Gastronomie Hamburg

Chefs mit Anfang 20 – diese Hamburger starten durch

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Es schmeckt auch den Chefs: Die beiden JayJay's-Gründer Vincent Bleckwedel (l.) und Julius Jarchow in ihrem Laden im Herzen von Blankenese.

Es schmeckt auch den Chefs: Die beiden JayJay's-Gründer Vincent Bleckwedel (l.) und Julius Jarchow in ihrem Laden im Herzen von Blankenese.

Foto: Roland Magunia/Hamburger Abendblatt

Bowls und viel mehr: Die Blankeneser Julius Jarchow und Vincent Bleckwedel wagen schon früh den Weg in die Selbstständigkeit.

Hamburg. In dem Ladengeschäft an der Blankeneser Propst-Paulsen-Straße herrscht dichtes Gedränge, die Besucherschlange zieht sich bis auf den Gehweg hinaus. Drinnen tummeln sich Schülerinnen und Schüler – hungrig und etwas aufgeregt, aber insgesamt ziemlich diszipliniert. Auf der anderen Seite des Tresens wirbeln zwei junge Männer herum, die wie frisch gebackene, sportliche Abiturienten aussehen.

Sie nehmen Bestellungen auf, füllen kleine Schalen, verteilen Dressing, kassieren. Vor allem aber: Sie halten Schnacks mit den Gästen, informieren ausführlich über Zutaten, nehmen Sonderwünsche entgegen, beraten geduldig. Gespräche zwischen Anbietern und Kunden auf Augenhöhe eben – und das liegt nicht nur an der geringen Altersdifferenz.

Gastronomie Hamburg: Eigener Laden mit Anfang 20

Das Besondere: Julius Jarchow und Vincent Bleckwedel, die ein bisschen wie enthusiastische Schülerpraktikanten wirken, sind hier die Chefs. Jarchow ist seit Januar 20 Jahre alt, Bleckwedel knapp ein Jahr älter. Mit dem JayJay’s Bowls, Juices & more haben sie ihren ersten eigenen Laden eröffnet, und die Chancen stehen gut, dass sich aus dem schon ziemlich erfolgreichen Start-up eine Kette im Hamburger Westen entwickeln könnte. Eine zweite Filiale wird im April an der Waitzstraße in Groß Flottbek eröffnet, Ideen für weitere Standorte, so ist zu hören, seien „in der Pipeline“. Mittlerweile gehören auch Lieferservice und Catering zum Konzept. Ein steiler Weg und viel Arbeit für das Team.

Zwei junge Männer auf der Erfolgsspur – das kam so: Als Jarchow und Bleckwedel, Blankeneser und Schulfreunde seit ewigen Zeiten, noch aufs örtliche Marion-Dönhoff-Gymnasium gingen, waren sie manchmal ganz schön genervt. Das Angebot für mittägliches Essen, möglichst schnell auf der Hand und nicht zu teuer, ist in der Gegend seit Jahren nicht schlecht, aber ziemlich überschaubar. Und wie das manchmal so läuft: Aus einem Mangel entstand eine gute Idee – und aus der Idee ein Projekt.

„Julius war der Motor“

Nach dem Abi machten sich die beiden in verschiedenen Bereichen der Gastroszene ein knappes Jahr lang schlau, Jarchow gewann zudem einige Einblicke ins Unternehmerdasein im Buchverlag seines Vaters Klaas. „Schon seit ich 14 Jahre alt bin, wollte ich beruflich immer selbstständig werden“ erzählt Julius Jarchow, „das war einfach so in mir drin.“ Und mit seiner Antwort bei Facebook auf die Frage, wie es nach dem Abi weitergehen solle, brachte er es so auf den Punkt: „Einfach mal machen“.

„Julius war der Motor“, bestätigt Vincent Bleckwedel, „er hatte schon immer so eine enthusiastische, mitreißende Art.“ Aktuell kümmert sich Vincent, der nach dem Abi bei der Arbeit in einem italienischen Restaurant Erfahrungen mit dem Thema Betriebsführung gesammelt hat, primär um das Organisatorische, während Julius das Kaufmännisch-Strategische im Blick hat. Geradezu perfektionistisch ist ihre Beziehung zu den angebotenen Produkten: den Bowls. Traditionell werden in Poké Bowls roher Fisch, Oktopus oder Garnelen mit Reis verarbeitet. Diese klassische Variante gib‘s bei JayJay’s zwar auch – aber dazu eben eine ganze Menge mehr.

„Essenentscheidung wirkt sich auf die Gesundheit aus"

Auf der Homepage ist viel von biologisch, authentisch und nachhaltig die Rede, Markenzeichen für gutes, vitalisierendes Essen, ohne die gerade junge Gastro-Unternehmen heute kaum noch auskommen. Das mögen Kritiker als Masche abtun, aber die Blankeneser Jung-Chefs, die selbst topfit sind, sprechen von einer Philosophie. „Jede Essenentscheidung wirkt sich auf die Gesundheit und auf die Umwelt aus“, sagen sie dazu, und: „Wir möchten positiven Einfluss auf Mensch und Umwelt nehmen.“ So gebe es keine Konservierungsstoffe und Geschmacksverstärker, die „Geschichte hinter jeder Bowl“ sei bekannt und werde mit der Kundschaft geteilt.

Auf diese Weise entstehe Vertrauen, berichtet Jarchow – die wohl wichtigste Voraussetzung auf einem umkämpften Markt. Dass junge Leute vom Konzept angezogen werden, ist wenig erstaunlich. Doch laut Vincent Bleckwedel lassen sich auch immer mehr Ältere überzeugen. „Auch da beschäftigen sich mittlerweile viele mit gesunder Ernährung“, erzählt er, „und viele sind letztlich nicht nur aufgeschlossen für die Bowls, sondern geradezu fasziniert davon.“ Quinoa, Zen-Marinade, Daikon-Rettich und Wasabi-Mayo kennen nun mal viele noch nicht, aber die Neugier ist dann meistens doch da. Amüsiert berichten beide von einem munteren Seniorenpaar, das sich mit dem Konzept eine Weile vertraut machte und dann schnell entschied: „Jo, schnippelt man alles rein, Jungs.“

Gastronomie Hamburg: Unternehmer sind ein starkes Team

Die beiden Jungunternehmer spielten jahrelang in den Jugendmannschaften des FC St. Pauli Fußball und verstehen sich schon lange als Teamplayer. „Ich war immer Sechser im Mittelfeld“, erzählt Julius Jarchow, und dann augenzwinkernd: „Da muss man ja auch eine Menge organisieren.“ Diese Teamerfahrung kommt dem jungen Unternehmen jetzt zugute. „Alleine wären wir gar nichts“, sagen Jarchow und Bleckwedel, „alles, was jetzt angelaufen ist, lässt sich nur im Team stemmen.“

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