Finanzen

Verbraucherzentrale gibt elf Tipps, wie Sie sparen können

| Lesedauer: 7 Minuten
Am Beginn sollte ein genauer Kassensturz stehen, so die Verbraucherzentrale. (Symbolbild)

Am Beginn sollte ein genauer Kassensturz stehen, so die Verbraucherzentrale. (Symbolbild)

Foto: picture alliance / pressefoto_korb | Micha Korb

Alles wird teurer. Doch wo soll man anfangen, wenn man sparen muss? Was die Verbraucherzentrale Hamburg rät.

Hamburg.  Gas, Strom, Heizöl, Pellets, Treibstoff, aber auch Lebensmittel sind erheblich teurer geworden. Wo soll man da anfangen, wenn man sparen muss? Am Beginn sollte ein genauer Kassensturz stehen, rät Armin Valet von der Verbraucherzen­trale Hamburg (vzhh): „Wer knapp bei Kasse ist, sollte sich einen Überblick über Einnahmen und Ausgaben verschaffen.“ Und dann sollte man nach Dringlichkeit sortieren – welche Ausgaben sind unvermeidlich, notwendig, welche überflüssig? Vielleicht lassen sich Anschaffungen verschieben.

Folgende Tipps geben er und seine Kollegen:

1. Haushaltsplan führen

Ideal ist ein Haushaltsbuch, in dem man sämtliche laufenden Kosten auflistet. Damit kann man sich einen Überblick verschaffen, wofür man sein Geld ausgibt und wo es Einsparmöglichkeiten gibt.

2. Strom und Energie sparen

Raumtemperatur senken: Die Heizung macht bei den meisten Haushalten den größten Anteil bei den Energiekosten aus. Dabei lässt sich der Verbrauch oft mit einfachen und sogar kostenlosen Mitteln spürbar senken. Am wirkungsvollsten ist es, die Heizung herunterzudrehen. Jedes Grad weniger spart laut vzhh sechs Prozent Heizenergie. Eine Senkung der Temperatur von 24 Grad auf 20 Grad ergibt also rund ein Viertel weniger Heizkosten. Eine gemütliche Wärme lässt sich bereits mit Stufe 3 des Thermostats erreichen. Achtung: Es sollte nicht kälter als 16 Grad werden, denn je kälter die Luft, desto weniger Feuchtigkeit kann sie aufnehmen, und es kann sich Schimmel bilden.

Thermostat einstellen: Entgegen der landläufigen Meinung wird es nicht schneller warm, wenn der Heizkörper voll aufgedreht wird. Man sollte das Thermostatventil am besten auf die gewünschte Stufe einstellen. Dann wird der Raum nicht überheizt. Stufe 3 entspricht etwa 20 Grad Celsius; eine Stufe höher oder niedriger macht jeweils ungefähr vier Grad aus. Programmierbare oder fernsteuerbare Thermostate helfen bei der Steuerung.

Heizkörper freiräumen: Wenn die warme Luft an den Heizkörpern nicht zirkulieren kann, heizen sie nicht effizient. Vorhänge vor dem Heizkörper, Abdeckungen oder zu nahe aufgestellte Möbel sollte man deshalb entfernen oder verschieben. Die Raumluft sollte die Heizkörper gut umströmen können. Möbel sollten mindestens einen Abstand von 30 Zentimetern haben.

Heizung entlüften: Gluckert ein Heizkörper, könnte sich Luft im Heizsystem befinden – Heizkörper entlüften!

Zeitschaltuhren nutzen: Wenn tagsüber alle außer Haus sind oder nachts alle schlafen, muss die Heizung nicht mit voller Kraft aktiv sein. Am komfortabelsten geht das Absenken mit dem Zeitschalter der Heizungsanlage oder mit programmierbaren Thermostatventilen.

Richtig lüften: Mehrfaches kurzes Stoßlüften ist die energiesparendste Methode für einen guten Luftaustausch. Wer Fenster zu lange öffnet oder ständig gekippt hält, verschwendet Energie. Lüften ist wichtig, um Schimmel in den Räumen zu verhindern. Mit einem Hygrometer lässt sich die Feuchtigkeit in Räumen messen.

Elektrogeräte sollten nicht dauerhaft eingeschaltet sein: Ein auf Standby geschalteter Fernseher zum Beispiel verbraucht bis zu 15 Watt Strom pro Stunde. Fernseher, Computer, Konsole etc. deshalb lieber ausschalten, wenn man sie nicht nutzt.

3. Einkäufe planen

Bei Milchprodukten ist die Kostensteigerung in den vergangenen Monaten besonders stark ausgefallen. Auch Käse, frisches Geflügel und Rindfleisch, aber auch Gemüse sind sehr viel teurer. Man sollte daher Sonderangebote im Blick behalten. Viele Produkte werden regelmäßig günstiger angeboten. Discounter und Supermärkte listen diese Angebote in entsprechenden Prospekten auf. Wer einen Essensplan für die Woche schreibt, kann gezielter einkaufen und wirft weniger weg. Ratsam ist es, die Grundpreise der Lebensmittel pro Kilo oder Liter zu vergleichen, diese sind jeweils auf den Preisetiketten am Regal aufgeführt. Und es lohnt sich, in den unteren Regalen nachzugucken – dort liegen oft die günstigeren Produkte.

Wer Obst und Gemüse saisonal einkauft, bekommt diese Lebensmittel meist günstiger. Oft lohnt es sich auch, direkt bei Erzeuger einzukaufen, also beispielsweise in Hofläden.

Nur noch kurz haltbare Lebensmittel werden oft billiger angeboten. Auch wenn das Mindesthaltbarkeitsdatum bald abläuft, kann man die Produkte üblicherweise noch sehr viel länger essen. Diese Lebensmittel sind oft mit speziellen Etiketten gekennzeichnet oder liegen in extra Körben bereit.

Mit unterschiedlichen Apps wie Too Good To Go findet man Restaurants, Supermärkte oder Bäckereien, die bestimmte Lebensmittel billiger anbieten – beispielsweise kurz vor Ladenschließung.

Lieber keine Fertigprodukte kaufen, etwa den abgepackten Salat, das geschnittene und geschälte Obst oder das belegte Brötchen – die Zubereitung muss man mitbezahlen. Lieber selbst kochen – ist auch gesünder.

4. Snacks unterwegs vermeiden

Wer nicht ständig Kaffee oder belegte Brötchen unterwegs kauft, kann viel Geld sparen. Die To-Go-Kultur kostet viel Geld.

5. Wasser aus der Leitung trinken

Wasser aus dem Wasserhahn kann man in Hamburg und auch sonst überall in Deutschland bedenkenlos trinken. Das spart viel Geld und schont die Umwelt. Wer unbedingt Kohlensäure möchte, kann mit einem Wasserbereiter das Wasser sprudeln.

6. Versicherungen prüfen
Jeder Deutsche gibt laut Verbraucherzen­trale im Schnitt 2700 Euro pro Jahr für Versicherungen aus. Um festzustellen, ob eine Police wichtig ist oder nicht, sollte man stets überlegen, ob man im Schadensfall den finanziellen Verlust aus eigener Tasche tragen kann oder ob einen das in finanzielle Schwierigkeiten bringt. Daraus ergebe sich einen Rangfolge von unverzichtbaren hin zu verzichtbaren Verträgen, sagt Valet.

Die Verbraucherzentrale rät zu privater Haftpflichtversicherung, Berufsunfähigkeitsversicherung, eventuell Risikolebensversicherung (wenn man finanziell abhängige Angehörige hat). Hausratsversicherung, Gebäudeversicherung und Auslandskrankenversicherung. Sparpotenzial gebe es oft auch durch die Vereinbarung eines Selbstbehalts oder die Umstellung auf eine jährliche Zahlungsweise.

7. Verträge und Abos überprüfen

Produktabos, Streamingdienste oder aber ein teurer Vertrag im Fitnessstudio? Nutzt man das Angebot ausreichend? Sonst eventuell kündigen.

8. Konto

Banken verlangen meist nicht nur Kontoführungsgebühren, sondern oft auch Geld für die Übersendung von Kontoauszügen, für Überweisungen und Lastschriften. Ein Vergleich lohnt sich. Auch die Höhe der Dispozinsen ist je nach Bank unterschiedlich. Wer einen Wechsel überlegt, sollte aber darauf achten, was ihm wichtig ist (großes Geldautomatennetz, persönliche Betreuung, viele Filialen etc.)

9. Preise vergleichen

Bei größeren Anschaffungen lohnt sich immer ein Preisvergleich. Vergleichsportale gäben aber keinen umfassenden Marktüberblick, warnt Valet. Sie listen oft nur ausgewählte Unternehmen.

10. Auslaufmodelle und Secondhandprodukte kaufen

Viele Elektrogeräte und Unterhaltungselektronik veralten schnell. Geräte der älteren Generation werden dann oft deutlich preisreduziert verkauft. Eine Möglichkeit, günstiger einzukaufen, sind auch Produkte aus zweiter Hand. Das sei auch unter dem Umweltaspekt überlegenswert, sagt Armin Valet.

11. Leihen statt kaufen

Viele Geräte, aber sogar Kleidung, kann man inzwischen leihen statt sie zu kaufen. Das spart die Anschaffung, und die Produkte werden besser ausgelastet. Aber es gibt dabei große Preisunterschiede.

Weitere Informationen gibt es auf vzhh.de

Mehr Artikel aus dieser Rubrik gibt's hier: Hamburg