Sophienterrasse

Flüchtlingsheim in Harvestehude spaltet die Anwohner

Streit um geplante Unterkunft an der Sophienterrasse. Wie das Projekt funktioniert und was die Anwohner dazu sagen. Zu einer Informationsveranstaltung im Wilhelm-Gymnasium waren mehr als 300 Besucher gekommen.

Harvestehude. Die einen sind dafür, die anderen strikt dagegen: Der geplante Umbau des ehemaligen Kreiswehrersatzamts an der Sophienterrasse in eine Flüchtlingsunterkunft sorgt bei den Anwohnern in Harvestehude für viel Unruhe. Zu einer Informationsveranstaltung im Wilhelm-Gymnasium waren am Dienstagabend mehr als 300 Besucher gekommen. Bei der Diskussion ging es phasenweise hoch her.

Warum soll es eine Flüchtlingsunterkunft an der Sophienterrasse geben?

Die Stadt Hamburg sucht dringend nach Immobilien, um Flüchtlinge unterzubringen. In diesem Jahr rechnet Hamburg mit insgesamt 4600 neuen Flüchtlingen. Alle sieben Bezirke sind dazu verpflichtet, für neue Unterkünfte zu sorgen. „Harvestehude ist genau so im Fokus wie alle anderen Stadtteile“, sagte der Eimsbütteler Bezirksamtsleiter Torsten Sevecke (SPD). Bereits im vergangenen Jahr hatte der Bezirk das leer stehende Bundeswehrgebäude als eine Option auserkoren. Anfang des Jahres kaufte die Stadt Hamburg es vom Bund. Der Standort sei „hochgradig geeignet“, hieß es, auch weil er schnell verfügbar ist.

Wer soll einziehen?

Geplant ist die Unterbringung von Zuwandererfamilien. Aus welchen Ländern, ist noch unklar. Im vergangenen Jahr kam die größte Gruppe der Asylbewerber aus Tschetschenien, gefolgt von Syrien und Serbien. In Einzelfällen sollen außerdem wohnungslose Deutsche, hauptsächlich Familien, an der Sophienterrasse einquartiert werden.

Wie soll das Gebäude umgebaut werden?

Der dreigeschossige Bürokomplex aus den 50er-Jahren ist mehr als 4000 Quadratmeter groß. Es sollen 23 Wohneinheiten für maximal 220 Menschen geschaffen werden, die jeweils zwei bis acht Zimmer (für mehrere Familien in einer Wohnung) sowie Küche und Bad haben. Zusätzlich gibt es Gemeinschaftsräume für die Bewohner und Arbeitsräume für Mitarbeiter. Auf der Freifläche zum Mittelweg wird ein Spielplatz angelegt. Das Grundstück soll eingezäunt und zu den Nachbarn abgeschirmt werden. Für Müll sollen unterirdische Behälter gebaut werden.

Was kostet das Flüchtlingsheim?

Die Stadt Hamburg hat die Immobilie für 14 Millionen Euro vom Bund gekauft, dazu kommen etwa eine Million Euro Nebenkosten. Die Umbaukosten werden mit vier Millionen Euro veranschlagt. Der städtische Träger Fördern und Wohnen mietet das Gebäude. Derzeit ist eine Nutzung von zehn Jahren vorgesehen.

Welche Kritik gibt es?

Die Gegner kritisieren vor allem die hohen Kosten. Es gibt auch Bedenken wegen der sozialen Unterschiede. „Das ist eine kleine Insel, die in eine andere Insel hineingepfropft wird“, wetterte der Harvestehuder Markus Wegner (Ex-Statt-Partei, Ex-AfD) auf der Infoveranstaltung. „Wenn dort 220 Menschen unterschiedlicher Herkunft leben, wird das zu Konflikten führen. Das wird ein Horrorhaus.“ Einige Anwohner befürchten Lärm und Vermüllung. Dem Bezirksamt werfen die Kritiker vor, dass mit dem Standort ein Exempel statuiert werden solle. Bezirkschef Torsten Sevecke wies das zurück: „Es geht nicht um Reichenbelehrung.“

Was sagt die Politik?

Die Bezirksversammlung hat sich für das Flüchtlingsheim an der Sophienterrasse ausgesprochen. Allerdings hat die CDU Bedenken. „Da wird in einem reinen Wohngebiet eine soziale Einrichtung geschaffen. Das könnte sich bei möglichen Klagen von Gegnern als nicht gerichtsfest erweisen“, sagte der Eimsbütteler Fraktionsvorsitzende Michael Westenberger. Er fordert deshalb, die geplante Zahl der Flüchtlinge zu reduzieren. „Wir brauchen einen Kompromiss, der für alle passt.“

Was planen die Unterstützer?

Im Februar hat sich der Verein Flüchtlingshilfe Harvestehude gegründet. „Es geht um Menschen in Not. Wir wollen sie willkommen heißen“ , sagte die Vorsitzende Hendrikje Blandow-Schlegel. Der Verein hat 50 Mitglieder, es gibt 40 weitere Interessenten. Die ehrenamtlichen Helfer übernehmen Patenschaften, es soll Sprachunterricht, Kinderbetreuung und Hausaufgabenhilfe geben.