Vier- und Marschlande

Wie hat sich die Kulturlandschaft im Landgebiet entwickelt?

| Lesedauer: 4 Minuten
Lena Diekmann
Professorin Antje Stokman (v.l.), Tutor Tim Garbers und Anne Kittel, wissenschaftliche Mitarbeiterin, stellten im September Ergebnisse des Sommersemesters in einem Gewächshaus in Kirchwerder vor. Jetzt konnten die Ergebnisse des Wintersemesters vorerst nur online präsentiert werden.

Professorin Antje Stokman (v.l.), Tutor Tim Garbers und Anne Kittel, wissenschaftliche Mitarbeiterin, stellten im September Ergebnisse des Sommersemesters in einem Gewächshaus in Kirchwerder vor. Jetzt konnten die Ergebnisse des Wintersemesters vorerst nur online präsentiert werden.

Foto: Lena Diekmann / BGZ/Diekmann

Studierende der HafenCity Universität haben anhand von elf Betrieben den Wandel der Landschaft untersucht. Das sind die Ergebnisse.

Hamburg.  Die Vier- und Marschlande stehen weiter im Fokus der Wissenschaft. Bereits im dritten Semester in Folge haben Studierende der Architektur sowie der Stadtplanung der HafenCity Universität (HCU) das Landgebiet ganz genau in den Fokus genommen. In diesen Tagen geht die letzte Vorlesungswoche zu Ende, weshalb die Studierenden ihre Ergebnisse nun in einer Online-Sitzung präsentierten.

Das Seminar, das erneut von Professorin Antje Stokman und Diplom-Ingenieurin Anne Kittel initiiert wurde, stand unter dem Titel „Die Gleichzeitigkeit des Ungleichzeitigen - Transformation und Beständigkeit einer Kulturlandschaft“. 25 Studierende haben dabei untersucht, wie sich ansässige Betriebe und damit auch die Landschaft im Laufe der Zeit gewandelt und bestimmte Strukturen verfestigt haben, die damit kennzeichnend für das Landgebiet sind.

Historische Entwicklung der Betriebe in den Vierlanden untersucht

Durch Ortsbegehungen, der Auswertung historischen Kartenmaterials und Fotografien sowie vor allem durch Gespräche erstellten die Studierenden Porträts ihrer Patenbetriebe: Insgesamt elf in den Vier- und Marschlanden aus den Bereichen Gemüsebau wie der Biohof Bartsch in Neuengamme, Zierpflanzenbau wie G&G Knoblauch in Curslack oder Landwirtschaft wie der Hof Neun Linden in Billwerder konnten als Paten gewonnen werden. Die Betriebe ließen ihre historische Entwicklung von den Studierenden untersuchen.

„Wir sind begeistert, wie willkommen wir in den Vier- und Marschlanden aufgenommen werden und es uns trotz Pandemie möglich gemacht wurde, so ein Seminar so durchzuführen. Das ist einfach toll“, sagt Antje Stokman. Die Betriebe stehen exemplarisch für die verschiedenen typischen Betriebsformen, die mit ihren jeweiligen Bewirtschaftungsarten maßgeblich das Erscheinungsbild der Kulturlandschaft im Landgebiet prägen.

Kulturlandschaft soll beschrieben und grafisch dargestellt werden

Für jeden Betrieb wurde ein Porträt entwickelt, das mithilfe von zeichnerischen Darstellungen zeigt, wie sich das Unternehmen in den vergangenen Jahrzehnten oder auch Jahrhunderten verändert hat. Beispielsweise wie die bewirtschaftete Fläche verkleinert, vergrößert oder anders bewirtschaftet wurde, Gewächshäuser hinzugebaut, andere Gebäude abgerissen wurden oder erhalten geblieben sind. Daraus sollten die sich verändernden Landschaftsbestandteile, als auch die dauerhaften und gerüstbildenden Strukturen der Kulturlandschaft beschrieben und grafisch dargestellt werden.

„Die wichtigste Erkenntnis aus dem Kurs war, dass die Akteure, sprich Gärtner und Landwirte, maßgeblich an der Transformation der Kulturlandschaft beteiligt sind. Der Wandel in den Flächennutzungen zeigt sich bei fast allen Betrieben“, sagt Anne Kittel. Dennoch gebe es eine Konstanz im Erscheinungsbild der Kulturlandschaft, welche durch sich verstetigende Strukturen und Elemente gebildet wird, so die wissenschaftliche Mitarbeiterin.

Studierende sollen Ideen zur Zukunft der Vier- und Marschlande entwickeln

Zu diesen Elementen zählen Sichtfenster in die Tiefe ebenso wie die Positionierung von Wohngebäuden zur Erhaltung dieser Sichtachsen, die Staffelung der Nebengebäude, die mit zunehmender Tiefe des Grundstücks weiter an Nutzungsintensität abnimmt. Neben der prägenden Grabenstruktur gibt es ebenso typische Gehölze. „Die Gleichzeitigkeit im Ungleichzeitigen, die sich verstetigten Strukturen der Kulturlandschaft und die Dynamik innerhalb der Flächennutzungen prägen das Bild der Kulturlandschaft der Vier-und Marschlande“, fasst Anne Kittel zusammen.

Dieser Zweiklang soll im Sommersemester in einem Entwurfskursus aufgriffen werden. Auf Grundlage eines Atlas der herausgearbeiteten Strukturen und Elemente sollen die Studierenden Ideen zur Zukunft der Kulturlandschaft der Vier-und Marschlande entwickeln. Dabei sind vor allem neue Konzepte zur produktiven Nutzung der Flächen gewünscht. Überlegungen zu innovativen, raumverträglichen Wohnformen sind ebenso denkbar. „Wobei bei allen Überlegungen die Eigenart der Kulturlandschaft als Basis für zukünftige Entwicklungen stehen soll. Nur so kann eine Transformation in der Zukunft gelingen“, sagt Anne Kittel.

Ergebnisse des Seminars sind im Internet einsehbar

Die Ergebnisse aus diesem Semester werden aufgearbeitet und sollen dann im Internet einsehbar sein. Dort ist auch das Material aus den ersten beiden Semestern zu finden:www.kulturlandstudio.de.

Die beteiligten Betriebe: Beeken Gartenbau, Hof Neun Linden, Hof Eggers, G & G Knoblauch, Harderhof, Geflügelhof Heine, Hof Schmoldt, Wilfried Harden Gartenbau, Biohof Bartsch, Reimers Gartenbaum/Ackerhelden, Hitscherberger Hof.