Bürgerpreis Bergedorf

Peter Kröger – seit 54 gehört sein Engagement dem DRK

| Lesedauer: 6 Minuten
Anne K. Strickstrock
Seit 54 Jahren, so bestätigt es sein vergilbtes Dienstbuch, engagiert sich Peter Kröger für das Deutsche Rote Kreuz. Als Vorsitzender des Bergedorfer Kreisverbandes wurde er fünfmal im Amt bestätigt.

Seit 54 Jahren, so bestätigt es sein vergilbtes Dienstbuch, engagiert sich Peter Kröger für das Deutsche Rote Kreuz. Als Vorsitzender des Bergedorfer Kreisverbandes wurde er fünfmal im Amt bestätigt.

Foto: strickstrock / BGZ

Bergedorfer ist unermüdlich, hilft im Zeltlager, an der Gulaschkanone im Katastrophenschutz. Und er verrät auch seinen Herzenswunsch.

Bergedorf/Allermöhe. Das Wort ledig ist durchgestrichen, das Wort verheiratet ist durchgestrichen, seit 1987 steht „geschieden“ in seinem längst vergilbten Dienstbuch vom Deutschen Roten Kreuz: Fast ein ganzes Leben lang begleitet ihn das Ehrenamt, denn schon 54 Jahre lang engagiert sich Peter Kröger für das Hilfswerk – und seit 23 Jahren ist der 70-Jährige der erste Vorsitzende vom Kreisverband Hamburg-Bergedorf. Das muss man erstmal schaffen bei einer vierjährigen Amtsperiode, immerhin wurde Peter Kröger fünfmal wiedergewählt.

Längstens Zeit also, dass der Neuengammer als Kandidat für den 22. Bergedorfer Bürgerpreis vorgestellt wird, der im September gemeinsam von der Volksbank Bergedorf und unserer Zeitung vergeben wird. „Ich helfe aus Spaß an der Freud“, sagt Kröger, der seinem segensreichen Hobby jährlich etwa 1300 Stunden widmet. Zeitlich war das stets gut machbar – sowohl bei der Lehre zum Elektro-Installateur als auch in den zwölf Jahren bei der Bundeswehr – zunächst als Feldjäger, dann als Student zum Elektro-Ingenieur. Schließlich blieb Kröger bei der Hamburger Baubehörde, baute Trafostationen und Schaltanlagen, so etwa im Lohbrügger Institut für Holz- und Forstwirtschaft.

Bürgerpreiskandidat Peter Kröger engagiert sich seit 54 Jahren im Ehrenamt

Dass in dem Mann mit den riesengroßen Händen viele weitere Talente schlummern, wurde zunächst auf begleiteten Umzügen, Schützenfesten und Reitturnieren deutlich. „Ich habe viel Krankenbeförderung gemacht und Erste Hilfe im Rettungswagen, was ja heute eine qualifizierte Berufsausbildung ist“, sagt der 70-Jährige, der ebenso den Sanitätsdienst im TSG-Zeltlager an der Ostsee übernahm. Später kam eine technische Ausbildung dazu: „Wir haben Zelte aufgebaut und beleuchtet, auch den Feld-Fernsprecher mit Kurbel und zwei Drähten bedient“, erinnert sich der Mann, der 1984 obendrauf noch eine Ausbildung zum Feldkoch absolvierte. Noch im selben Jahr stand er mit der großen Gulaschkanone an allen Adventsonnabenden vor der Kirche St. Petri und Pauli: Jeweils 250 Liter Erbsensuppe gingen genüsslich unters Volk – was zu einer langjährigen Tradition wurde,

Besonders viel Freude hatte er immer an seinen Auslandseinsätzen. Das erste Mal führte ihn nach einem großem Erdbeben 1988 nach Armenien: Vier Wochen lang baute das DRK-Team Behelfsheime aus Holz auf, jeweils 42 Quadratmeter groß. „Und die Leute waren uns sehr dankbar. Einmal sprang sogar ein Hammel aus dem Kofferraum, der später dann auf dem Grill landete“, erinnert er schmunzelnd an einen Abend auch mit reichlich Wodka – „bloß war ich dummerweise immer der Lkw-Fahrer“.

Mit Hilfstransporten ins Ausland – nach Russland und auch in die Ukraine

Zweimal ging es nach Jugoslawien mit elf Lastzügen voller Hilfsgüter. Klamotten, Babywindeln und Verpflegung wurden auch in einem Kinderheim in Bulgarien gebraucht. „Einmal brachten wir 25 Tonnen Mehl nach Sarajewo, ein anderes Mal waren es Lebensmittel für Belgrad oder Sanitär- und Baumaterial für den Kosovo. Und zweimal ging es nach St. Petersburg, wo die Versorgungslage der Menschen allgemein immer sehr schwierig ist. Im Februar 1999 nahmen wir Nudeln und Öl mit, gaben täglich 1000 warme Mahlzeiten für mittellose Menschen aus“, erzählt Kröger, der sich an frostige und schneereiche Winter erinnert. „108 Tonnen Ladung, Wert: 150.000 Mark“, steht auf einem Transportschein. „Das war ein Röntgengerät für Russland. „Wir wurden von einem Fernsehteam empfangen, und ich weiß noch, dass die Reporterin einen Minirock trug und einen Pelzmantel drüber.“

Vor 24 Jahren den Katastrophenschutz in Kiew aufgebaut

Nicht zuletzt, sagt der 70-Jährige mit bedrückter Stimme, „haben wir vor 24 Jahren in Kiew den Katastrophenschutz mit aufgebaut. Da ging es um Feldküchen und Fahrzeuge, die bei Hochwasser gebraucht werden. Auch Krankenwagen und Rollstühle haben wir gebracht“.

Unterdessen baute er kürzlich in Harburg Feldbetten für Kriegsflüchtlinge aus der Ukraine auf, fünf Jahre zuvor waren es 6000 Feldbetten für die afghanischen Flüchtlinge in den Hamburger Messehallen. Auch das überschwemmte Ahrtal wurde vom DRK bedacht: „Da brachten wir 2021 einen geländegängigen Lkw und Duschcontainer hin“, erzählt Peter Kröger. Er hat inzwischen genug von der Buckelei: „Schaufeln oder Sandsäcke schleppen können die Jüngeren. Und davon brauchen wir noch viel mehr“, meint der Ehrenamtliche, der 35 aktive Mitstreiter zählt.

Manche waren schon dabei, als der Kreisverband noch seinen Stützpunkt neben dem Billtal-Stadion an der Von-Anckeln-Straße hatte, 1997 ging es an den Wilhelmine-Hundert-Weg in Neuallermöhe. Seit 2007 treffen sich die Kameraden am Allermöher Deich 437, wo es genügend Platz gibt für Motorräder, Küchenwagen, Laster mit Anhänger und Krankenwagen. Zudem gibt es hier an jedem ersten Freitag im Monat eine Verpflegung für gut 40 Menschen, die zum Blutspenden kommen.

Sein Herzenswunsch wäre es, ein Hospiz-Mobil zu gründen

Neben den Anpackenden kann das DRK übrigens auch gern Zahlende gebrauchen, „denn die 100.0000 Euro an Spenden, die wir jährlich bekommen, reichen kaum aus für die tägliche Arbeit, also Heizung, Strom, Kraftstoff und Fortbildungen“, betont Kröger. Dennoch hegt er noch einen Herzenswunsch, der über das Budget hinausgeht: „Ich würde in Bergedorf gern ein Hospiz-Mobil aufbauen und sterbenden Menschen ihren letzten Wunsch erfüllen. Sofern sie zumindest noch liegend transportfähig sind, bringen wir sie an die Ostsee oder zu einem Konzert“, meint Kröger, der mit der Sozialstation kooperieren möchte.

Wenn all die Ideen und Pläne es zulassen, kümmert sich Peter Kröger natürlich auch noch um seine 94-jährige Mutter. Und freut sich über fünf Enkel, von denen er drei nur selten sieht: „Meine Tochter arbeitet als christliche Entwicklungshelferin in Guinea.“ Da ist es zum Sohn näher: Der Archäologe arbeitet im Schifffahrtsmuseum Bremerhaven. Peter Kröger ist also umtriebig, von Langeweile kann absolut keine Rede sein: Im „Notfall“ bastelt er an seinem neuen Hobby, einem Fernsprech-Bauwagen, Baujahr 1965. Und bald hat er dafür hoffentlich mehr Zeit: „Im November stelle ich mich nicht zur Wiederwahl, jetzt müssen mal Jüngere ‘ran“, kündigt der 70-Jährige an.

Mehr Artikel aus dieser Rubrik gibt's hier: Allermöhe