Corona Hamburg

Halb so viele Impfungen wie versprochen – woran es hapert

| Lesedauer: 3 Minuten
Trotz ungewöhnlicher Impfaktionen, wie etwa dem "Kiez-Piks" in der Bar "Wunderbar" auf der Reeperbahn, ist die Zahl der Impfungen in Hamburg immer noch zu niedrig.

Trotz ungewöhnlicher Impfaktionen, wie etwa dem "Kiez-Piks" in der Bar "Wunderbar" auf der Reeperbahn, ist die Zahl der Impfungen in Hamburg immer noch zu niedrig.

Foto: picture alliance/dpa

Sozialsenatorin nennt als Grund Lieferprobleme. Apotheker und Zahnärzte müssen warten. Kritik am Senat – aber es gibt Hoffnung.

Hamburg. Lediglich 78.000 statt der ursprünglich angepeilten 160.000 Impfungen pro Woche – die Hamburger Immunisierungs-Kampagne in der vierten Welle der Corona-Pandemie scheint derzeit zu lahmen. Sozialsenatorin Melanie Leonhard (SPD) sagte gestern angesichts des Andrangs auf die Arztpraxen, Krankenhäuser und städtischen Angebote bei gleichzeitiger Terminnot: „Rechnen Sie zwei Wochen Zeit ein.“

Um die „Impflücken“ zu schließen, brauche man vor den Auffrischungsimpfungen vor allem Erst- und Zweitimpfungen. Leonhard sagte, man müsse jede Woche genau einteilen, was an Impfstoffen da sei. Von Biontech sei in der vergangenen Woche weniger als die Hälfte der bestellten Menge geliefert worden. Und „auch bei Moderna ist jetzt avisiert worden, dass es zu Kontingentierungen kommt“.

Impfen in Hamburg: Keine zentrale Termin-Buchung im Internet

Der Vorstandschef der Kassenärztlichen Vereinigung (KV), Walter Plassmann, sagte dem Abendblatt: „Wenn wie aktuell das Bundesgesundheitsministerium die Impfstoff-Lieferungen kürzt, kommt Sand ins Getriebe: Zum einen haben die Ärzte nicht genug Impfstoff, zum anderen können sie nur ,auf Sicht‘ planen, sprich auf eine Woche im Voraus. Große Impfaktionen sind da nur sehr schwer realisierbar.“

Weil es derzeit technisch nicht möglich sei, habe die KV kein zentrales Buchungsportal im Internet. Dennoch gebe es auf www.kvhh.net in allen Stadtteilen mehrere Praxen, die Impftermine für alle anbieten. Die Vorsitzende des Hausärzteverbandes, Jana Husemann, appellierte eindringlich, lange Diskussionen über die Impfstoffe zu vermeiden. Moderna und Biontech seien gleichwertig, sechs Monate Frist bis zum „Boostern“ seien medizinisch absolut sinnvoll. Und: Es gibt ab sofort in einige Praxen „Adventsimpfen“ am Sonnabend.

Birte Jungfer vom Cardiologicum in Wandsbek sagte, man stocke derzeit Personal auf, um weitere Termine anbieten zu können. Ein regelmäßiger Blick auf die Homepage könne lohnen. Wichtig seien jetzt vor allem Erstimpfungen. Dafür habe man eine eigene Mailadresse eingerichtet: c19erstimpfung@cardiologicum.net.

Apotheker und Zahnärzte wollen ebenfalls impfen

Hamburgs Apotheker und die Zahnärzte stehen ebenfalls bereit. Allerdings müsse erst das Gesetz geändert und die Praxen an das Meldesystem angeschlossen werden, sagte Konstantin von Laffert, Präsident der Zahnärztekammer. Apothekerkammer-Präsident Kai-Peter Siemsen sagte: „Wenn die Politik und die Gesellschaft das wollen, sind Hamburgs Apotheker bereit. Die niedergelassenen Ärzte allein schaffen das nicht. Wir hätten schon im Sommer boostern sollen.“

Kritik am Impf-Tempo kommt auch von der CDU: Fraktionschef Dennis Thering: „Die Vorbereitungen des Senats waren alles andere als gut. Sie wiederholen die Fehler der Vergangenheit und tun so, als ob die Ärzteschaft das schon alles regeln wird.“ Auch Anna von Treuenfels-Frowein, FDP, kritisiert die Impfkampagne des Senats: „Das ist ganz einfach zu wenig.“

Corona: Kritik an verspäteter Booster-Impfungen

Die Top-Infektiologin Prof. Marylyn Addo (UKE) verbreitet dennoch Optimismus. Angesichts der Lage in Sachsen oder Bayern laufe es im Norden noch gut. „Was ich mit Freude sehe, ist, dass das Impfinteresse sehr hoch ist. Das hilft, uns auch für Omikron gut aufzustellen.“ Addo rief zu einer Corona-Impfung bei Kindern auf und hält Wirksamkeit sowie Verträglichkeit für sehr hoch, „besser sogar als bei den Erwachsenen“.

Die Hamburger Impfquote (vollständig immunisiert) liegt laut Robert-Koch-Institut mit 74,5 Prozent auf Platz drei aller Bundesländer hinter Bremen und dem Saarland. Bei den Auffrischungsimpfungen (11,0 Prozent) sind nur Brandenburg, Hessen und Sachsen schlechter. Bundesweit sollen bis Januar 30 Millionen Dosen verimpft werden

Mehr Artikel aus dieser Rubrik gibt's hier: Hamburg