Interview

Verkehrsstaatsrat: „An der Alster entstehen Premium-Radwege“

| Lesedauer: 5 Minuten
Ulrich Gassdorf
Staatsrat Andreas Rieckhof auf der Dachterrasse des Hamburger Abendblatts - im Hintergrund ist das Hamburger Rathaus zu sehen

Staatsrat Andreas Rieckhof auf der Dachterrasse des Hamburger Abendblatts - im Hintergrund ist das Hamburger Rathaus zu sehen

Foto: Klaus Bodig / HA / Klaus Bodig

Andreas Rieckhof (SPD) nimmt Stellung zum umstrittenen Abriss des Alsterradwegs und spricht über die Fahrradstraßen.

Hamburg.  Der Abriss des Alsterradwegs zwischen der Alten Rabenstraße und dem US-Generalkonsulat hat für viel Wirbel gesorgt. Die Opposition übte scharfe Kritik und nach dem Abendblatt-Bericht in der vergangenen Woche erreichten die Redaktion zahlreiche Leserbriefe, in denen der Unmut der Bürger über das Vorgehen der Behörde für Wirtschaft, Verkehr und Innovation (BWVI) deutlich wurde.

Im Abendblatt-Interview stellt sich der zuständige Verkehrsstaatsrat An­dreas Rieckhof (SPD) der Kritik, spricht über die Zukunft der Fahrradstraßen in Hamburg und darüber, wie das Radwegesystem weiter ausgebaut werden soll.

Hamburger Abendblatt: Können Sie die Kritik am Abriss des Alsterradwegs nachvollziehen?

Andreas Rieckhof: Wir nehmen die Meinung der Bürger ernst. Natürlich ist das eine prominente Lage und deshalb sorgt dieser Radweg für Diskussionsstoff. Doch es profitieren sowohl die Radfahrer als auch die Fußgänger. Der Fußweg wird verbreitert und bietet mehr Platz, und die Radfahrer können komfortabel auf der Straße fahren. Wir haben unsere Pläne bereits auf einer Anlieger-Informationsveranstaltung im Oktober 2015 dargestellt, damals hat es kaum Widerstand gegen den Vorschlag gegeben.

Aber warum erfolgte der Abriss bereits im Februar, obwohl doch das US-Generalkonsulat voraussichtlich im Frühjahr 2017 auszieht und erst dann die Straße Alsterufer wieder geöffnet werden kann?

Rieckhof: Wir wollen damit einen Gewöhnungseffekt für die Radfahrer und auch die Autofahrer erreichen. Noch 2017 soll mit den Bauarbeiten für eine Fahrradstraße an der Straße Alsterufer zwischen der Alten Rabenstraße und der Kennedybrücke begonnen werden.

Aber aktuell müssen sich die Fahrradfahrer die Straße mit dem Autoverkehr teilen, ohne Sonderrechte zu haben. Ist das nicht gefährlich?

Rieckhof: Nein. Im Gegenteil, das ist eine kaum befahrene Tempo-30-Zone. Vor der Sperrung des Straßenabschnitts vor dem US-Generalkonsulat fuhren hier 10.000 Autos täglich, jetzt sind es noch etwa 2000.

Was passiert, wenn der Abschnitt wieder freigegeben wird?

Rieckhof: Ziel ist, dass das Alsterufer nicht wieder zu einer Durchgangsstraße für Autos wird. Nach unserer Vorstellung sollen künftig, zumindest auf Teilabschnitten, nur noch Anlieger fahren. Es soll bei 2000 Autos bleiben, nicht wieder auf 10.000 anwachsen.

Werden die Bürger mit eingebunden in die Planungen am Alsterufer?

Rieckhof: Wir werden im Juli gemeinsam mit dem Bezirk zu einer Informationsveranstaltung einladen und dort mindestens vier verschiedene Varianten für die Umgestaltung der Straße vorstellen und darüber gemeinsam mit den Bürgern diskutieren.

Werden am Alsterufer Parkplätze im Zuge der Fahrradstraße wegfallen?

Rieckhof: Das ist nicht unser Ziel, aber es wird eine andere Anordnung der Stellplätze geben. Ich persönlich favorisiere zum Beispiel, dass es an der Seite zur Alster hin künftig keine Parkplätze mehr gibt, um den Blick für die Fußgänger und für die Radfahrer nicht zu verstellen und die Aufenthaltsqualität zu verbessern. Ich würde gern so viele Parkplätze wie möglich erhalten.

Die Einführung von Fahrradstraßen stößt bei den Bürgern immer wieder auf Kritik, auch am Leinpfad und an der Walddörferstraße in Wandsbek. Setzen Sie auf ein falsches Konzept?

Rieckhof: Nein. Die Fahrradstraßen machen das Radfahren attraktiver und sicherer. An der Außenalster entstehen so Premium-Radwege. Es ist besonders komfortabel, denn auf einer Fahrradstraße haben die Radfahrer Vorrang gegenüber dem Autoverkehr und können die Straße auf ganzer Breite befahren, auch nebeneinander. Moderne Verkehrsplanung nimmt das Fahrrad als echtes Verkehrsmittel ernst. Natürlich nehmen wir die Kritik wahr, aber die entsteht oft dadurch, dass die Information im Vorfeld nicht ausreichend war. Und daran arbeiten wir.

Der Harvestehuder Weg galt einmal als Pilotprojekt unter den Fahrradstraßen, hier musste aber bereits nachgebessert werden?

Rieckhof: Das stimmt, wir haben den Begegnungsverkehr zwischen Autofahrern und Fahrradfahrern unterschätzt. Deshalb haben wir zum Beispiel die Anordnung der Parkplätze verändert. Es gehört zu einem Pilotprojekt dazu, dass es an manchen Stellen noch etwas zu verbessern ist und man aus Dingen lernt, die nicht so gut laufen.

Welche Fahrradstraßen sind in der Hansestadt Hamburg für die Zukunft noch in Planung?

Rieckhof: Hier steht für mich die Außenalster im Fokus. Auf beiden Seiten der Alster soll es gut ausgebaute Fahrradachsen geben. Aber es wird auch weitere Fahrradstraßen in Hamburg geben, so z. B. in der Chemnitzstraße und in der Thadenstraße in Altona. Außerdem wird in den sieben Hamburger Bezirken zurzeit über weitere Velorouten abgestimmt.

Wie wichtig ist der Radverkehr?

Rieckhof: Das Fahrrad ist ein Verkehrsmittel der Zukunft und deshalb investieren wir in 2016 und in den kommenden Jahren jeweils gut 30 Millionen Euro in den Radverkehr. Die Streckenlänge von Straßen und Wegen, an denen im Jahr 2016 Radverkehrsanlagen gebaut, grundinstandgesetzt und gewidmet werden sollen, beträgt insgesamt rund 48 Kilometer. Das ist doppelt so viel, wie in 2015.

Bleiben die Autofahrer dabei auf der Strecke?

Rieckhof: Die Autofahrer müssen sich keine Sorgen machen. Wir sorgen auch in Zukunft dafür, dass die Hauptverkehrsstraßen leistungsfähig bleiben.

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