Harvestehude

Protest gegen den Alster-Radweg am Harvestehuder Weg

Es gibt massive Proteste gegen den Ausbau der Radwege um die Alster von Geschäftsleuten. Die Wirtschaftsbehörde gibt grünes Licht für die Bauarbeiten des ersten Teilstücks am Harvestehuder Weg.

Harvestehude. Im Zuge des geplanten Ausbaus der Radwege rund um die Außenalster gibt es massive Proteste bei Geschäftsleuten und vereinzelt auch bei Anwohnern. Auch die Handelskammer ist irritiert über das schnelle Vorgehen beim Bauvorhaben.

Unterdessen gab die Wirtschaftsbehörde gestern offiziell den Startschuss für die Bauarbeiten des ersten Teilstücks – der Harvestehuder Weg wird seit einigen Tagen im Abschnitt Alte Rabenstraße bis zum Anglo German Club (Harvestehuder Weg 44) in eine Fahrradstraße umgewandelt. Die Fahrbahn erhält durchgängig eine Breite von 6 Meter bis 6,50 Meter. Kosten: 1,5 Millionen Euro. Am 9. Dezember sollen die Arbeiten beendet sein, geplant ist der Ausbau weiterer Teilstrecken rund um die Außenalster.

„Es gibt doch am Harvestehuder Weg schon einen wunderschönen Radweg, der Ausbau ist teuer, vollkommen überflüssig und verursacht ein Verkehrschaos“, sagt Olaf Thomas, Mitinhaber des Inneneinrichtungsgeschäfts „Interieurs“ an der Milchstraße 21, die in den Harvestehuder Weg mündet. „Es ist viel ruhiger in Pöseldorf geworden, durch die umständliche Verkehrsführung viel schwieriger für Kunden, dorthin mit Pkw zu kommen“, sagt er.

Umsatzeinbußen werden befürchtet

Viele Kollegen fürchten durch die Baumaßnahmen Einbußen. Beispielsweise Maurits van Heyst, Chef des Herrenbekleidungsgeschäfts Barons & Bastards, Milchstraße 10. „Relativ schnell“ sei man vor vollendete Tatsachen gestellt worden, durch einen lapidaren Brief vor Wochen, der wie billige Werbung aufgemacht gewesen sei, sagt er. „Ich befürchte durch die Baumaßnahmen Umsatzeinbußen.“ Auch der Wirt eines italienischen Restaurants sagt: „Der Ausbau des Radweges kostet den Steuerzahler viel Geld, unverständlich, weil es schon einen Radweg gibt. Dann werden weniger Touristen kommen.“

Auch von der Handelskammer kommt Kritik zum Start des ersten Bauabschnitts. „Selbstverständlich begrüßt die Handelskammer eine Verbesserung der Radwege-Infrastruktur. Mit dem Ausbau des ersten Abschnitts wurden aber Fakten geschaffen, die den Anforderungen der Besucher und des Lieferverkehrs nicht umfassend Rechnung tragen“, sagt Christine Beine, Leiterin des Geschäftsbereichs Infrastruktur bei der Handelskammer. Sie ergänzt: „Man muss nicht ohne Not bestehende Radwege auf die Straße verlegen.“

Ortstermin, gestriger Dienstag, unweit des Anlegers Bodo's Bootssteg. In einem kleinen, extra für das Gespräch mit Medienvertretern aufgebauten Pavillon wird eine Karte aufgehängt, sie zeigt die Ausbau-Pläne genauso wie die Faltblätter, die ausgelegt werden. Der Ausbau jetzt sei ein deutliches Signal und zeige, „dass der Senat es mit der Radwegförderung ernst meint“, sagt Verkehrsstaatsrat Andreas Rieckhof, der von drei Bezirksamtsleitern Andy Grote (Mitte), Harald Rösler (Nord) und Torsten Sevecke (Eimsbüttel) begleitet wird.

Bisher gab es nur vereinzelt Beschwerden von Anwohnern

Rieckhof begründet den Ausbau mit einer steigenden Zahl der Radfahrer, die Infrastruktur müsse sich darauf einstellen. Das Ziel sei, den Anteil des Radverkehrs in den kommenden Jahren von derzeit zwölf auf 18 Prozent zu heben. Am Harvestehuder Weg gebe es derzeit pro Tag 4400 Radfahrer, aber nur 3500 Kfz, an einem Abschnitt am Alsterufer, dem nächsten Ausbauteil, seien es täglich 4300 Radfahrer, aber nur 1200 Autos.

Die Bezirkschefs betonen, dass es bisher nur vereinzelt Beschwerden von Anwohnern gegeben habe. Die Öffentlichkeit sei mit einbezogen worden, an Infocontainern rund um die Außenalster habe die Möglichkeit bestanden, mit den Planern zu diskutieren und Anregungen und Ideen für die Förderung des Radverkehrs entlang der Außenalster zu äußern.

Rieckhof sagt: Anwohner, Lieferverkehr und alle Personen mit einem Anliegen in der Straße dürfen die Fahrradstraße auch künftig mit dem Auto befahren. Jedoch müssen sie sich an die Geschwindigkeit der Radfahrer anpassen. Es gilt maximal Tempo 30 für alle, Parkplätze blieben hier bestehen, heißt es.

Anlieger werden nicht an den Planungen beteiligt

Trotz durchaus gravierender Einschnitte sei außer einem Info-Container seitens des SPD-Senats kein Format geplant, mit dem die Anlieger an den Planungen beteiligt werden, kritisiert indes die Hamburger CDU. Sie forderte daher im bezirklichen Verkehrsausschuss mit einem Antrag, eine Planungswerkstatt einzurichten, mit deren Hilfe interessierte Bürger in die Planungen einbezogen werden. Trotz des Wunsches zahlreicher Anlieger wurde diese Initiative von SPD und Grünen abgelehnt. Christoph Ploß, verkehrspolitischer Sprecher der CDU-Fraktion: „Die Ablehnung von angemessener Bürgerbeteiligung bei den geplanten Fahrradstraßen durch SPD und Grüne zeigt: Beide Parteien haben anscheinend von den aktuellen Entwicklungen beim Busbeschleunigungsprogramm nichts gelernt.“

Till Steffen, verkehrspolitischer Sprecher der Grünen Bürgerschaftsfraktion, sagt zum jetzt begonnen Ausbau: „Was der Senat an der Alster betreibt, ist Radverkehrsförderung extra light. Nachdem der Senat drei Jahre beim Radverkehr geschlummert hat, entwickelt er nun drei Monate vor der Wahl eine hektische Aktivität.“ Doch vieles sei dabei nur die Minimalversion des Möglichen. „Anstatt dort anzufangen, wo hamburgweit der größte Handlungsbedarf in Sachen Radverkehr herrscht, nämlich am Ostufer der Außenalster, beginnt er bei der einfachsten Maßnahme, den Fahrradstraßen am Harvestehuder Weg.“