Hamburger Konzerthaus

Elbphilharmonie zieht eine positive wirtschaftliche Bilanz

Jochen Margedant, Elbphilharmonie-Geschäftsführer.

Jochen Margedant, Elbphilharmonie-Geschäftsführer.

Foto: HA/Roland Magunia

Im aktuellen Betriebskosten-Bericht des Konzerthauses fällt die Halbjahresbilanz trotz Dauerbelastung positiv aus.

Hamburg.  Das nahende Jahres­ende ist für die Betreiber der Elbphilharmonie obligatorisch die Zeit für einen Zwischenstand-Kassensturz und einen von zwei jährlichen Berichten, die von der Kulturbehörde ins Rathaus gehen. ­Im gerade erstellten dritten Durchgang wird dokumentiert, ob und wie sich die Prognosen sowohl für die HamburgMusik gGmbH (HHM) als auch für die Elbphilharmonie und Laeisz­halle ­Betriebsgesellschaft mbH (ELBG) bewahrheitet haben.

Bei der HHM war man für die Spielzeit 2017/18 von 817.000 Euro minus ausgegangen, am Ende war es wegen der enormen Auslastung aber ein Plus von 90.000 Euro. Im Wirtschaftsplan für die laufende Saison stand ein Minus von 660.000 Euro, die frische Prognose ist deutlich geringer: nur noch 114.000 Euro Verlustvortrag. „Das ist eine halbe Million Euro besser als beschlossen und mit der Stadt verabredet“, sagt ­Geschäftsführer Jochen Margedant.

Bei der ELBG hatte die Wirtschaftsplanung für 2017/18 mit einem Plus von 542.000 Euro gerechnet, wegen der ­hohen Personalkosten beim Extremspielbetrieb waren es 14.000 Euro. Die Wirtschaftsplanung für 2018/19 ging von 246.000 Euro Fehl­betrag aus, in der Prognose schrumpfte er auf 3000 Euro. „Bei 30 Millionen ­Umsatz ist das eine Null“, sagt Margedant, und fügt hinzu: „Wir nutzen den Saal deutlich mehr als in der Musterkalkulation gedacht, das hat Auswirkungen auf alle und alles.“

Positive Sponsoren-Entwicklung

Ein weiterer Punkt: Statt der kalkulierten 250 Konzerte hat die aktuelle Saison nun 360, statt 270 Proben sind es real 600. „Natürlich quietscht das Haus unter der Mehrbelastung, ­natürlich müssen wir mehr Personal einstellen. Da sind wir immer noch im Aufbau, weil die Leute so viel zu tun haben. Das Ziel ist, trotz der Mehrkosten die Null in der ELBG zu halten. Es gibt aber so gut wie keinen in der Politik, der verlangen würde, dass wir die Baukosten über die ELBG wieder hereinholen sollten, weil das auch zulasten unseres Kulturauftrags gehen würde.“

Auch die Situation bei den Sponsoren sei erfreulich: Momentan schlagen sie mit rund 3 Millionen Euro zu Buche, in der fundamentalen Elbphilharmonie-Drucksache von 2016 seien dort 1,5 Millionen Euro vermerkt gewesen.

Höhere Saalmieten könnten Thema werden

Zwei wichtige Zahlen sind ebenfalls zu bedenken: Einerseits gehen die sechs Millionen Euro städtische Zuwendung pro Saison für den Spielbetrieb mit in die Kalkulation. Andererseits sind jene fünf Millionen Euro Sonder-Zuwendung, die es für das Konzerthaus zur freien Verfügung in den ersten Ausnahmejahren gab, bis der „eingeschwungene Zustand“ erreicht ist, nach wie vor unangetastet.

Einigen Spekulationen erteilt Margedant eine Absage: „Wir wollen das hohe Qualitätsniveau und die günstigen Preise beibehalten.“ Weniger Konzerte zur strukturellen Entlastung? Kein Thema: „Ökonomisch wäre das womöglich richtig – kulturpolitisch falsch. Wir haben hier eine einmalige Chance. Inzwischen sind in Hamburg nicht mehr 400.000 Besuche in den Konzerten, wir haben jetzt 1,2 Millionen. Wir sollten also alles dafür tun, dass das nachhaltig wird.“ Höhere Saalmieten? Kein Thema, aber „auch bei uns werden irgendwann die Mietpreise an die allgemeine Kostenerhöhung angepasst“.

Von der denkbaren Stellschraube Plaza-Eintritt für Normalbesucher wird ebenfalls Abstand gehalten: „Wir haben das für die nächste Saison nicht auf der Agenda“, sagte Margedant, „und es gibt auch keine Signale, dass wir sie einführen sollen. Drei-Euro-Tickets für jeden Teilnehmer von kommerziellen Gruppenführungen und fünf Euro pro Person bei Reisebussen sind Maßnahmen, mit denen wir den kostenfreien Eintritt für den Einzel­besucher möglich machen wollen.“