Merck-Villa

Pfadfinder ziehen ins Niendorfer Gehege

Im Arbeiterschuppen der Merck-Villa in Niendorf war zuletzt der Ex-Sicherungsverwahrte Hans-Peter W. untergebracht. Der Mietvertrag ist auf 20 Jahre, mit einer Option für weitere zehn Jahre, angelegt.

Hamburg. Das Dach ist frisch saniert, das Obergeschoss wird schon genutzt. Von außen könnte das Haus zwar noch einen neuen Anstrich gebrauchen, doch innen wird in den kommenden Tagen eine neue Heizung installiert: Der frühere Arbeiterschuppen der einstigen Merck-Villa im Niendorfer Gehege war lange in einem maroden Zustand, jetzt wird er renoviert. Eigentlich sollten die Mädchen des Pfadfinderstamms Lykamedas schon im vergangenen Jahr einziehen. Jetzt ist es im Frühjahr so weit.

Denn, wie häufig bei Renovierungsarbeiten, gab es immer Schwierigkeiten. „An den Dachbalken zum Beispiel waren deutliche Schäden zu erkennen“, sagt Stefan Brauckmann vom Pfadfinderbund Nord e. V. Die Sanierung wurde teurer, es mussten immer wieder entsprechende Anträge gestellt werden.

Dann gab es Probleme, die Gasleitungen zum Haus zu verlegen. Nun, sagt Gerrit Ernst von Nord Project Immobilien, hätten sie die Freigabe bekommen. Dann sei nur noch der Innenausbau zu erledigen. Der Schuppen soll künftig „waldnah genutzt“ werden und wird mit rund 120.000 Euro staatlicher Förderung instand gesetzt. Auch das gut 800 Quadratmeter große Grundstück will der 1998 gegründete Pfadfinderinnenstamm auf Vordermann bringen. Und weil dies größtenteils in Eigenregie passiert, sei das Haus der etwa 100 Mädchen starken Gruppe mietfrei überlassen worden. Nur Strom und Wasser müssten die Pfadfinder selbst zahlen.

Der Mietvertrag ist auf 20 Jahre, mit einer Option für weitere zehn Jahre, angelegt. Im bisherigen Domizil der weiblichen Pfadfinder, dem Niendorfer Bürgerhaus, sei es zu eng geworden. „Für die Pfadfinderinnen ist es natürlich der optimale Standort, weil sie im Grünen sind. Sie haben einen großen Garten und sind unter sich. Ein Bestandteil der Pfadfinderarbeit sind schließlich auch Übernachtungen im Haus“, sagt Stefan Brauckmann vom Pfadfinderbund.

Auch SPD-Bezirkspolitiker Marc Schemmel ist zufrieden: „Wir haben für das sanierungsbedürftige, ehemalige Landarbeiterhäuschen eine hervorragende Lösung erreicht. Durch Förderungen seitens der Sozialbehörde und der Bezirksversammlung Eimsbüttel kann das Gebäude saniert werden. Und mit den Pfadfinderinnen wurden Nutzerinnen gefunden, die das Gebäude in den nächsten Jahrzehnten als neue Heimat für ihre Jugendarbeit gut gebrauchen und in diesem Jahr dort einziehen können.“

Das Sommerhaus des ehemaligen Direktors der Hamburg-Amerika-Linie, Johann Theodor Merck, ist unter Schutz gestellt worden. Der Arbeitsschuppen diente zuletzt vorübergehend als Zufluchtsort des aus der Haft entlassenen ehemaligen Sicherungsverwahrten Hans-Peter W. Lange Zeit fehlten Nutzungskonzepte für das Haus in Niendorf. Statt es abzureißen, nutzt also die Niendorfer Pfadfindermädchengruppe Lykamedas bald den 85 Quadratmeter großen Arbeiterschuppen.

Das Haus wurde 1912 in der Nähe einer Villa erbaut, in der heute Til Schweigers Ehefrau Dana mit ihren Kindern lebt. Die Herrichtung des merck’schen Arbeitsschuppens reiht sich ein in mehrere Umgestaltungsmaßnahmen im Niendorfer Gehege. In den vergangenen sechs Jahren wurden Wege instand gesetzt, der große Spielplatz errichtet, der Forsthof neu gestaltet. „Es war deutlich zu erkennen, wie die Besucherzahlen im Gehege seitdem zunehmen“, sagt Revierförster Sven Wurster.

Um die 1000 Besucher sind täglich im Niendorfer Gehege unterwegs. Wer sich über gelbe Bändchen an einigen Bäumen wundert: Diese Bäume werden gefällt, um kräftigeren, vitaleren Bäumen mehr Lebensraum zu bieten. „Durch das Fällen von Bäumen bekommen diese sogenannten Zukunftsbäume mehr Licht“, so Wurster. Ziel dieser Forstarbeiten sei es, möglichst viele starke Einzelbäume zu haben.

Diese Fällarbeiten laufen zwischen Oktober und Ende Februar. Das Holz der gefällten Bäume wird getrocknet und dann verkauft. Mit diesen Mitteln, den Geldern aus dem Wildfleischverkauf und Mitteln der Behörde finanziert der Förster etliche kleinere Instandsetzungen im Revier. Gerade plant Sven Wurster die Erneuerung der maroden Aussichtsplattform am Dammwildgehege und einen neuen Unterstand am Spielplatz. Noch fehlt das Geld dafür – auch, um den Grillplatz neben dem Waldcafé Corel zu sanieren. Genug Mittel dagegen stehen für Renaturierungsarbeiten bereit. 170.000 Euro kostet es, den früheren Betriebshof der Schutzgemeinschaft Deutscher Wald in der Nähe der Waldsporthalle des NTSV zu entsiegeln, die rund einen Hektar große Fläche also wieder in einen natürlichen Zustand zu verwandeln.

Dort entsteht derzeit ein Feuchtbiotop. „Eine bessere Aufwertung für das Niendorfer Gehege gibt es nicht“, sagt Sven Wurster. Die Freude darüber ist ihm deutlich anzumerken. Auch mehrere, bis zu 1,50 Meter tiefe Teiche sind entstanden und es kommen weitere zu den rund 15 Teichen hinzu. „Wir schaffen ein Verbundsystem, sodass die Amphibien von einem Teich zum anderen wandern können“, so Wurster.