastzahlen deutlich gesunken. Hatten beispielsweise im Jahr 2011 noch 130.000 Passagiere die Fähre genutzt, waren es im Jahr 2014 nur noch 23.000.

Das Bündnis der Fähre-Retter fordert vom Wirtschaftssenator nun einen energischeren Einsatz gegen die starke Verschlickung der Elbe, die Hauptursache für die vielen Ausfälle sei. „Die Fahrrinne zwischen unseren Stadtteilen derart verschlicken zu lassen ist wirtschaftlich kurzsichtig“, schreiben die Unterzeichner an den Senator. Und weiter: „Durch die Tatsache, dass die Este-Fahrrinne ständig verschlickt und die Hadag bislang nur Fähren mit einem zu großen Tiefgang hat, ist eine tide- und wetterabhängige Verbindung entstanden, die alles andere als verlässlich ist.“

Verschlickung umschiffen

Entsprechend könnten neue, flachere Fähren dazu beitragen, die Verschlickung buchstäblich zu umschiffen. In diesem Zusammenhang fordert die Initiative eine stärkere Unterstützung für Hadag-Chef Tobias Haack, der, wie berichtet, neue Fährschiffe anschaffen will, wenn auch nicht gezielt für die Verbindung Blankenese–Cranz. In dem Brief an Westhagemann heißt es dazu: „Wir bitten Sie, Herrn Dr. Haack als Leiter der Hadag in seinem Bemühen um mehr geeignete Schiffe und mehr Personal zu unterstützen. Und zwar sollten nicht nur Schiffe für den Hafen-Tourismus angeschafft werden, sondern auch geeignete, flachere Schiffe für die von uns Bürgern gewünschte, regelmäßige Überquerung der Elbe.“

Auch die touristische Bedeutung der Verbindung werde von der Wirtschaftsbehörde unterschätzt, glaubt die Initiative. „Die Hansestadt Buxtehude als Mitglied der Metropolregion Hamburg hat großes Interesse an der Fährverbindung“, sagt die Blankeneser Geschäftsfrau Monika Lühmann. Außerdem bilde die Verbindung, was viele nicht wissen, nicht nur einen Teil des Elbwanderwegs, sondern auch des Jacobswegs.

Die Gruppe, die mehrere Hundert Blankeneneser bündelt, argumentiert, dass die Zahl der Gäste wieder steigen werde, sobald regelmäßige Fahrten garantiert werden könnten. Dann würde die Fähre auch eine wichtige Rolle bei der Entlastung der Straßen spielen können. „Die Fähre ist als Alternative zum Pkw für die Pendler aus dem Alten Land und den niedersächsischen Gemeinden als Verbindung im öffentlichen Personennahverkehr wichtig“, heißt es dazu in dem Brandbrief. „Es kommen Verkehrsteilnehmer aus Buxtehude, Jork und Horneburg, um die Cranzer Fähre zu nehmen, weil sie in Blankenese, Wedel oder Schenefeld arbeiten und weil die Fähre die einzige Möglichkeit im Hamburger Westen ist, mit dem Rad über die Elbe zu kommen – sowohl für die Pendler als auch für die Touristen.“

Hadag-Vorstand bewertet die Vorschläge skeptisch

Hadag-Vorstand Tobia Haack reagiert zurückhaltend auf den Brief. Schon jetzt habe die Linie den höchsten Zuschussbedarf aus Steuermitteln pro Fahrgast, so Haack, er sei zehnmal höher als bei anderen Hadag-Linien. Die Vorschläge der Initiative bewertet er eher skeptisch. „Die Wassertiefe zur Einfahrt nach Neuenfelde beträgt bei Niedrigwasser gerade einmal rund 20 Zentimeter“, so Haack in einem Schreiben an das Abendblatt. „Ein Schiff mit weniger Tiefgang könnte daher auch keine vollständig zuverlässige Anfahrt von Neuenfelde und Cranz gewährleisten.

Zudem hat ein Schiff mit weniger Tiefgang ein schlechteres Seeverhalten, was auf der Linie Blankenese–Cranz durchaus relevant ist.“ Ob der Aufwand einer regelmäßigen Ausbaggerung verhältnismäßig wäre, sei letztlich eine politische Entscheidung, so Haack. Im Übrigen stehe die Hadag im ständigen Austausch mit der Behörde für Wirtschaft, Verkehr und Innovation, und es gebe regelmäßig Gespräche über das jetzige und zukünftige Angebot. Die Behördensprecherin Susann Meinecke teilte lediglich mit: „Die Verfasser bekommen eine umfassende Antwort auf die unterschiedlichen Vorschläge und Fragestellungen.“