Sterbebegleitung Bergedorf

Hospiz am Allermöher Deich feiert symbolisches Richtfest

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Bauerherr Michael Kolle (l.) und Zimmermann Markus Dreesen.

Bauerherr Michael Kolle (l.) und Zimmermann Markus Dreesen.

Foto: Lena Diekmann / BGZ/Diekmann

Noch ist der Umbau der Alten Schule nicht abgeschlossen, aber noch in diesem Jahr soll es Sterbebegleitung in Bergedorf geben.

Hamburg.  Ein kleines Papierboot und das Logo vom Hamburger Hospiz hat Katja Fischer an ihrem linken Handgelenk als Tattoo verewigt. „Seelenverwandt“ steht dazu geschrieben. Denn für die 44-Jährige steht fest: „Einen anderen Job kann ich mir nicht mehr vorstellen.“ Seit 15 Jahren arbeitet sie in dem Hospiz im ehemaligen Helenenstift in Altona und wird bald ihren neuen Arbeitsplatz am Allermöher Deich finden. Denn die Alte Schule Oberwärts wird zum Hospiz am Deich umgebaut. Dort wird Katja Fischer die Pflegedienstleitung übernehmen. Nun wurde ein symbolisches Richtfest gefeiert.

Hospiz am Deich bietet erstmals Sterbebegleitung in Bergedorf

Nachdem der Umbau erst mit Verzögerung starten konnte, geht es in dem Gebäude nun voran: Der Fahrstuhlschacht und Wände wurden eingezogen sowie im Dach Gauben mit großen Fenstern eingebaut, durch die jede Menge Licht in die künftigen Zimmer fallen kann. Dennoch gebe es auch auf der Baustelle Materiallieferschwierigkeiten, müssen hohe Anforderungen an Denkmal- sowie Brandschutz erfüllt oder auf Experten gewartet werden, um weitere Arbeitsschritte vornehmen zu können, berichtet Bauherr Michael Kolle. „Es gibt wohl keinen anderen Bau, den ich im Prozess häufiger umgestellt habe, als dieses Hospiz“, sagt Kolle.

Dabei fühle er sich oftmals wie ein Dirigent, der Dinge umlenkt, um Arbeiten an anderer Stelle voranzutreiben, wenn es woanders gerade stockt. Dabei könne er glücklicherweise auf die Tatkraft seiner Mitarbeiter sowie Architekt Nils Roderjan zählen, die viel Schweiß und Mühe in das Projekt investieren, betont Michael Kolle.

Bis zur Inbetriebnahme gibt es noch eine Menge zu tun, doch der Verein hält daran fest, im Dezember die ersten Gäste zu empfangen. „Dann wird es das erste Hospiz in Bergedorf sein“, betont Michael Kolle, der es traurig findet, dass Menschen aus den Vier- und Marschlanden oder Bergedorf bisher zum Sterben nach Geesthacht oder die Hamburger City ausweichen mussten.

Platz für 14 Gäste auf zwei Ebenen

Neben dem Hospiz würde Michael Kolle auch gern ein eingelagertes Hufnerhaus wieder aufstellen lassen, das bis Anfang der 2000er-Jahre am Kirchwerder Elbdeich stand, um dort Wohnungen für Demenzkranke einzurichten. Ebenso wäre dort tiergestützte Kinderpädagogik möglich, er sei mit interessierten Anbietern bereits in Kontakt, berichtet Michael Kolle. „Das wäre an diesem Ort die perfekte Kombination“, so Kolle.

Im Hospiz am Deich wird es Platz für 14 Gäste geben, wie der Verein die lebensbegrenzt erkrankten Menschen nennt, die in dem Haus ihre letzten Lebenstage verbringen. In Altona liege die durchschnittliche Verweildauer bei 30 Tagen, es können aber auch mal ein Jahr oder auch nur zwei Stunden sein, berichtet Vereinsvorsitzende Elke Huster-Nowack.

Unterstützung in psychosozialer Begleitung wird noch gesucht

Jedes Zimmer wird etwa 20 Qua­dratmeter groß sein und jeweils über ein barrierefreies Bad verfügen. Im Untergeschoss, den ehemaligen Klassenräumen, wird es acht Zimmer geben, im Obergeschoss, dem ehemaligen Dachboden, weitere sechs Zimmer. Zudem wird es im Obergeschoss auch ein Pflegebad mit höhenverstellbarer Badewanne sowie freiem Blick ins Grüne geben.

Die Zeit, in der noch keine Gäste empfangen werden können, hat der Hospiz Verein bereits genutzt, um künftige Mitarbeiter zu akquirieren. 25 Pflegekräfte mit langjähriger Hospizerfahrung oder in der Pflege konnten bereits gewonnen werden.

„Das wird ein tolles Team und da freuen wir uns tierisch drauf“, sagt Ralf Herzberg, der im August die Geschäftsführung vom Hospiz am Deich übernommen hat. Im Bereich psychosoziale Begleitung könne das Team aber noch Verstärkung gebrauchen, klassischerweise einen Sozialarbeiter oder Psychologen, betont Ralf Herzberg. Ebenso würden noch Ehrenamtliche gesucht, die sich in dem Haus engagieren mögen. 17 Frauen und Männer wurden bereits geschult, berichtet Katja Fischer. Im Frühjahr soll es einen weiteren Qualifizierungskursus in ehrenamtlicher Sterbebegleitung geben.

Für die Innengestaltung des Hauses waren Elke Huster-Nowack und Katja Fischer viel unterwegs, um Möbel und farbliche Gestaltung auszusuchen. „Die Farbe Blau wird sich wie roter Faden durch das Haus ziehen“, verrät Katja Fischer. Alles soll so attraktiv wie möglich sein und keinesfalls nach Krankenhaus aussehen, erklärt die 44-Jährige. Schließlich hätten viele Gäste häufig eine lange Zeit in Kliniken verbracht, verbunden mit der Hoffnung, wieder gesund zu werden – die sich leider nicht erfüllt habe.

Ein kleines Papierboot erinnert an den verstorbenen Gast

Nun gehe es darum, ihnen den Abschied vom Leben so angenehm und schön wie möglich zu gestalten. Katja Fischer musste sich in den vergangenen 15 Jahren schon von vielen Gästen verabschieden. Und auch wenn es schwere Momente gebe, empfinde sie es nicht als Last, sondern als Geschenk, welch Vertrauen ihr jedes Mal aufs Neue geschenkt werde. „Das ist eine ganz wertvolle Erfahrung, denn es lässt mich nach einem Arbeitstag demütig ins pralle Leben zurückkehren und macht mir bewusst, wie wertvoll das Leben ist“, sagt Katja Fischer.

Auch im Hospiz am Deich wird es viele Momente des Abschiednehmens geben. Ein Papierboot, das im Hospiz aufgehängt wird, soll dann an den verstorbenen Gast erinnern – so wie das kleine tätowierte Boot an ihrem Handgelenk.

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