Quartiersentwicklerin

Pendeln zwischen Groß Flottbek und „Hammerbrooklyn“

Der Blick geht in die Kamera – und natürlich auch in Richtung „Hammerbrooklyn“. Sybill Petermann, Sprecherin         der IG City Süd

Der Blick geht in die Kamera – und natürlich auch in Richtung „Hammerbrooklyn“. Sybill Petermann, Sprecherin der IG City Süd

Foto: Klaus Bodig / HA

In der Reihe „Wir im Westen“ bieten Menschen Einblicke in ihr Leben. Heute: Sybill Petermann, Sprecherin der IG City Süd.

Hamburg.  Sybill Petermann schaltet ihr Handy aus. Keine Störung für eine halbe Stunde. Fröhlich pustet sie in einem Blankeneser Café auf ihren Milchkaffee – erfrischt und motiviert vom morgendlichen Jogging. Später wird ihre Mailbox vermutlich vollgetextet sein, aber jetzt konzentriert sie sich ganz auf ihren Gesprächspartner – so, wie sie es immer tut.

Petermann, Sprecherin der Interessengemeinschaft (IG) City Süd, kann zuhören und inspirieren. Als Sprachrohr von rund 70 Firmen reicht es nicht, ein paar Pressemitteilungen zu verfassen. Sie muss eigene Akzente setzen, Menschen zusammenführen, ihr Netzwerk stabilisieren und weiter ausbauen. Die City Süd – das ist „ihr Baby“, wie sie sagt, und um dessen Entwicklung kümmert sie sich hingebungsvoll.

Bürostadt ist im Aufschwung

Die einst verschlafene kühl-öde Bürostadt ist im Aufschwung begriffen – vor Ort tut sich eine Menge. Mittlerweile ist „Hammerbrooklyn“ vielen Hamburgern ein Begriff, auch weil Petermann unermüdlich dafür schuftet und trommelt. Medien, Werber, Dienstleister, Restaurants. Die Kreativwirtschaft. Alle sind schon da oder wollen hin. „Als ich 1995 anfing, bestand die Gastronomie aus einer Pommesbude“, erzählt sie, und ihre grünen Augen funkeln amüsiert. Das hat sich total geändert. Voller Schwung erzählt Petermann von den vielen Projekten vor Ort. Dass der Einsatz eine Menge Arbeit bedeutet, ist vorstellbar, auch wenn man es dieser Brückenbauerin nicht anmerkt.

Die Energie tankt sie zu Hause in ihrer Wohnung in Groß Flottbek. Seit 30 Jahren lebt die Mutter einer 19 Jahre alten angehenden Schauspielerin in dem Stadtteil, allerdings an unterschiedlichen Orten. Die räumliche Trennung von beruflichem und privatem Umfeld ist ihr wichtig – „nur so kann ich auch mal abschalten“.

Nicht nur ein Job, sondern Berufung

Die Ruhe der grünen Nachbarschaft und die Unaufgeregtheit der Menschen tun ihr gut, und die besten Ideen hat sie beim Joggen oder Walken an der Elbe. Ihre Lieblingsstrecke: immer am Elbuferweg bis zum Leuchtturm am Strandweg. „Am Fluss funktioniert der Gedankenfluss immer besonders gut“, sinniert sie;, und ihr Sternbild Krebs sei ja schließlich auch ein Wasserzeichen. Dass die Elbvororte und die City Süd denselben Fluss teilen, hat für sie fast Symbolwert. Und: Mut und Aufbruchstimmung, unverzichtbar für neue Projekte, finde man im Hamburger Westen häufiger, als Außenstehende meinen.

Menschen zusammenzuführen, das ist für sie nicht nur Job, sondern Beruf(ung), Investoren, Politiker, die Mitarbeiter von Kirche und Polizei vor Ort. Petermann sieht sich selbst als Quartiersentwicklerin – und wird von ihren Gesprächspartnern durchaus als solche wahrgenommen. Es geht ihr nicht darum, einen Stadtteil einfach nur schnell und effizient zu vermarkten, sondern nachhaltig. Dafür setzt sie auf Ganzheitlichkeit und auf die Integration möglichst vieler Beteiligter.

Einmalige Chance

„Hammerbrooklyn“ sei eine einmalige Chance, die nicht durch den ausschließlichen Blick durch die ökonomische Brille ruiniert werden dürfe. „Die Unternehmer wissen, dass es bei solchen Projekten nicht nur um Rendite gehen kann, damit erlangt man keine Veränderungsbereitschaft“, sagt sie. „Stattdessen fragen wir uns: Auf welche Indikatoren sollten wir schauen, damit die Wirtschaft ein Mittel im Dienste der Menschen ist und nicht die Menschen im Dienste der Wirtschaft stehen?“ Andere mitnehmen – über Branchengrenzen hinweg und auch interkulturell. Was noch vor zehn Jahren im Management Fremdwörter waren, gehört heute dazu, wird regelrecht erwartet.

Für den Fototermin hat sich die attraktive Blondine, gut organisiert wie immer, schon einen Platz überlegt. Am Hohen Weg, oberhalb der Blankeneser Hauptstraße, lehnt sie sich an einen Zaun und schaut zur Elbe. Aber natürlich nicht einfach so. Der Blick geht in Richtung Osten – dorthin, wo die City Süd liegt. Denn eine Brückenbauerin ist immer im Einsatz – auch in ihrer knappen Freizeit.