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Glashaus statt Villa – Ex-RWE-Chef baut an der Elbchaussee

Vor dem Abriss:
Investment-Banker
Claus Grossner
(1941–2010) auf
dem Balkon seiner
weißen Villa an der
Elbchaussee 359

Vor dem Abriss: Investment-Banker Claus Grossner (1941–2010) auf dem Balkon seiner weißen Villa an der Elbchaussee 359

Foto: Rolf Ambor

Der ehemalige RWE-Chef will ein modernes, schachtelförmiges Gebäude mit viel Glas bauen. Bezirk stimmt Entwurf im zweiten Anlauf zu.

Hamburg.  Eines der attraktivsten Grundstücke der Hansestadt wird nicht länger brachliegen. Das 4374 Quadratmeter umfassende Areal Elbchaussee 359, zwischen Teufelsbrück und Elbschlossstraße prachtvoll gelegen, soll in den kommenden Wochen neu bebaut werden. Damit wird ein jahrelanges Tohuwabohu beendet.

In der Vergangenheit war die vornehme Adresse am Elbhang in Nien­stedten mit Skandalen, Pleiten, Zwangsversteigerungen und Paradiesvögeln verbunden. Bis zu seinem Tod Ende 2010 wohnte dort der schillernde Netzwerker Claus Grossner. Sein „Weißes Haus an der Elbchaussee“ wurde im Juni 2014 abgerissen.

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Bauherr des millionenschweren Projekts, das inklusive Grundstückspreis nicht viel weniger als zehn Millionen Euro kosten wird, soll der Stahl- und Energieunternehmer Jürgen Großmann sein. Der 64-Jährige wurde in Mülheim an der Ruhr geboren und zählt zu den wohlhabendsten Deutschen. Das „Manager Magazin“ taxierte sein Vermögen auf rund 1,4 Milliarden Euro.

Nachdem der Altonaer Bauausschuss die Pläne des Hamburger Architektenbüros Ehrensberger & Oertz im März 2014 zweimal von der Tagesordnung genommen und anschließend mit großer Mehrheit abgelehnt hatte, ist der Weg nun geebnet. Grundsätzlich wurde dem Bauantrag stattgegeben, nachdem es Nachbesserungen am Konzept eines modernen, schachtelförmigen Gebäudes mit viel Glas gegeben hatte.

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Bezirkspolitiker und Nachbarn hatten an dem ursprünglichen Entwurf moniert, dass der hanseatisch-stilvolle Charakter der Elbchaussee nicht gewahrt werde.

Andererseits zerstreuten sich Befürchtungen von Anwohnern, dass eine Immobiliengesellschaft gesichtslose Eigentumswohnungen bauen und teuer verkaufen könnte. Jürgen Großmann, der frühere Vorstandsvorsitzende des Energiekonzerns RWE, residiert nicht weit entfernt: Seine Georgsmarienhütte-Holding ist an der Elbchaussee 189 im benachbarten Othmarschen ansässig.

Wenn alles gut läuft, soll der Neubau Anfang 2017 bezugsfertig sein

„Es werden hochwasserschutzbedingte Sicherungen eingeplant, die einer zusätzlichen statischen Berechnung und behördlicher Genehmigungen bedürfen“, heißt es vonseiten der Georgsmarienhütte Holding. Der Bauherr stehe für ein Gespräch über seine Pläne „berufsbedingt nicht zur Verfügung“. An einer Verzögerung habe er kein Interesse.

Hintergrund der ebenso aufwendigen wie kostspieligen Schutzmaßnahmen: Das Grundstück ist flutgefährdet. Die abgerissene Villa war mehrfach unterspült worden und letztlich von maroder Substanz.

Auch deshalb konnte jahrelang kein Käufer für das vom Maklerbüro Meißler & Co. offerierte Gebäude mit dem Baujahr 1913 gefunden werden. Erst nach Erteilung einer behördlichen Abrissgenehmigung fand sich der neue Eigentümer. Hinter den Kulissen der Elbchaussee ist von einem Kaufpreis von deutlich mehr als sechs Millionen Euro die Rede. Hinzu kommen Abriss-, Planungs- und Baukosten. Eine Sanierung der optisch ansehnlichen, aber durchfeuchteten, alten Immobilie wäre extrem teuer geworden. Ein Investor fand sich folglich nicht.

Wenn alles gut läuft, soll das neue Bauwerk Anfang kommenden Jahres bezugsfertig sein. „Nach Rücksprache mit unserem Bauherrn sind wir gehalten, uns zu dem Bauvorhaben nicht weiter zu äußern“, schreibt Architekt Matthias Oertz auf Nachfrage.

Mit vorbereitenden Arbeiten hinsichtlich des Naturschutzes sei begonnen worden. Statik und Wärmeschutznachweis wurden zur Prüfung eingereicht. „Wir erwarten eine baldige Genehmigung, um mit dem Bau beginnen zu können“, fügt Oertz hinzu.

Im Namen des Bezirksamts Altona bestätigt Martin Roehl die grundsätzlich erteilte Baugenehmigung. „Einige bautechnische Nachweise wie zum Beispiel für Wärmeschutz und Entwässerung werden von den zuständigen Fachbehörden geprüft“, sagt er. „Diese werden dann vom Bezirksamt Altona im Rahmen von Ergänzungsbescheiden genehmigt.“ Man gehe von einem Baubeginn „noch in diesem Frühjahr“ aus.

Das neue Bauwerk an der Elbchaussee muss auf den Abmessungen des alten von etwa 16 mal 20 Metern errichtet werden. Das Büro des Bauherrn terminiert den Baustart eher defensiv auf „Sommer“.

Bis zur Fertigstellung wird ein weiteres Problem gelöst sein. Im Altonaer Bauausschuss bestanden Befürchtungen, dass ein hoher Zaun das Grundstück hermetisch abriegeln könnte und hässlich wirken würde. Der Kompromiss soll eine Abwägung zwischen der Optik eines markanten Areals in allerbester Lage und den berechtigten Sicherheitsinteressen der neuen Bewohner sein. Wie das genau aussieht, muss sich noch zeigen.