Lockdown-Lockerung

Riesige Nachfrage nach frischen Blumen aus dem Landgebiet

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Thomas Heyen
Andreas Kröger (56) in seinem Zierpflanzenbetrieb am Kirchwerder Marschbahndamm.

Andreas Kröger (56) in seinem Zierpflanzenbetrieb am Kirchwerder Marschbahndamm.

Foto: Thomas Heyen

Nach Wieder-Öffnung: Viele Frühlingsblüher schon ausverkauft. Hamburger Branche atmet auf. Kunden sollten sich jetzt eindecken.

Hamburg. Monatelang wurden in Supermärkten und Drogerien Blumen verkauft, während die Floristen und Gartencenter in Hamburg schließen mussten. Das ist seit Montag vorbei. Die Fachhändler dürfen nun auch in der Hansestadt wieder Blumen verkaufen. Andreas Kröger, Gärtnermeister aus Kirchwerder und Präsident des Wirtschaftsverbands Gartenbau Norddeutschland, fällt deshalb ein großer Stein vom Herzen.

Die grüne Branche in Hamburg kann nun wieder mit den Nachbarländern konkurrieren. Dort durfte der Fachhandel schon früher öffnen, in Niedersachsen bereits am 13. Februar. Dies hatte zur Folge, das sich zahlreiche Hamburger in den angrenzenden Nachbarländern mit Pflanzen eindeckten, während die heimischen Anbieter massiv über geringere Umsätze klagten.

„Blumen-Tourismus“ werde nachlassen

„Primeln sind bei unseren Nachbarn teilweise ausverkauft“, sagt Kröger. Er ist – nicht nur aus wirtschaftlicher Sicht – froh, dass der „Blumen-Tourismus“ nun deutlich nachlassen werde. „Auch das Ansteckungsrisiko in den Supermärkten wird nun sinken, weil die Menschen nicht länger im Gedränge stehen müssen, um Blumen kaufen zu können.“

Kurios: Vier- und Marschländer Gärtner mussten noch vor einigen Wochen Zehntausende Primeln entsorgen, weil sie sie nicht loswurden. Dann kauften Händler aus den anderen norddeutschen Bundesländern Hamburger Bestände auf. Auf dem Hamburger Blumengroßmarkt und bei Abholmärkten für den Handel in Schleswig-Holstein wurden Primeln und Stiefmütterchen nur noch gegen Vorbestellung ausgehändigt, erzählt Kröger. In Niedersachsen hätten Gärtner im Februar bis zu dreimal mehr Umsatz gemacht als im Vergleichszeitraum der Vorjahre.

Auch Nachfrage nach Gemüsepflanzen ist groß

Die Nachfrage nach Pflanzen sei exorbitant, die Menschen wollen es gerade jetzt zu Hause schön haben, sagt Kröger: „Außerdem weiß ja keiner, wie sich der Lockdown entwickelt.“ Doch auch vor Corona habe es schon Jahre gegeben, in denen bei schönstem Wetter innerhalb von nur zwei Wochen der gesamte Bestand an Frühjahrsblühern abverkauft wurde, betont der 56-Jährige. In Krögers Betrieb sind Primeln (für Fensterbank und Balkon) und Stiefmütterchen (für das Beet im Garten) bereits ausverkauft, „auch durch die große Nachfrage in den Nachbarländern“.

Der Gärtnermeister verkauft fertige Pflanzen wie Ranunkeln an den Großhandel und Jungpflanzen (etwa Geranien) an andere Gärtnereien. „Sie werden dort großgezogen und ab Mitte April als Sommerblumen verkauft.“ Erstmals verkauft Kröger auch Gemüsejungpflanzen zur Weiterzucht an Berufskollegen.“ Diese bieten die Salat- und Gurkenpflanzen ab Mitte März an. Die Nachfrage sei auch hier enorm: „Die Leute haben mehr Zeit und setzen verstärkt auf Selbstversorgung. So war es schon 2020.“

Übersicht auf Internetseite

Natürlich würden alle notwendigen Hygienevorkehrungen in den Geschäften getroffen, betont Kröger – etwa kontaktlose Bezahlung, verlängerte Öffnungszeiten zum Entzerren des Kundenaufkommens, das Bereitstellen von Einkaufswagen und -körben, um den Kundenstrom zu kontrollieren, und Hinweise auf Sicherheitsabstände. „Die Gewächshäuser, in denen verkauft wird, sind geöffnet und gut gelüftet“, sagt Kröger. Auf der Internetseite mit-abstand-gruen.de, die unter anderem vom Zentralverband Gartenbau ins Leben gerufen wurde, können sich Kunden über die Corona-Regelungen in den Verkaufsstellen informieren.

Kleine Betriebe nicht vergessen

Zu einem Ausflug in die Vier- und Marschlande hatte bereits die CDU angeregt. Sie will Städter aufs Land locken, die sich bei den kleineren Gärtnereien nun wieder mit Blumen eindecken können. Denn gerade die kleineren Betriebe mit Hofverkauf gerieten schnell in Vergessenheit.

Neben der Gärtnerei Wilfried Harden (Kirchwerder Elbdeich 256) bietet auch Michael Bornhöft am Kirchwerder Landweg 194 einen Verkauf unter freiem Himmel an. Geöffnet ist dort täglich von 8 bis 16 Uhr. Telefon: 0177/6 26 07 87. Auch die Gärtnerei Howitz, Süderquerweg 540, Telefon 040/723 08 03, macht Hofverkauf. Geöffnet ist montags, dienstags, donnerstags, freitags, 8 bis 12 Uhr und 14 bis 17.30 Uhr sowie mittwochs und sonnabends, 8 bis 11.30 Uhr und von 16 bis 17.30 Uhr, sonntags von 9 bis 12 Uhr und 15 bis 17.30 Uhr.

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