Badesee

Neue Öko-Pläne für den Hohendeicher See

| Lesedauer: 4 Minuten
Lena Diekmann
Die Badestelle am Westufer des Hohendeicher See soll nach dem willen der Behörde für Umwelt, Klima, Energie und Agrarwirtschaft (Bukea) verbreitert werden, Schilfinseln (rechts) dafür weichen. Dafür sollen nach den Öko-Plänen aber zahlreiche der 95 wilden Zugänge zum Vorzeigegewässer geschlossen werden.

Die Badestelle am Westufer des Hohendeicher See soll nach dem willen der Behörde für Umwelt, Klima, Energie und Agrarwirtschaft (Bukea) verbreitert werden, Schilfinseln (rechts) dafür weichen. Dafür sollen nach den Öko-Plänen aber zahlreiche der 95 wilden Zugänge zum Vorzeigegewässer geschlossen werden.

Foto: Lena Diekmann / BGZ/Diekmann

Mehr Naturschutz, weniger Freizeitnutzung? Pläne der Umweltbehörde für das Vorzeigegewässer in Bergedorf stoßen auf Kritik.

Hamburg. Der Hohendeicher See galt lange als Vorzeigegewässer im Bezirk Bergedorf. Die Wasserqualität wurde über Jahre stets als hervorragend bewertet. Doch im Juli 2018 musste die Badestelle West schon einmal kurzzeitig wegen Blaualgen gesperrt werden.

Noch immer ist die Wasserqualität als gut zu bewerten. Doch damit das auch so bleibt, sind einige Maßnahmen notwendig, ist die Behörde für Umwelt, Klima, Energie und Agrarwirtschaft (Bukea) überzeugt. Dabei stützt sie sich auf eine von der Behörde in Auftrag gegebene Untersuchung. Die Ergebnisse wurden am Dienstagabend im Regionalausschuss vorgestellt.

Hohendeicher See: Behörde legt Pläne zur ökologischen Aufwertung vor

Die Untersuchung mündete in einem fast 200 Seiten starken Bericht. Sowohl Beobachtungen und Befragungen am See im vergangenen Sommer, als auch Material der Jahre 2002 bis 2020 seien in die Untersuchung eingeflossen, stellte Diplombiologin Inga Eydeler-Jäppinen vom beauftragten Büro KLS Gewässerschutz dar.

Der 1966 im Zuge der Deichverlegung künstlich geschaffene Baggersee ist nicht nur ein beliebtes Freizeitrevier für 20 verschiedene Nutzergruppen, sondern auch Landschaftsschutzgebiet mit geschützten Biotopen sowie Gewässer nach der EG-Wasserrahmenrichtlinie. Auch wenn sich die Uferstruktur verbessert habe, habe der See die Ziele dieser Richtlinie qualitativ bisher verfehlt, so die Untersuchungsergebnisse.

Behörde sieht hohen Nutzungsdruck auf das Gewässer und die Uferstruktur

Während fädige Algen und zum Teil auch Blaualgen zugenommen haben, wurde der mit Sauerstoff gesättigte Wasserkörper kleiner. Derweil gebe es einen hohen Nutzungsdruck auf das Gewässer und die Uferstruktur, vor allem durch Badegäste und Dauercamper, aber auch durch Grünflächenunterhaltung, Deichschutz und Privatgärten am Seeufer. Die starke Nutzung durch den Mensch stehe in direktem Zusammenhang mit dem Wachstum der Fadenalgen, stellt Inga Eydeler-Jäppinen fest.

Um eine weitere Anreicherung von Nährstoffen zu vermeiden, seien Maßnahmen notwendig. Diese zielen vor allem auf die Information der Nutzer und Anlieger, das Absperren von Schutzzonen, Besucherlenkung sowie Ertüchtigung und Erhöhung der Zahl an Toilettenhäuschen ab.

Kein Geld für zusätzliche Toilettenhäuschen am Hohendeicher See

Über wilde Hinterlassenschaften in Büschen und Vorgärten hatte es auch in diesem Sommer wieder Beschwerden gegeben. Trotzdem sei der Bau weiterer Toilettenhäuschen kurzfristig nicht umzusetzen, stellt Stefanie Schäfermeyer-Gomm von der Bukea fest. Schließlich gebe es auch an anderer Stelle in der Stadt Bedarf, sei es eine Frage der Priorisierung und Finanzierung. Stattdessen könnte der Bezirk die vorhandenen Toiletten im kommenden Jahr besser kennzeichnen und Wegweiser aufstellen.

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Bis zur nächsten Saison soll die Badestelle West verbreitert werden, indem Schilfinseln entfernt oder umgepflanzt werden. Der Konflikt von Badegästen und Surfer an der Stelle solle dadurch gemindert werden.

Weniger Zugänge für Badende zum Hohendeicher See geplant

Dafür sollen aber „unerwünschte Wasserzugänge“ geschlossen werden. 95 wilde Zugänge wurden in der Untersuchung gezählt. Stattdessen soll es geduldete Badebuchten in deutlich geringer Anzahl geben, die Besucher so zu den offiziellen Badestellen gelenkt werden. Zudem werde das Aufstellen von Infotafeln und die Erstellung von Flyern, die die Besucher über die Situation des Sees informieren sollen, geprüft.

Verärgert, aber nicht überrascht zeigt sich Rainer Frohböse von den Ergebnissen. „Denn sie zeigen genau das, was sie zeigen sollen. Nämlich dass der Mensch verdrängt und der See der Natur überlassen werden soll“, ist der Vorsitzende des Windsurfing Club Hamburg überzeugt.

Freizeitsportler argwöhnen, Behörde will Surfer und Segler rausdrängen

Er fürchtet, dass der Badesee als Freizeitrevier, vor allem auch für windabhängige Sportarten wie Surfen und Segeln, verloren geht. Denn die würden in der Untersuchung kaum eine Rolle spielen, moniert Frohböse, der nun auch die Wassersportkommission des Hamburger Sportbundes kontaktieren will.

Die Lokalpolitik gemeinsam mit dem Bezirksamt und der Umweltbehörde einen Vor-Ort-Termin an. Der Untersuchungsbericht und Vorschläge der Maßnahmen werden bis Ende September auf der Internetseite des Bezirksamtes Bergedorf veröffentlicht:www.hamburg/bergedorf. Dazu können Fragen und Anmerkungen per E-Mail geschickt werden an hohendeichersee@bukea.de.

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