Nach Corona-Pause

Kult-Kneipe auf St. Pauli öffnet wieder – mit neuem Konzept

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Queere Kult-Kneipe mit neuem Anstrich: Nach eineinhalb Jahren Pause öffnet auf St. Pauli eine beliebte Bar wieder ihre Türen.

Queere Kult-Kneipe mit neuem Anstrich: Nach eineinhalb Jahren Pause öffnet auf St. Pauli eine beliebte Bar wieder ihre Türen.

Foto: Toom Peerstall Schankwirtschaft

Die queere Bar musste mit Beginn des ersten Corona-Lockdowns 2020 schließen, nun gibt es drei neue Eigentümer.

Hamburg. Es ist eine eher ungewöhnliche Nachricht in Zeiten, in denen sich die neue Omikron-Variante rasant ausbreitet und weitere Kontaktbeschränkungen in Hamburg drohen: Nach knapp eineinhalb Jahren Pause öffnet die Kult-Kneipe "Toom Peerstall" auf St. Pauli ihre Türen wieder – mit ganz neuem Konzept und neuen Gesellschaftern.

Der Traditionsladen an der Clemens-Schultz-Straße 43 hat sich vor allem in der queeren Szene Hamburgs einen Namen gemacht. Bereits seit 1919 wurde er von Tätowierer Christian Warlich teilweise als Kneipe betrieben. Seit 1979 konnten sich queere Nachtschwärmer in der Bar mit den abgeklebten Fensterscheiben weitestgehend im Verborgenen treffen, trinken und feiern. Das Publikum wandelte sich, der Laden behielt die wenig einladende Fassade.

Mit dem Start des ersten Corona-Lockdowns im Frühjahr 2020 schloss die Kneipe zum Entsetzen der treuen Kundschaft in Hamburg. Auf Facebook hat sich der Peerstall fünf von fünf Sterne verdient. Bei insgesamt nur 17 Bewertungen ist das zwar nicht sehr aussagekräftig, weist aber dennoch auf zufriedene Gäste hin.

Queere Kult-Kneipe "Toom Peerstall" öffnet nach Umbau

Dementsprechend groß dürften die Erwartungen an die neuen Gesellschafter Mathias Letzel (35), Holger Nedderhut (50) und Marcel Guevara Kluxen (27) sein. "Wie viele andere waren wir drei Freunde, Holger, Marcel und Mathias, sehr traurig über die Gerüchte, dass der Peerstall dauerhaft seine Türen schließen würde", schreiben sie auf der Instagramseite des "neuen" Toom Peerstall. Sie hätten sich nicht mit dem Gedanken abfinden können, dass die Kneipe für "queere, tolerante und offene Menschen, welche nicht immer der gängigen Norm entsprechen, von der Bildfläche verschwindet", heißt es weiter. Mit einem "soliden und zukunftsfähigen" Konzept hätten sie den Hauseigentümer schließlich überzeugen können.

Auch in Zukunft wollen sie der LGBTQI-Gemeinschaft (Abkürzung für Lesbian, Gay, Bisexual, Transgender, Queer und Intersex, also die englischen Ausdrücke für Lesben, Schwule, Bisexuelle, Transgender, queere und intersexuelle Menschen) einen sicheren Wohlfühlort bieten. Zugleich sei es ihr Ziel, ein breiteres Publikum anzusprechen, sagen sie im Gespräch mit dem Abendblatt. "Wir freuen uns auch über die Nachbarschaft, Freunde von queeren Personen und einfach allen toleranten Menschen, die Lust haben, bei uns reinzuschauen", so Letzel.

Kiezkneipe "Toom Peerstall" feiert Wiedereröffnung im Januar

Stammkunden werden ihren Laden kaum wiedererkennen. Seit November bauen die drei Freunde die Kneipe um. "Bis auf die Wasserleitung haben wir alles selbst gemacht", sagt Mathias Letzel. "Wir wollen alles viel offener gestalten. Die Leute sollen rein- und rausschauen können."

Auch das Getränkeangebot wird erweitert: In Zukunft können sich Gäste auf frisch gezapftes Bier freuen. "Bei unserer Schankwirtschaft geht es darum, gemütlich mit Freunden zusammen zu sitzen und Leute zu treffen", so Marcel Guevara Kluxen über ihr Konzept. "Wir wollen die alte gute Kneipe in die Zukunft holen", ergänzt Letzel.

Noch in dieser Woche will der Senat in Hamburg die Corona-Regeln verschärfen, die neuen Eigentümer lassen sich davon aber nicht entmutigen. Am 15. Januar wollen sie das "Toom Peerstall" wiedereröffnen – vorausgesetzt die Corona-Lage in Hamburg hat sich wieder etwas entspannt. "Noch halten wir an dem Datum fest. Im Zweifel müssen wir das natürlich verschieben, da reagieren wir spontan", so Mathias Letzel.

( cjl )

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