Einfamilienhaus

Hamburger baut sein Haus für den Klimaschutz um

| Lesedauer: 4 Minuten
Lena Diekmann
Walter Heymann (69, r.) aus Neuengamme lässt sein gesamtes Haus energetisch sanieren. Gebäudeenergieberater Jan Hinkel (l.) und Jesco Reher (Zimmerei Pietsch) unterstützen ihn dabei. Der Hausbesitzer will eine CO2-Einsparung erreichen.

Walter Heymann (69, r.) aus Neuengamme lässt sein gesamtes Haus energetisch sanieren. Gebäudeenergieberater Jan Hinkel (l.) und Jesco Reher (Zimmerei Pietsch) unterstützen ihn dabei. Der Hausbesitzer will eine CO2-Einsparung erreichen.

Foto: Lena Diekmann / BGZ/Diekmann

Mit der Sanierung seines Hauses hat sich Walter Heymann fünf Jahre lang beschäftigt. Er stellte fünf Anträge und sparte viel Geld.

Hamburg. Das Demo-Schild von Fridays for Future steht demonstrativ im Wohnzimmer. Schon mehrmals ist Walter Heymann mitmarschiert, um auf die steigenden CO2-Emissionen aufmerksam zu machen und sich für schnelle und effiziente Klimaschutzmaßnahmen einzusetzen. Doch der Neuengammer will nicht nur demonstrieren, sondern auch etwas tun und einen Beitrag zum Klimaschutz leisten. Deswegen lässt der 69-Jährige nun das Haus seiner Familie an der Foortstegel in Neuengamme energetisch sanieren.

So wird nun nicht nur das Dach neu eingedeckt und darauf im Anschluss eine Fotovoltaikanlage installiert. Auch Fenster werden ausgetauscht, die Ölheizung weicht einer Erdwärmepumpe und die für die Arbeiten verlegte Baustromleitung genutzt, um nach der Abschluss der Arbeiten eine Ladestation für E-Mobilität zu errichten – selbst wenn das dafür nötige E-Gefährt noch gar nicht zum Fuhrpark gehört. „Das ist dann der nächste Schritt“, sagt Heymann.

Energetische Sanierung als Zeichen gegen den Klimawandel

Der pensionierte Projektmanager hat sich gut fünf Jahre lang mit der Sanierung seines Hauses beschäftigt. Währenddessen stieg der CO2-Gehalt in der Atmosphäre weiter an. Nun sei endlich der Punkt gekommen, an dem es losgeht. „Wir müssen jetzt etwas tun, auch für unsere Kinder und Enkel“, sagt Ehefrau Bettina Heymann.

Ohne die Unterstützung eines Energieeffizienz-Experten wie Jan Hinkel hätte es Walter Heymann aber wohl nicht geschafft zu ergründen, welche staatlichen Förderungen und Zuschüsse möglich sind. Der Bauingenieur ist seit 2020 Geschäftsführer des Ingenieur- und Beratungsbüros EnergieSpar-Haus mit Büro an der Vierlandenstraße und begleitet das Projekt während Planung und Bau.

Fünf Anträge bei Bund und Land, die sich lohnen

Fünf Anträge seien bei Bund und Land gestellt worden. Und das lohnt sich: So gebe es staatliche Förderungen in Höhe eines fünfstelligen Betrags, etwa 30 Prozent beim Dach und 50 Prozent bei der Heizung. Gerade junge Familien würden sich derzeit häufig für die Sanierung eines Bestandsgebäudes entscheiden, um dabei die staatlichen Förderungen zu nutzen, so Hinkel.

Als erstes wurde an der Foortstegel das Dach komplett neu eingedeckt, nun Holzfaser statt Mineralwolle als Dämmstoff verwendet. Elf Tonnen Holz werden im Dach verbaut, was 17 Tonnen CO2 dauerhaft speichern könne, erklärt der Hausbesitzer. Zusätzlich verfüge das Dämmmaterial über eine höhere Wärmespeicherkapazität und könne im Sommer überschüssige Wärme aufnehmen und verhindere, dass sich das Haus zu sehr aufheize.

Bei Holzfaserdämmstoffen gibt es einen Engpass auf dem Markt

Die Nachfrage nach förderungsfähigen Dachsanierungen sei enorm, bestätigt Jesco Reher von der Zimmerei Pietsch vom Curslacker Deich. Bis August 2022 sei die Curslacker Firma bereits für größere Aufträge ausgebucht. Problematisch sei allerdings, dass vor allem bei Holzfaserdämmstoffen gar nicht so viel Material auf dem Markt sei, wie benötigt werde, erläutert Reher.

Wie Sven Riecken, Geschäftsführer der Firma Poburski aus Glinde, erläutert, werden in die Fußballwiese hinter dem Haus bald zwölf Löcher für die Erdwärmepumpe gebohrt. Durch ein Rohrsystem wird künftig ein Sole-Wasser-Gemisch geleitet, das die vorhandene Wärme aus der Erde zum Heizen der Wohnräume sowie zur Warmwasserbereitung ins Haus leitet. Sobald wieder Gras über die Löcher gewachsen ist, wird davon nichts mehr zu sehen sein.

Die Hausbesitzer hoffen, dass sie Nachahmer finden

Die ungeliebten Tanks der Ölheizung können dann aus dem Keller verschwinden. „Davon wollten wir uns schon lange trennen“, sagt Heymann. Mit ihnen verschwindet auch hoffentlich der üble Geruch, der Bettina Heymann immer dann in die Nase steigt, wenn sie ein paar Tage nicht zu Hause war. Familie Heymann hofft, dass die Bauarbeiten so gut voranschreiten, dass sie Weihnachten in einem energetisch sanierten Haus feiern können – und sich auch andere Menschen dafür entscheiden, etwas gegen den Klimawandel zu tun.