Verkehr

Hier kracht es in den Elbvororten am meisten

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Matthias Schmoock
Eine typische Gefahrenszene: Ein Auto fährt aus der Eichendorffstraße (l.) auf die Elbchaussee. Der Fahrer kann den laufenden Verkehr nur schwer im Blick behalten

Eine typische Gefahrenszene: Ein Auto fährt aus der Eichendorffstraße (l.) auf die Elbchaussee. Der Fahrer kann den laufenden Verkehr nur schwer im Blick behalten

Foto: Klaus Bodig / HA

Gefahrenschwerpunkt Elbchaussee: Beim Einfädeln aus den Seitenstraßen ereignen sich besonders häufig Autounfälle.

Hamburg.  Die gefährlichsten Straßenkreuzungen der Elbvororte liegen an der Elbchaussee. Es sind die Einmündungen der Straßen In de Bost, Eichendorff- und Sieberlingstraße. Nirgendwo sonst kracht es so häufig wie dort, allerdings gehen die Unfälle fast immer glimpflich aus. Zwar ist die Zahl der Verletzten bei Autounfällen im Westen seit einigen Jahren rückläufig, insgesamt nimmt die Zahl der Unfälle aber deutlich zu. Das ist das Ergebnis einer Kleinen Anfrage des verkehrspolitischen Sprechers der CDU-Bürgerschaftsfraktion, Dennis Thering. Aus der Antwort des Senats ergeben sich insgesamt zwölf sogenannte Unfallhäufungspunkte, wobei zwar die Reihenfolge angegeben wurde, aber keine genauen Zahlen.

Nach den Elbchaussee-Kreuzungen folgen auf den nächsten Plätzen die Ecke Heinrich-Plett-Straße/Oelsnerring und die Osdorfer Landstraße/Lange­lohstraße. Und auch das zeigt die Antwort: Die Unfälle ereignen sich fast ausschließlich beim Abbiegen. Verursacher sind dabei vor allem Autofahrer, die sich aus den Seitenstraßen in den laufenden Verkehr auf Elbchaussee oder Osdorfer Landstraße einfädeln wollen und dabei das Tempo der anderen Autos unterschätzen.

Zahl der Autounfälle deutlich gestiegen

Und: Wer zum Beispiel aus der Eichendorffstraße in Richtung Innenstadt fahren möchte, muss beim Abbiegen nicht nur den von links kommenden Verkehr im Auge behalten, sondern auf der viel und schnell befahrenen Elbchaussee gleichzeitig auch noch eine Lücke in der von rechts kommenden Autokette finden. Hinzu kommen diejenigen, die abrupt abbremsen, um in eine Seitenstraße abzubiegen, oder nachfolgende Autofahrer, die zu spät merken, dass vor ihnen langsamer gefahren wird, weil jemand abbiegen möchte. Eher selten sind Unfälle, bei denen Autofahrer nach dem Abbiegen kurz in den Gegenverkehr geraten.

Die Gesamtzahl der Autounfälle hat sich in den einzelnen Stadtteilen höchst unterschiedlich entwickelt. Hatte sie im Jahr 2002 in Blankenese beispielsweise bei 360 gelegen, kletterte sie dort im Jahr 2016 auf 511. Ähnlich stark war der Anstieg im selben Zeitraum in Rissen (von 182 auf 247), während die Zahl in Othmarschen um 50 Unfälle auf 491 kletterte. In den gesamten Elbvororten stieg die Zahl der Unfälle von 1343 im Jahr 2002 auf 1687 im Jahr 2016.

Anwachsen des Autoverkehrs

Die gestiegene Zahl hängt logischerweise mit dem Anwachsen des Autoverkehrs in den Elbvororten zusammen. Dazu nur eine Zahl: Von 1999 bis heute 2016 stieg die Zahl der privat genutzten Fahrzeuge von 25.203 auf 28.277 – eine Steigerung um 16 Prozent. Dabei sind Firmen- und Dienstwagen noch gar nicht eingerechnet. Trotz des Anstiegs von Unfällen ging die Zahl der Toten und Verletzten in den Elbvororten in den vergangenen Jahren sukzessive zurück. Zwar wurden diese Zahlen nicht für alle Kalender­jahre erfasst, trotzdem ergibt sich aus der Auswertung ein schlüssiges Bild.

Hatte die Zahl der Menschen, die bei Autounfällen verletzt wurden, im Jahr 2002 noch bei 269 gelegen, waren es 2014 „nur noch“ 239 und 2016 genau 210. Einige Beispiele aus den einzelnen Stadtteilen: Waren im Jahr 2002 in Othmarschen noch 97 Menschen im Straßenverkehr verletzt worden, lag diese zahl 2016 bei 66. In Rissen sank sie im selben Zeitraum von 43 auf 34, in Nien­stedten von 36 auf 30. Einen leichten Anstieg gab es nur in Blankenese: von 57 (2002) auf 59 (2016). Für die statistisch erfassten Jahre sind insgesamt fünf Tote erfasst, allerdings nicht in den zuletzt ausgewerteten Jahren 2015 und 2016. Experten führen diesen Rückgang auf die immer konsequenter umgesetzte Anschnallpflicht zurück.

Gegenmaßnahme des Senats

„Hamburgs Straßen werden immer mehr zu einem gefährlichen Pflaster“, kritisiert Dennis Thering, „diese Entwicklung schlägt leider auch in den Elbvororten voll durch.“ Der Senat müsse sich die bekannten Unfallschwerpunkte sehr genau anschauen und sinnvolle bauliche Veränderungen vornehmen. „Die Verlegung von Fahrradwegen auf Hauptverkehrsstraße kann hier aber keine Lösung sein“, so Thering.

Als eine Gegenmaßnahme hat der Senat angekündigt, die Fahrbahnmarkierungen an den neuralgischen Punkten zu erneuern, um den Autofahrern das Abschätzen von Straßenverlauf und Abständen zu erleichtern, zum Teil ist das bereits geschehen. Im Übrigen wird darauf verwiesen, dass einige neuralgische Punkte, zum Beispiel an der Ecke Elbchaussee/Holztwiete, durch den geplanten Bau einer Fahrradspur auf der Elbchaussee quasi entschärft würden. Allerdings verzögert sich dieser Bau, wie berichtet, voraussichtlich bis 2020.

„Leider steigen die Unfallzahlen an der Elbchaussee“, sagt der Sprecher des ADAC Hansa, Christian Hieff. „Zwar handelt es sich hierbei um größtenteils Bagatellschäden, nichtsdestotrotz ist die Situation sehr unbefriedigend.“

Als Gegenmaßnahme schlägt Hieff den verstärkten Einsatz von „Verkehrsschauen“ vor. Dabei können Experten bei einer Vor-Ort-Begehung Maßnahmen diskutieren, um die Unfallgefahren zu minimieren. Das habe sich in vielen Fällen als wirksam erwiesen. „Allerdings sollte man sich keine Wunderdinge erwarten“, warnt Hieff. „Das hohe und steigende Verkehrsaufkommen auf dieser Route wird auch in Zukunft für hohe Unfallzahlen sorgen.“

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