Hamburg. Nabu Hamburg spricht von einem „historischen Ergebnis“. Worin die Naturschützer den Grund für den sehr guten Bruterfolg sehen.

Die Storchenbilanz des Naturschutzbundes (Nabu) Deutschland ist fantastisch. Auf dem Milchhof Reitbrook verkündeten Nabu-Mitarbeiter ein „historisches Ergebnis“: In Hamburg, vor allem in den Vier- und Marschlanden, wachsen derzeit mehr als 100Jungstörche auf – so viele wie nie zuvor in den vergangenen Jahrzehnten, seit sich der Nabu für den Storchenschutz engagiert.

40 Weißstorchenpaare haben 98 Jungstörche aufgezogen. Sechs von dem ehrenamtlichen Storchenvater Jürgen Pelch gerettete Storch-Waisen werden in einer Wildtierstation aufgepäppelt. „Das ist sowohl in der Anzahl der Brutpaare als auch in der Summe der Jungstörche ein absolutes Rekordergebnis“, teilt der Nabu mit. Den bisherigen Bestwert gab es vor zwei Jahren. Damals zogen 29 Paare 77 Jungstörche groß. Im vergangenen Jahr waren es 30 Paare und 61 Junge.

Nabu verkündet Rekord bei Storchenbilanz in Reitbrook

„Der Nabu engagiert sich seit Jahrzehnten für den Storchenschutz. Wir leisten praktische Naturschutzarbeit vor Ort und setzen uns auf politischer Ebene für den Erhalt der wertvollen Feuchtwiesen ein. Ohne dieses Engagement, das oft ehrenamtlich ist, gäbe es sicherlich deutlich weniger Weißstörche in unserer Stadt. Das diesjährige Rekordergebnis ist ein erfreuliches Resultat unserer Naturschutzarbeit. Es darf aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass die Natur weiterhin unter großem Druck steht. Die Herausforderungen durch den Klimawandel werden weiter zunehmen und die zunehmende Trockenheit bedroht den Lebensraum der Störche. Das Artensterben wird weiter voranschreiten, wenn wir dem Naturschutz nicht unsere volle Aufmerksamkeit schenken“, sagt Malte Siegert, Vorsitzender des Nabu Hamburg.

Zehn Prozent Hamburger Fläche unter Naturschutz

„Es ist etwas Besonderes, wenn so viele Störche in einer Großstadt einen Lebensraum finden. Unsere Hamburger Vier- und Marschlande sind nicht nur ein wichtiges Naherholungsgebiet, sondern sie bieten auch gute Bedingungen für die beliebten Klapperstörche. Wir sind in Hamburg erfolgreich, wenn es darum geht, Mensch und Natur in den Einklang zu bringen. Kein anderes Bundesland hat so viel seiner Landesfläche wie Hamburg unter Naturschutz gestellt. Bald sind es zehn Prozent. Auch das trägt dazu bei, die Artenvielfalt in Hamburg zu erhalten. Ich danke dem Nabu und seinen Ehrenamtlichen für das großartige Engagement für Hamburgs Natur und die Störche“, sagt Katharina Fegebank, Hamburgs Zweite Bürgermeisterin.

Zusätzlich zu den 98 Storchenjungen hat Nabu-Storchenbetreuer Jürgen Pelch fünf Jungstörche aufgenommen, deren Mutter (Nabu-Senderstorch „Mimi“) tot im Nest lag, und ein weiteres Küken, das aus seinem Nest geworfen wurde. Die sechs kleinen Storch-Waisen werden am Wochenende in die Storchenpflegestation im schleswig-holsteinischen Erfde gebracht. Dort werden sie auf die Auswilderung vorbereitet. „Störche sind Wildtiere und das sollen sie natürlich auch bleiben. Hoffentlich kommen die Jungstörche auch wieder nach Hamburg zurück und tragen in den nächsten Jahren zu weiteren erfolgreichen Brutbilanzen bei“, sagt Pelch.

Schon bald ziehen die Störche in den Süden

Die 104 Jungstörche werden schon Ende Juli/Anfang August zu ihrer Reise in den Süden aufbrechen, um dort, in Spanien, Portugal oder Afrika, den Winter zu verbringen. Die Altstörche erholen sich noch ein paar Wochen von der Aufzucht ihrer Jungen und fliegen dann ebenfalls gen Süden. Sechs Hamburger Störche, die der Nabu mit einem Sender versehen hat, können auf ihrem Flug live im Internet verfolgt werden, unter www.nabu-hamburg.de/stoerche.