Hamburg

Vattenfall plant neue Fernwärmetrasse unter der Elbe

Der BUND wertet dies als Versuch, den Anschluss des Kohlekraftwerks Moorburg zu ermöglichen. Die Umweltbehörde dementiert.

Hamburg. Vattenfall plant den Bau einer Fernwärmeleitung unter der Elbe. Sie soll zwischen der Müllverbrennungsanlage Rugenberger Damm (MVR) und der Trabrennbahn Bahrenfeld verlaufen, wo die Wärme ins zentrale Wärmenetz eingespeist werden soll. Das geht aus Planungsunterlagen von Vattenfall hervor, die die Umweltbehörde jetzt verschickt hat.

Demnach soll die Trasse unter Schröders Elbpark ans Nordufer der Elbe gelangen und dann über Halbmondweg, Reventlowstraße, Dürerstraße und Ebertallee bis zum Einspeisepunkt an der Trabrennbahn Bahrenfeld führen.

Die Umweltbehörde hat jetzt zu einem so genannten „Scoping“-Termin geladen, bei dem „die zu beteiligenden Behörden sowie relevante Dritte“ die Details des Vorhabens besprechen und „erhebliche Fragen zur Umweltverträglichkeitsprüfung“ besprechen können.

Zwei Szenarien für Ersatz des Kraftwerks Wedel

Der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) fürchtet, dass die Trasse auch den Anschluss des Kohlekraftwerks Moorburg an das Fernwärmenetz ermöglichen soll, das nicht weit von der MVR entfernt Wärme produziert. Ein Anschluss „wäre für die Klimabilanz die denkbar schlechteste Lösung“, sagte Hamburgs BUND_Geschäftsführer Manfred Braasch.

Derzeit werden zwei Szenarien für den Ersatz des alten Kohlekraftwerks in Wedel diskutiert. In der Nord-Variante werden unterschiedliche Wärme-Erzeugungsanlagen mit dem geplanten „Zentrums für Ressourcen und Energie“ in Stellingen zusammengeschaltet. Umweltsenator Jens Kerstan (Grüne) favorisierte dagegen bisher das „Szenario Süd“ mit einer Wärmeleitung unter der Elbe, weil es einen höheren Anteil an erneuerbaren Energien garantiere. Die Wärme käme vor allem aus der Müllverbrennungsanlage Rugenberger Damm – außerdem aus einer „noch zu bauenden Abwasser-Wärmepumpe (Dradenau)“ und aus industrieller Abwärme. An die Leitung könnten künftig weitere industrielle Abwärmequellen (etwa Trimet und Arcelor) angeschlossen werden.

„Sollte die Umweltbehörde am Süd-Szenariums festhalten, erwarten wir eine vertragliche Absicherung, dass Moorburg nicht angeschlossen wird“, sagte BUND-Chef Braasch. „Es kann nicht sein, das unter grüner Verantwortung Voraussetzungen geschaffen werden, dass ein Kohlekraftwerk in das Fernwärmenetz einspeisen kann.

Umweltbehörde: "Behauptungen sind falsch"

Linken-Umweltpolitiker Stephan Jersch sagte, es habe sich „abgezeichnet, dass Senator Kerstan auf die von Vattenfall gewünschte Variante der Fernwärmeversorgung setzt und damit auf eine neue Moorburg-Trasse“. Kerstans Initiative sei ein „Anschlag auf alle laufenden demokratischen Findungsprozesse“. Die Umweltbehörde greife damit dem Energienetzbeirat und der Beratung des Umweltausschusses vor.

Die Umweltbehörde wies die Kritik zurück. „Alle Behauptungen, es gäbe Planungen, das Kraftwerk Moorburg an die Fernwärmeversorgung anzuschließen, sind falsch“, sagte Sprecher Jan Dube. Es gehe bei dem aktuellen Termin lediglich um die bevorstehende Umweltverträglichkeitsprüfung – und nicht um den Start eines Planfeststellungsverfahrens. „Parallel finden auch Prüfungen für eine Nordvariante statt“, so Dube. Die Entscheidung über den Mix der Wärmequellen im neuen Hamburger Fernwärmekonzept solle im vierten Quartal 2017 fallen.