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90.000 Hamburger müssen monatelang auf U-Bahn verzichten

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Sven Möller, Hochbahn-Betriebsleiter im Bereich U-Bahn (v.l.n.r.), U4-Projektleiter Dirk Göhring und Hochbahn-Verkehrsplaner Erik Phillip Dormann stellten am Mittwoch die Planungen für den nächsten Bauabschnitt der 465 Millionen Euro teuren Verlängerung der U4 bis zur Horner Geest vor.

Sven Möller, Hochbahn-Betriebsleiter im Bereich U-Bahn (v.l.n.r.), U4-Projektleiter Dirk Göhring und Hochbahn-Verkehrsplaner Erik Phillip Dormann stellten am Mittwoch die Planungen für den nächsten Bauabschnitt der 465 Millionen Euro teuren Verlängerung der U4 bis zur Horner Geest vor.

Foto: Hamburger Hochbahn

Betroffen sind zwei Abschnitte auf dem Linienast U2/U4. Grund sind Bauarbeiten für die U4-Verlängerung. Details zu den Sperrungen.

Hamburg. Bei der letzten Baustellenführung waren es schon morgens fast 30 Grad. Als die Verantwortlichen der Hamburger Hochbahn am Mittwoch die Planungen für den nächsten Bauabschnitt der 465 Millionen Euro teuren Verlängerung der U4 bis zur Horner Geest vorstellten, war es ungemütlich kalt. Dabei tritt das Bauprojekt jetzt in eine weitere heiße Phase.

Mit bis zu 90.000 Fahrgästen pro Tag ist die Strecke der Linien U 2 und U 4 im Hamburger Osten schon heute eine der am stärksten genutzten U-Bahn-Strecken Hamburgs. Durch die geplante Verlängerung der U 4 sollen künftig noch mehr Menschen an das U-Bahn-Netz angebunden werden.

HVV: U4 – U-Bahn-Strecken werden monatelang gesperrt

Dirk Göhring, Hochbahn-Projektleiter für die U 4, steht mit Helm und dicker Jacke zwischen Sandbergen und nacktem Beton auf einer hölzernen Bautreppe. „Das ist der künftige Eingangsbereich der neuen Haltestelle Horner Rennbahn“, sagt er. „Überdachung, Aufzug und eine weitere Treppe muss man sich dazudenken.“ Ein Stück weiter schaut man in eine mächtige Baugrube. Dort wird gerade in offener Bauweise ein neuer Tunnel gebaut: eine Art Bypass, durch den später alle stadtauswärts fahrenden Züge der U 2 und U 4 fahren werden.

Während sich oben der Verkehr durch die vielen Absperrungen entlang der Rennbahnstraße quält, laufen unten die Arbeiten auf Hochtouren. Der neue Bahnsteigsbereich ist bereits fertig, besteht aber noch aus nacktem Beton. Zur einen Seite fällt der Blick in die Bypass-Baugrube, wo kräftig gearbeitet wird. Zur anderen Seite hin blickt man entlang der künftigen Gleisbetten dorthin, wo später – östlich der Haltestelle Horner Rennbahn – die U 4 „ausgefädelt“ wird.

HVV: U4-Projekt – baulich eine große Herausforderung

Dafür muss ein Kreuzungsbauwerk errichtet werden. Aber die von Mai 2023 an geplante Maßnahme ist nicht die einzige Herausforderung. „In einem recht engen Baufeld müssen wir die Ausfädelung der U 4 vorbereiten, den Bestandstunnel abbrechen und danach die Tunnel für die U 4 und die darüber hinwegführende U 2 wieder aufbauen – und das in einem sehr knappen Zeitfenster“, so Göhring. „Wir liegen aber voll im Zeitplan und sind überzeugt, dass wir das im vorgegebenen Rahmen schaffen werden.“

Im Zuge der Gesamtmaßnahme werden zwei mehrmonatige Streckensperrungen notwendig. Vom 2. Januar bis zum 9. März 2022 – also zehn Wochen lang – wird der Abschnitt zwischen den Haltestellen Hammer Kirche und Horner Rennbahn gesperrt und die Haltestelle Rauhes Haus nicht angefahren. Von Mai 2023 bis März 2024 fahren keine U-Bahnen zwischen den Haltestellen Rauhes Haus und Legienstraße, dann ist die Station Horner Rennbahn gesperrt.

Hochbahn schafft viel Ersatzverkehr

Während der ersten Sperrung verkehren die Züge der U 2 zwischen Niendorf Nord und Hammer Kirche sowie zwischen Mümmelmannsberg und Horner Rennbahn im gewohnten Fünfminutentakt. Als Ersatzverkehr sind zwischen Horner Rennbahn und Hammer Kirche Busse in enger Taktung unterwegs. „Dafür haben wir alle Stellschrauben gedreht“, so Hochbahn-Verkehrsplaner Erik Philip Dormann. Für jede ankommende U-Bahn stünden drei Gelenkbusse bereit, die dank Sonderschaltungen an acht Ampeln so zügig wie möglich durchkommen sollen.

„Außerdem schaffen wir an der U Horner Rennbahn und auch an der U Burgstraße komfortable Umsteigemöglichkeiten.“ Zwar fahre die U-Bahn bis zur Hammer Kirche, doch werde den Fahrgästen wegen der deutlich kürzeren Wege das Umsteigen an der Station Burgstraße empfohlen.

Dennoch könne sich die Fahrzeit auf bis zu 20 Minuten verlängern. Daher lohne es sich zu prüfen, ob man auch mit den Buslinien X32, 23, 213 und 260 über die U-1-Haltestelle Wandsbek Markt oder die S-1-/U-1-Haltestelle Wandsbeker Chaussee die City erreichen könne. en.

HVV: U4-Bauprojekt wirkt sich Verkehr in der City aus

Auch in der Innenstadt werden sich die Baumaßnahmen im Hamburger Osten bemerkbar machen. Da der U 4 ein Kehren im Fünfminutentakt an der Hammer Kirche nicht möglich ist, fährt die Linie montags bis freitags von 6.30 Uhr bis 21 Uhr sowie sonnabends von 10.30 Uhr bis 21 Uhr zwischen den Haltestellen Elbbrücken und Jungfernstieg im 15-Minuten-Takt (statt wie sonst alle zehn Minuten), dafür aber in 120 Meter langen Zügen. Außerhalb dieser Zeiten fährt die U 4 im gewohnten Takt bis zur Hammer Kirche.

U4-Verlängerung: Reisezeit in die City wird sich fast halbieren

Ende 2026 soll die U4-Verlängerung fertig sein, die 13.000 Hamburgerinnen und Hamburger fußläufig an das U-Bahn-Netz anbinden wird. Die Reisezeit mit dem ÖPNV Richtung Innenstadt wird sich dann ab Horner Geest von heute 23 Minuten auf künftig 13 Minuten fast halbieren.

Auf der U4-Strecke von der Horner Rennbahn bis zur Horner Geest würden dann Züge im 5-Minuten-Takt fahren – auf der gemeinsamen Strecke von U2 und U4 zwischen der Horner Rennbahn und der Innenstadt wäre durch eine geplante Automatisierung von U2 und U4 sogar ein 100-Sekunden-Takt möglich.

Ab Dezember verursacht Bau der U5 Einschränkungen

Die Details zum Ersatzverkehr und zu weiteren Angeboten befinden sich noch in der Abstimmung mit dem Bezirk, dem LSBG und weiteren Stellen. Spätestens im März kommenden Jahres werden diese vorliegen.

Bereits Anfang Dezember verursacht auch der Bau der U5 Einschränkungen. Wegen der bauvorbereitenden Arbeiten für Hamburgs neue U-Bahn fahren am kommenden Wochenende (3. und 4. Dezember) in der Zeit von 8 bis 20 Uhr zwischen den U1-Haltestellen Ohlsdorf und Lattenkamp Busse statt Bahnen. Grund hierfür sind weitere Baumfällarbeiten.

Die Fahrzeit kann sich – je nach Verkehrslage – um bis zu 20 Minuten verschieben. Für den ersten Abschnitt der neuen U-Bahn-Linie U5 von Bramfeld bis in die City Nord laufen aktuell die Leitungsverlegungen als vorbereitende Arbeiten für den Bau des Tunnels und der Haltestellen. Der Probebetrieb auf dem ersten Abschnitt ist für Ende 2027 geplant.

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