Nach Unfällen

Waitzstraße: Sperrung der Parkplätze ist vom Tisch

Die Geschäftsleute in der Waitzstraße bleiben auch nach dem gefundenen Kompromiss weiter kämpferisch.

Die Geschäftsleute in der Waitzstraße bleiben auch nach dem gefundenen Kompromiss weiter kämpferisch.

Foto: Michael Rauhe / Michael Rauhe / FUNKE Foto Services

Im Kampf um die umstrittenen Schrägparkplätze lagen bei Händlern die Nerven blank. Jetzt keimt Hoffnung auf.

Hamburg. Die geplante und immer wieder verschobene Sperrung der Schrägparkplätze an der Waitzstraße ist vom Tisch. Nach Ortsbegehungen und mehreren aufreibenden Gesprächen zwischen Vertretern von Polizei, Bezirksamt Hamburg-Altona und Interessengemeinschaft (IG) Waitzstraße gibt es nun folgenden Kompromiss: Das Bezirksamt wird ein Ingenieurbüro mit einem Gutachten beauftragen. Dabei soll festgestellt werden, inwieweit die schon bestehenden Sicherungselemente so weit aufgerüstet werden können, dass sie künftig aufprallenden Autos standhalten. Das bestätigte Polizeisprecher Rene Schönhardt auf Anfrage.

Ein Ingenieurbüro wird mit der Prüfung beauftragt

Laut Martin Roehl, Sprecher des Bezirksamts, wird die Untersuchung schnellstmöglich in Auftrag gegeben. Wann mit Ergebnissen zu rechnen ist und wie schnell danach mit einer Umgestaltung begonnen werden kann, ist zurzeit noch völlig unklar. Auch eine zeitweise geplante zusätzliche „Bepollerung“ zur stärkeren Absicherung ist vom Tisch.

Am 20. Mai war, wie berichtet, eine Seniorin mit einem Mercedes in das Bekleidungsgeschäft Die Engelei gerast. Unmittelbar danach hatte die Polizei zunächst angekündigt, den Unfallschwerpunkt zu entschärfen. Die mehr als 50 Schräg-Parkplätze auf der Nordseite der beliebten Einkaufsstraße, so war es ursprünglich geplant, sollten gesperrt und – wo möglich – durch improvisierte Längsparkplätze ersetzt werden.

Keine neue Unruhe

Doch diese Planung brachte die Einzelhändler auf die Barrikaden. In mehreren Sondersitzungen machten sie ihre Position deutlich: Nach dem langen, teuren Umbau der „Waitze“ sei den Kunden neue Unruhe vor Ort nicht zu vermitteln. Allen ist klar: Selbst eine kleine Sperrung wird in der Gegend so kommuniziert, als sei die Waitzstraße mit dem Auto nicht erreichbar. Besucher, die nicht wissen, was genau vor Ort vorgeht, meiden die Straße dann lieber, als in ein vermeintliches Verkehrschaos zu geraten. Und auch das wurde am „runden Tisch“ deutlich: Niemand weiß, ob eine Umstellung von Längs- auf Schrägparkplätze auch tatsächlich langfristig Sicherheit gebracht hätte.

Erfolg für die Einzelhändler

Der Kompromiss ist ein großer Erfolg für die Einzelhändler der Waitzstraße. Vor Ort wird deutlich, dass viele von ihnen emotional hin- und hergerissen sind. Von einem Wechselbad der Gefühle ist die Rede, weil sich die aktuelle Nachrichtenlage zuletzt fast täglich änderte.

Da ist zum einen Dankbarkeit für das Entgegenkommen der Polizei und die Unterstützung durch das Bezirksamt. Die vergangenen Wochen haben gezeigt, so sehen es hier alle, dass sich mit Zähigkeit und ständiger Gesprächsbereitschaft eine Menge erreichen lässt. Zum anderen ist da aber auch Wut über die jüngsten Unfälle, die es nach dem aufwendigen Umbau so eigentlich nicht mehr geben sollte. Erst war die beliebte „Waitze“ über zähe Monate eine einzige Baustelle, danach konnten ausgebliebene Kunden zurückgewonnen werden.

Straße als gefährlicher Unfallschwerpunkt im Gespräch

Nun ist die Straße plötzlich vor allem als gefährlicher Unfallschwerpunkt im Gespräch, und einmal mehr geht es darum, ihr Image aufzupolieren. Einig sind sich alle darüber, dass die notwendige Ertüchtigung der „Stadtmöbel“ schnell gehen muss und dass sie nicht mit weiteren Umbauarbeiten verbunden sein darf. Metzger Dirk Hübenbecker, der auch 2. Vorsitzender der IG Waitzstraße ist, bringt es so auf den Punkt: „Was nützt uns allen eine sicherere Straße, wenn die Kunden so genervt sind, dass sie ganz wegbleiben?“

„Es kann nicht darum gehen, immerzu die betagten Autofahrer hier zu kritisieren“, sagt Susanne Möller, Inhaberin von Miss Sophie’s Kindermoden. „Für viele ist es zu anstrengend, zu Fuß hierher zu kommen, und die allermeisten fahren völlig korrekt.“

Kein großer Aufwand

Aktuell sichern unterschiedliche Bauelemente Fußwege und Schaufenster. Neben Bänken und Kübeln gibt es auch Sitzblöcke, kleine Poller und Metallbügel. Vor Ort ist man überzeugt: Letztlich müssen nur die niedrigen Blöcke fester im Boden verankert werden, während beispielsweise die gut befestigten Bügel auch großen Autos mit hoher PS-Zahl standhalten. Thomas Sass, der seit 33 Jahren einen Bioladen in der „Waitze“ betreibt ist sicher: „Man muss nur ein paar Blöcke und Poller sicherer machen, das ist gar kein großer Aufwand.“ Und Kai Müller von der Hamburger Teezeit weiß: „Die Metallbügel haben in den vergangenen Monaten auch Unfälle verhindert, aber darüber wird viel zu wenig gesprochen.“

Händler wollen betagte Autofahrer gezielt ansprechen

Künftig genauer hinschauen – auch das haben sich die Einzelhändler jetzt vorgenommen: Sie wollen betagte Fahrerinnen und Fahrer nötigenfalls ansprechen und, falls möglich, überreden, das Auto stehen zu lassen. Reinhild Marggraf, Inhaberin von Clothilde, ist mit den Ärzten aus der Umgebung im Gespräch. Diese sollen Senioren künftig noch gründlicher auf die einschränkende Wirkung hinweisen, die manche Medikamente für Autofahrer haben.