Neubau

Flottbeker protestieren gegen Nachverdichtung

Bei den Nachbarn aus dem Ohlenkamp herrscht Aufregung. Rechts hinter dem Zaun: Das leer stehende Mehrfamilienhaus, das abgerissen wird.

Bei den Nachbarn aus dem Ohlenkamp herrscht Aufregung. Rechts hinter dem Zaun: Das leer stehende Mehrfamilienhaus, das abgerissen wird.

Foto: Matthias Schmoock / HA

Eine Nachbargemeinschaft am Ohlenkamp macht gegen einen geplanten Neubau mobil. Haus überdimensioniert?

Hamburg.  Der Ohlenkamp ist wie viele Straßen in Groß Flottbek eine grüne Oase der Ruhe. Mittelgroße Backsteinhäuser, große Gärten – mehr Mittelstand als Großbürgertum. Die Nachbarn halten zusammen, achten aufeinander, feiern auch mal gemeinsam Grillfeste. Doch jetzt herrschen vor Ort Aufregung – und Angst.

Auf einem großen Grundstück an der Ecke Ohlenkamp/Worpsweder Stieg soll im Auftrag der Grundstücksgesellschaft Ohlenkamp 38 ein großes Mehrfamilienhaus gebaut werden. Auf dem mittlerweile eingezäunten Grundstück befindet sich zurzeit noch ein älteres, deutlich kleineres Mehrfamilienhaus, das seit Jahren leer steht. Auf der Firmen-Homepage der für den Neubau zuständigen Architekten heißt es dazu unter anderem, das neue Gebäude wirke hell und freundlich und nehme „Bezug auf das Material der Umgebung“. Und weiter: „So vermittelt das neue Haus zwischen der blockartigen Bebauung an der Ebertallee und den kleinen Baukörpern am Ohlenkamp.“

Anwohner schalten Bezirkspolitiker ein

Doch die Anwohner vor Ort sehen das ganz anders. Sie machen mobil gegen den Neubau, haben jetzt zahlreiche Bezirkspolitiker eingeschaltet, in der Nachbarschaft Unterschriften gesammelt und ein Flugblatt verteilt. Vor Ort ist die Stimmung aufgeladen. Mehr als 30 Betroffene haben sich vor dem Zaun versammelt, wie zum Trotz zwitschern ein paar Vögel in den Bäumen, die dort (noch) stehen.Was niemand der Betroffenen versteht: Optisch und von der Höhe wird der helle Neubau an die Mehrfamilienhäuser der östlich verlaufenden Ebert­allee angepasst, obwohl er direkt an die deutlich niedrigeren, rötlichen Einfamilienhäuser des Ohlenkamps und seiner Nachbarstraßen anschließt.

Carsten Voss, der mit seiner Familie direkt neben dem Baugrundstück wohnt, hat als Höhe des Neubaus 14 Meter ermittelt. Für ihn ist das „eine riesige Wand, die unsere ganze Straße optisch abriegelt“. Die anderen, die sich hier heute versammelt haben, sehen das genauso. „Ein Ding“ sei der Neubau. Er passe nicht in die Gegend, außerdem müssten etliche Bäume weichen. Besonders verärgert sind die Anwohner darüber, dass die Zufahrt zur Tiefga­rage des Neubaus nach letztem Planungsstand nicht über die relativ viel befahrene Ebertallee, sondern über die Achse Hittfelder Stieg/Ohlenkamp gewählt werden soll. „Eine Tiefgarage mit zwölf Plätzen für Autos und 41 Fahrrad-Stellplätzen ist geplant“, so Carsten Voss. „Das bedeutet, dass der gesamte zusätzliche Autoverkehr durch unsere Siedlung geführt wird.“

Pro­blem mit den Elterntaxis

Zahlreiche Nachbarn pflichten ihm bei. „Es ist schade, dass unsere Nachbarschaft in Mitleidenschaft gezogen wird“, sagt Ingo Rehders. „Mit Sicherheit werden hier dauernd Autos durchfahren oder alles zuparken. Das Pro­blem der Elterntaxis wird sich noch potenzieren, wenn die Zufahrt wie geplant angelegt wird.“ Raimund Lauer spricht von einem schützenswerten Gebiet, das nun ohne jede Notwendigkeit „ruiniert“ werde. Und Gerda Lesselich wundert sich: „Seit Jahren steht das Haus an der Ecke schon leer, warum jetzt diese Eile?“

Die Interessen der Anwohner vertritt der Rechtsanwalt Rüdiger Schulz-Gansen. Er bezeichnet den geplanten Neubau als „erschlagend“ und sieht das Gebot der Rücksichtnahme verletzt. Wenn nötig, werden wir alle uns zur Verfügung stehenden rechtlichen Möglichkeiten aus“, so Schulz-Gansen. Die Anwohner wollen nicht als „Meckerer“ dastehen, die grundsätzlich Front gegen Neubauten machen. Entsprechend stellen sie immer wieder ihre Gesprächsbereitschaft mit Planern und Bezirkspolitikern heraus und signalisieren ihre Gesprächsbereitschaft. „Wir sind nicht gegen einen Neubau, uns geht es um die Dimension“, so Carsten Voss zusammenfassend. Noch wurde der Bauantrag im bezirklichen Bauausschuss noch nicht besprochen, das ist aber in den kommenden Wochen geplant.

Blume kann Sorgen der Anwohner verstehen

FDP-Fraktionschefin Katarina Blume, die sich vor Ort bereits umgesehen hat, sagt: „Ich kann die Sorgen der Anwohner verstehen. Es muss jetzt unbedingt weitere Gespräche geben.“

Und der SPD-Bauexperte Gregor Werner, der mit dem Fall ebenfalls vertraut ist, kündigt bereits an: „Wir werden in den Beratungen des Bauantrags die angesprochenen Probleme sehr wohl berücksichtigen. Insbesondere vor dem Hintergrund, dass der damalige Bauvorbescheid schon mehr als drei Jahre alt ist.“