Blankenese

Architektin betreibt bald berühmte Teestube

Monika Lühmann hat nun endlich einen Nachfolger gefunden: Maud Barg (r.) übernimmt am 1. Februar die Teestube

Monika Lühmann hat nun endlich einen Nachfolger gefunden: Maud Barg (r.) übernimmt am 1. Februar die Teestube

Foto: Andreas Laible

Anfang Februar gibt das Ehepaar Lühmann sein Café in die Hände von Nachfolgerin Maud Barg aus Blankenese.

Hamburg.  Es ist entschieden. Die Architektin Maud Barg übernimmt eine Blankeneser Institution. Die 42-Jährige wird von Februar an die neue Chefin von Lühmanns Teestube. Eine Aufgabe, um die sie anscheinend viele beneiden. Denn beim Betreiberehepaar Lühmann standen die Bewerber um die Nachfolge Schlange. Als erste Amtshandlung im neuen Jahr musste Monika Lühmann deshalb zahlreiche schlechte Nachrichten überbringen. 24 Bewerbern teilte sie mit, dass die Wahl auf jemand anderen gefallen ist.

Unter den Interessierten waren auch Profis wie der Hamburger Unternehmer Falk Hocquél. Er betreibt die Konditorei und Bäckerei Schmidt & Schmidtchen mit mittlerweile vier Cafés. Er wollte den Namen Lühmanns Teestube erhalten und viel im Sinne der Gründer und Betreiber weiterführen. Doch eben nicht alles. Das hintere Musikzimmer, wo heute Kunden in der gediegenen Atmosphäre des besonderen Cafés speisen können, wollte er zur kleinen Verkaufsfiliale für die Schmidtchen-Produkte umbauen. Für Lühmanns war das zu viel der Änderungen.

Gebackene Torten und englische Scones

„Das ist ein Schatz, den man nicht neu erfinden muss“, betont die neue Chefin Maud Barg. Ein Satz, den die Lühmanns nur zu gern hören. Sie haben in den vergangenen Jahrzehnten mit viel Herzblut ihre Teestube, die weit über Hamburgs Grenzen hinaus bekannt ist, aufgebaut und betrieben. Dabei sind sie sich treu geblieben. Bei Lühmanns gibt es keinen Caramel Macchiato oder Spice Latte. Im Gegenteil. Auf der Karte findet sich bewusst der Hinweis, dass der Kunde hier einen „altmodischen Filterkaffee“ bestellen kann. Dazu gibt es gebackene Torten und englische Scones. Platz nehmen die Kunden auf alten Möbeln, alles Einzelstücke. Die Fensterbänke, Regale und Wände sind voller Sammlerstücke. Es ist ein zweites Wohnzimmer, das das Betreiberehepaar mit seinen Kunden teilt.

Mit Maud Barg bleibt dieses Wohnzimmer nun in der „Blankeneser Familie“. Denn Barg wohnt nur einige Schritte von der Teestube in der Blankeneser Landstraße 29 entfernt. Ein weiterer Punkt, der den Lühmanns gut gefiel. Sie selbst leben direkt über der Teestube. „Wenn etwas war, reichte ein kurzer Anruf, und wir waren da“, erklärt Monika Lühmann. „Das wird sich somit nicht ändern.“ Aber vor allem gab der Bauch den Ausschlag für Maud Barg. Es sei Sympathie auf den ersten Blick gewesen, berichtet Monika Lühmann. „Und die Gewissheit, dass sie die Persönlichkeit ist, die dieses Café braucht.“

Wer diese Persönlichkeit nun ist? Aufgewachsen ist Maud Barg, deren Eltern ein Faible für ausländische Namen haben, in Rendsburg. Von dort trieb es sie in die Welt. Sie studierte in Aachen Architektur, lebte in Kassel und Frankfurt und zuletzt zehn Jahre in Wien. „Dort habe ich auch die Kaffeehauskultur schätzen gelernt“, berichtet Barg. Schon damals spielte sie mit dem Gedanken, umzusatteln und sich den Traum vom eigenen Café zu erfüllen.

„So ein Café müsste es sein“

Vor zwei Jahren zog es sie zurück zu ihrer Familie nach Deutschland. Zusammen mit ihrem Lebensgefährten, der Betriebswirtschaftlehre studiert hat, bewohnt sie seither die Wohnung in Blankenese. Hier entdeckte sie die Teestube für sich. Sie ist regelmäßiger Gast. Immer, wenn sie mit ihrem Hund durch den naheliegenden Goßlers Park spazieren ging und ihr Blick auf die Teestube fiel, habe sie gedacht: „So ein Café müsste es sein.“

Also sie davon erfuhr, dass die Lühmanns einen Nachfolger suchten, fackelte sie nicht lange. Und sie überzeugte, konnte sich sogar gegen Bewerber durchsetzen, die schon seit Jahren bei Lühmanns anklopfen.

Dabei hat sie keine Ahnung von Gastronomie. Doch das sehen die Lühmanns entspannt. Sie waren selbst einmal Quereinsteiger. Zuvor hatten sie mit Kleidung gehandelt. Zudem werden sie Barg in den kommenden Wochen beistehen, die weitergegebenen Rezepte zusammen backen.

Sechs fest angestellte Mitarbeiter

Trotzdem, die Aufgabe ist schwer. Barg übernimmt mit der Teestube eine Institution. Laut den Lühmanns haben die Kunden die Erwartung, dass sich am besten nichts verändert. Sechs fest angestellte Mitarbeiter gehören zu dem Betrieb. Der jetzige Mietvertrag der Lühmanns für die Räume läuft noch zehn Jahre. Derzeit wird über eine Verlängerung im Zuge des Mieterwechsels gesprochen. „Ich habe einen Wahnsinnsrespekt von der Aufgabe. Aber ich weiß, dass ich mir viel aneignen kann. Mein Lebensgefährte und ich haben keine Kinder. Ich werde meine volle Aufmerksamkeit der Teestube widmen können“, sagt die neue Chefin.

Die Lühmanns, die im Alter von 76 und 79 Jahren nun also kürzertreten, schmieden bereits Pläne, was sie mit ihrer Zeit anfangen wollen. „In Ruhe alt werden“, sagt Monika Lühmann. Was das für sie bedeutet: zu reisen, zu schreiben und sich für zahlreiche Blankeneser Projekte einzusetzen.