Niendorf

Die Osteria Liguria ist Italienisch für Fortgeschrittene

Der Inhaber der Osteria Liguria Giorgio Bellini mit seiner Lebensgefährtin Jola Occhipinti, die ihn in dem Restaurant unterstützt.

Der Inhaber der Osteria Liguria Giorgio Bellini mit seiner Lebensgefährtin Jola Occhipinti, die ihn in dem Restaurant unterstützt.

Foto: Foto: Marcelo Hernandez

In dem Restaurant werden Spezialitäten von der Küstenregion um Genua serviert. Und das ist weit mehr als Pasta und Pizza.

Hamburg.  Ligurien liegt in Hamburg in Niendorf. Die italienische Küstenregion versteckt sich hinter einer dichten Hecke an der Kollaustraße auf der linken Seite stadtauswärts. Genauer gesagt: die Küche und die Speisen jener Region. Denn sie werden in der Osteria Liguria serviert.

Das Restaurant ist das Leben von Giorgio Bellini. Der heute 59-Jährige wurde in der Nähe des Gardasees geboren. „Aber aufgewachsen bin ich im Badeort Finale Ligure. Dort habe ich auch eine Ausbildung zum Koch gemacht.“

Ins Lokal an der viel befahrenen Straße kam der Italiener 1981. „Dino Occhipinti hatte eine kleine Pizzeria mit sieben Tischen, und auf der Karte standen Pizza, Pasta, Tomatensuppe, Scampi und Rumpsteak.“ Giorgios erstes Rezept in Hamburg waren Penne della Casa: eine würzige Tomatensauce mit Champignons, Erbsen und Kochschinken zu Nudeln. „Das Gericht steht heute noch auf der Karte, einer unserer Bestseller.“

Es herrscht den ganzen Tag italienisches Gewusel

Sieben Jahre später wurde Bellini Mitinhaber des Restaurants, das in Osteria Liguria da Dino e Giorgio umbenannt wurde. „Stück für Stück sind wir dann gewachsen.“ Der letzte Umbau erfolgte vor gut 20 Jahren. Innerhalb von drei Monaten wurden die Küche vergrößert, ein großer Tresen eingebaut, die Toiletten modernisiert und die Räume von 37 auf 67 Plätze erweitert. „Alles bei laufendem Betrieb, wir hatten nicht einen Tag geschlossen“, sagt Bellini. Seit 2010 heißt der Betrieb nur noch Osteria Liguria. Der Mann aus Finale Ligure ist der alleinige Inhaber, seine Lebensgefährtin Jola Occhipinti unterstützt ihn tatkräftig.

In der Osteria mit den großen Fenstern zur Straße und den schwarz-weißen Bodenfliesen herrscht den ganzen Tag italienisches Gewusel. Es tönen schmalzige Schlager aus den Boxen, die Espressomaschine ist im Dauerbetrieb, es gibt durchgehend warme Speisen. Elf Angestellte kümmern sich in Küche und Service um die Gäste.

Die sitzen an weiß eingedeckten Tischen auf gepolsterten Holzstühlen. An den Wänden hängen Fotos aus Ligurien und vom Patron Giorgio mit bekannten Besuchern, zum Beispiel Uwe Seeler oder Til Schweiger.

Hinter der Ecke an der Straße sowie im Hof kann man auch draußen sitzen. Und es gibt Parkplätze hinter dem Haus, ein großer Vorteil im Vergleich zu Lokalen in der Innenstadt.

Aal mit Steinpilzen oder selbst gemachte Ravioli

Eine weitere typisch italienische Besonderheit: Giorgio Bellini hat zwei Lieferwagen vom Typ Ape (Biene). Diese Kleintransporter sind dreirädrige Rollermobile von Piaggio und werden auch als Vespacar bezeichnet. Und sie erinnern an das süße Leben am Mittelmeer.

Um in der Osteria zu speisen, sollte man auf jeden Fall reservieren. Meist sind alle Plätze besetzt, weil das Restaurant viele Stammgäste aus dem Hamburger Nordwesten und Schleswig-Holstein hat. Und es kommen auch hungrige Italiener vorbei.

Neben den bekannten italienischen Gerichten wie Pizza, Saltimbocca oder Scampi aus der Karte verrät die Tafel die regelmäßig wechselnden besonderen Speisen: Nudeln aus dem Parmesanlaib, mit schwarzen Trüffeln der Sorte „Scorzone“ aus der Toskana oder mit Pesto Genovese. Kalbsleber und Lammkarree. Aal mit Steinpilzen oder selbst gemachte Ravioli gefüllt mit Feigen und Nüssen, Melone in der Sauce und Parmesan als Krönung.

Oder Calamaretti vom Grill. Die Tuben und Tentakeln sind auf den Punkt gegart, zart und saftig. Serviert werden sie mit Kartoffeln und Gemüse, Salat und Brot. Eine feine Mahlzeit.

Kalbsrouladen, gefüllt mit Parmaschinken und Käse

Wie auch die Involtini alla diavola aus der Karte. Die mit Parmaschinken und Käse gefüllten Kalbsrouladen liegen in einer würzigen Tomatensauce. Das Fleisch ist mürbe, die Tunke pikant, aber nicht zu scharf. Apropos Speisekarte: Sie heißt Gazzettino della Liguria, ist auf rosafarbenem Papier gedruckt und aufgemacht wie eine kleine Zeitung. Aufgelistet sind neben den Speisen und Getränken auch Rezepte für Kaninchen oder Nudeln mit Bohnen und Kartoffeln, Informationen über Ligurien und die Geschichte der Osteria. Mitnehmen erlaubt!

Olivenöl, Artischocken-Paste oder Wein bezieht Giorgio Bellini aus der Heimat, wo noch seine Schwester lebt. Ansonsten vertraut er dem Hamburger Großmarkt und anderen hier ansässigen Händlern.

Der Chef isst gerne am liebsten Nudeln mit verschiedenen Saucen. Wenn Not am Mann ist, hilft er in der Küche aus, ansonsten ist er der Gastgeber und kümmert sich, dass der Laden läuft. Während seine Töchter Sarah und Laura, beide 27 Jahre alt, als Schauspielerinnen in Los Angeles eine neue Heimat gefunden haben, macht der ein Jahr jüngere Sohn Nico gerade eine Ausbildung in Vaters Betrieb. Die Chancen stehen gut, dass Ligurien in Hamburg noch lange in Niendorf liegt.