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Stadtteilschule Blankenese wehrt sich gegen Überbelegung

Stadtteilschule Blankenese

Stadtteilschule Blankenese

Foto: Andreas Laible / Andreas Laible / FUNKE Foto Services

Sie gilt als eine der profiliertesten Stadtteilschulen. Jetzt befürchten Schüler, Lehrer und Eltern, dass das besondere Angebot leidet.

Blankenese. An der Stadtteilschule Blankenese gibt es massive Proteste gegen eine drohende Überbelegung der Schule. Der Anlass: Im Schulentwicklungsplan wird die Schule an der Frahmstraße, die als eine der profiliertesten Stadtteilschulen Hamburgs gilt, standardmäßig als sechszügig ausgewiesen. Schüler, Lehrer und Eltern befürchten, dass das besondere pädagogische Angebot leidet, wenn künftig noch deutlich mehr Fünftklässler an die Schule drängen als bisher.

Aktuell hat die Schule rund 1100 Schülerinnen und Schüler, davon rund 400 in der gymnasialen Oberstufe. Würden künftig jährlich sechs fünfte Klassen eingerichtet, könnte das rund 150 neue Kinder pro Schuljahr bedeuten. Doch die Schule platzt schon jetzt aus allen Nähten, was auch mit ihrer urbanen Lage zusammenhängt. Das Schulgelände wird an der Frahmstraße rechts und links von Wohnhäusern begrenzt, direkt dahinter verläuft die S-Bahnstrecke.

Ein Neubau für 10,2 Millionen Euro reicht nicht aus

Auf ihrer Homepage definiert die Schule ihr Profil so: „Jeder Mensch ist einzigartig und lernt auf seine eigene Art. Das bedeutet, dass jede Schülerin und jeder Schüler den eigenen Bildungsweg finden muss, um vielfältige Leistungspotenziale entwickeln zu können. Dafür braucht man Zeit, Raum und Engagement. All dieses bieten wir.“ Genug Raum wird den Schülern (noch) geboten, doch nun droht er, immer knapper zu werden.

Erst im September 2017 war auf dem Schulgelände ein sogenannter Neu- und Zubau eröffnet worden, der – inklusive der Umgestaltung des Schulgeländes – die Stadt rund 10,2 Millionen Euro gekostet hatte. Aber: Der Neubau war von Anfang an auf fünf neue Klassen ausgerichtet, sodass die Platzprobleme jetzt wieder von vorne anfangen.

„Meine Hinweise darauf sind damals leider folgenlos geblieben“, sagt Schulleiter Matthias Morgenroth-Marwedel, der jetzt eine umfangreiche bauliche Vergrößerung vorschlägt. Ob und wie das zwischen Wohnhäusern und Bahndamm realisiert werden kann, müsse baldmöglichst geklärt werden. „Wir sind in Sorge, dass die Erweiterung unserer Schule auf durchgängig sechs Klassen zulasten der Qualität unserer Arbeit geht“, so Morgenroth-Marwedel.

Wissenschaftssenatorin Fegebank "abgefangen"

Die geplante Ausweitung und die damit verbundenen Probleme werden in der Schule offen kommuniziert, und der Wunsch, die Entwicklung aufzuhalten ist groß. Besonders engagiert ist dabei die Klasse 5 f. Die pfiffigen Schülerinnen und Schüler haben gemeinsam mit ihren Lehrerinnen im Klassenrat Ideen gesammelt, was nun zu tun sei und eine Fülle von Vorschlägen entwickelt.

Als erste Maßnahme hat die 5 f ein Rundschreiben an sämtliche Mitschüler verfasst, in dem noch einmal verständlich erläutert wird, warum sich alle für den Erhalt der Fünfzügigkeit einsetzen sollten. „Der Schulhof ist bereits zu klein, Austoben ist schwierig, Spielgeräte sind oft belegt“, heißt es dort unter anderem. Und auch: „Unsere Mensa ist zu klein. Das gemeinsame Klassenessen kann nicht stattfinden, wir essen nacheinander und in unterschiedlichen Räumen.“ Das Fazit fasst Klassensprecher Frederik Geipel zusammen: „Natürlich freuen wir uns über die Beliebtheit unserer Schule, jedoch müssen wir trotzdem sagen: Fünf 5. Klassen sind genug.“

Der Aufforderung der Fünftklässler, einen Protestbrief an Schulsenator Ties Rabe zu schreiben, kamen bislang rund 130 Schüler nach, alle Briefe wurden der Schulbehörde bereits übergeben.

Was die Schulbehörde sagt

Damit nicht genug. Als die Zweite Bürgermeisterin Katharina Fegebank (Grüne) Ende Juni als Schirmherrin am Kulturfest der Stadtteilschule teilnahm, wurde sie von einer Abordnung der engagierten Fünftklässler angesprochen, die ihr ebenfalls ein Protestschreiben überreichten. Fegebank sagte damals, dass sie es grundsätzlich gut fände, wenn Schüler offen ihre Meinung sagten, äußerte sich aber nicht zum Inhaltlichen. Der Protest und die starke Resonanz darauf kommen für Matthias Morgenroth-Marwedel nicht überraschend, wie er sagt. „Die Schülerinnen und Schüler sind schließlich die unmittelbar Betroffenen“, so der Schulleiter.

Peter Albrecht, Sprecher der Behörde für Schule und Berufsbildung (BSB), verweist auf Nachfrage darauf, dass die hohen Anmeldezahlen bei Gymnasien und Stadtteilen im Hamburger Westen mit dem starken Zuzug in diese Region zusammenhängen. Entsprechend schlägt der Referentenentwurf des neuen Schulentwicklungsplans vor, bei den Stadtteilschulen (Region 6) zwei Stadtteilschulen – die in Blankenese und die in Rissen – mit insgesamt zehn Zügen zu „versorgen“: Bis zu sechs sollen auf die Stadtteilschule Blankenese, bis zu vier auf die Stadtteilschule Rissen entfallen.

„Hierfür sind an der Stadtteilschule Blankenese im Zusammenhang mit notwendigen Sanierungsarbeiten auch Um- und Zubaumaßnahmen notwendig“, so Peter Albrecht. Mit anderen Worten: Der Bedarf für eine (erneute) bauliche Erweiterung der Stadtteilschule Blankenese wird auch in der Schulbehörde klar gesehen.

Zugleich macht Albrecht aber deutlich, dass es sich bei der gegenwärtigen Planung nach wie vor um einen Entwurf handele. „Entschieden ist noch gar nichts“, so der Behördensprecher.