Tatenberger Deich

Giftige Schwermetalle unter Liegewiese an der Dove-Elbe

| Lesedauer: 4 Minuten
Thomas Heyen
Auf dem ehemaligen Spülfeld am Tatenberger Deich in Höhe des Wasserparks Dove-Elbe ist jetzt eine Liegewiese.

Auf dem ehemaligen Spülfeld am Tatenberger Deich in Höhe des Wasserparks Dove-Elbe ist jetzt eine Liegewiese.

Foto: Lena Diekmann / BGZ/Diekmann

Auch krebserregende Stoffe wurden im Oberboden gefunden. Das ehemalige Spülfeld am Tatenberger Deich wird nun aufwendig untersucht.

Hamburg. Auf einem ehemaligen Spülfeld am Tatenberger Deich, die heutige Liegewiese in Höhe der Starttürme der Regattastrecke, wurden bei stichprobenartigen Untersuchungen Belastungen im Boden festgestellt. Deshalb plant das der Umweltbehörde unterstellte Amt für Bodenschutz und Altlasten vom 26. Juli an rund vierwöchige Erkundungsarbeiten.

Liegewiese am Tatenberger Deich: Belastungen im Boden festgestellt

Verteilt über die gesamte Fläche der Altablagerung sind etwa 150 Kleinrammbohrungen notwendig. Aus dem gewonnenen Bohrmaterial werden Proben für Laboruntersuchungen entnommen, welche Erkenntnisse über die Inhaltsstoffe und den Aufbau der Belastung liefern, teilt die Umweltbehörde mit. Danach müssen vermutlich Sanierungsmaßnahmen eingeleitet werden.

Giftiger Schlick drei Jahre lang an der Dove-Elbe entsorgt

In Höhe der Grundstücke Tatenberger Deich 34 bis 95, im Bereich der heutigen Liegewiese, die an sommerlichen Tagen von zahlreichen Badegästen in Beschlag genommen wird, wurde zwischen 1968 und 1971 mit Schadstoffen belasteter Schlick entsorgt, der vermutlich aus Alster und Bille stammt.

„Eine Gefahr durch direkten Kontakt mit den Schadstoffen besteht aufgrund des Grasbewuchses auf der Fläche nicht“, sagt Björn Marzahn, Sprecher der Umweltbehörde. „Durch die Erkundungsarbeiten wollen wir einen Überblick über Ausdehnung, Tiefe und Aufbau der Belastungen bekommen, um die erforderlichen Sanierungsmaßnahmen festlegen zu können.“

Zunächst untersucht Kampfmittelräudienst Fläche am Tatenberger Deich

Bauvorbereitend wird die Fläche nun auf mögliche Kampfmittel aus dem Zweiten Weltkrieg hin überprüft. „Die Erkundungsarbeiten werden ständig überwacht und fachlich begleitet. Von den Erkundungsarbeiten werden keine gefährlichen Belastungen für das Umfeld ausgehen“, sagt Marzahn. „Kurzzeitig auftretende Lärmentwicklungen sind nicht auszuschließen und bewegen sich im Rahmen von üblichen Tiefbaumaßnahmen.“ Der Zugang zum Rad- und Fußweg und einzelnen Teilflächen kann während der Maßnahme eingeschränkt sein.

Die aus Elbe, Alster und Bille gebaggerten Sedimente wurden seit Mitte des 19. Jahrhunderts an Land untergebracht. Sie dienten zur hochflutsicheren Aufhöhung von Hafen- und Industrieflächen, wurden aber laut Umweltbehörde auch gern wegen ihrer Fruchtbarkeit auf landwirtschaftlich genutzten Flächen abgenommen. Die auf diese Weise erhöhten Flächen werden als Altspülfelder bezeichnet.

Hafenschlick enthält Arsen, Blei, Quecksilber und andere giftige Stoffe

Untersuchungen von Sedimenten aus dem Hafenbereich haben ergeben, dass der Schlick hohe Gehalte an Arsen, Blei, Cadmium, Kupfer, Quecksilber und Zink aufweist. Schlick, der nach 1925 gebildet wurde, kann auch mit Dioxinen belastet sein. Seitdem diese Zusammenhänge Ende der 70er-Jahre bekannt wurden, werden die bis dahin üblichen Unterbringungen nicht mehr fortgeführt.

Die stichprobenartigen Untersuchungen stehen im Zusammenhang mit Hamburgs Olympiabewerbung 2016, berichtet die Umweltbehörde. Die damals geplanten Sportstätten, für die im Altlastenhinweiskataster Hinweise auf Bodenverunreinigungen vorliegen, wurden bereits vor fünf Jahren vom Amt für Naturschutz, Grünplanung und Bodenschutz im Hinblick auf eine sensible Nutzung untersucht.

Auch krebserregende Stoffe im Oberboden gefunden

Bei der Beprobung des Oberbodens wurden auf der rund zwei Hektar großen Fläche neben Schwermetallen, wie Arsen, Blei und Cadmium, auch das krebserregende Benzo(a)pyren (BaP) und halogenorganische Verbindungen in unterschiedlichen Teilbereichen und Konzentrationen festgestellt, teilt die Umweltbehörde mit.

Das Spülgut stammt nach Meinung der Experten der Umweltbehörde aus Alster und Bille. Mit dem belasteten Schlick wurde das Gelände, das heute in einem Landschaftsschutzgebiet liegt, von 1968 bis 1971 verfüllt und um etwa einen dreiviertel Meter erhöht.

Sanierung soll Fläche als Park- und Freizeitanlage erhalten

„Ziel möglicher Sanierungsmaßnahmen ist die uneingeschränkte Nutzung der Fläche als Park- und Freizeitanlage“, sagt Björn Marzahn, Sprecher der Umweltbehörde. Das ehemalige Spülfeld wird als Liegewiese und Zuwegung zur Regattastrecke genutzt. Teilweise befinden sich einzelne Baumgruppen mit Unterholz auf der Fläche. Da keine akute Gefährdung bestehe, ist das Betreten erlaubt, heißt es aus der Behörde.

Bei Fragen und Problemen können Bürger die Umweltbehörde anrufen: 040/428 40 53 74 und 040/428 40 52 89. Während der Arbeiten ist auch die örtliche Bauüberwachung, die Firma BBI Geo- und Umwelttechnik, zu erreichen: Telefon 040/22 94 68 32.

Mehr Artikel aus dieser Rubrik gibt's hier: Tatenberg