Corona News

Exklusiv: Wer sich derzeit in Hamburg am häufigsten ansteckt

| Lesedauer: 6 Minuten
Senatorin Melanie Leonhard mahnt zur Vorsicht angesichts rapide steigender Infektionszahlen.

Senatorin Melanie Leonhard mahnt zur Vorsicht angesichts rapide steigender Infektionszahlen.

Foto: Thorsten Ahlf / HA

Die Infektionszahlen steigen besonders in einer Altersgruppe. Senatorin Leonhard: Entwicklung "sehr sensibel" beobachten.

Hamburg. Die Zahl der Corona-Neuinfektionen ist seit den Herbstferien in Hamburg stark gestiegen – und betroffen sind vor allem Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene. Das belegt eine Auswertung der Daten, die dem Abendblatt exklusiv vorliegt.

So lag die Sieben-Tage-Inzidenz in der vergangenen Woche bei den Sechs- bis 14-Jährigen bei 245 – das war der Spitzenwert. Am zweithöchsten war die Inzidenz mit 163 bei den 15- bis 19-Jährigen, gefolgt von den 20- bis 29-jährigen jungen Erwachsenen mit 133.

Zum Vergleich: Unter den 70- bis 79-Jährigen lag die Inzidenz bei 51, bei den 60- bis 69-Jährigen bei 58, bei den 50- bis 59-Jährigen bei 78, bei den 40- bis 49-Jährigen bei 99 und bei den 30- bis 39-Jährigen bei 112. Die Corona-Belastung steigt also bei sinkendem Alter. Ausnahme: Bei Kindern im Alter von bis zu fünf Jahren liegt die Inzidenz bei nur 80.

Corona News: Noch kein "unmittelbarer Handlungsbedarf"

„Gegenwärtig spielt sich das Infektionsgeschehen im Wesentlichen bei den Jüngeren und bei den Ungeimpften ab“, sagt Sozial- und Gesundheitssenatorin Melanie Leonhard (SPD). „Das untere Ende der Alterskohorten ist sehr viel stärker betroffen als das obere Ende.“ Die jungen Erwachsenen seien diejenigen, die die wieder neu zugänglichen Möglichkeiten viel nutzten, die viel reisten und sehr mobil seien.

„Solange die Vielzahl der Corona-Infektionen vor allem die Jüngeren betrifft, gibt es keinen sofortigen Handlungsbedarf“, so Leonhard. Denn diese Menschen hätten meist leichtere Verläufe, sodass das Gesundheitssystem nicht stärker belastet werde. „Aber wir müssen sehr sensibel in den kommenden zwei, drei Wochen schauen, wie sich die Auslastung der Krankenhäuser verändert, weil wir im Laufe der Pandemie gelernt haben, dass diese Belastung mit Verzögerung eintritt.“

Leonhard: "Die Impfquote ändert die Verhältnisse stark"

Trotzdem unterscheidet sich die Lage von der vor einem Jahr, als Anfang November ein Lockdown light verhängt wurde: „Die Impfquote – wenn sie auch noch nicht hoch genug ist – ändert die Verhältnisse stark. Wir erleben derzeit Zahlen von Neuinfektionen, die bei gleicher Höhe im vergangenen Jahr eine ganz andere Auswirkung auf das Gesundheitssystem hatten; da gab es viel mehr schwere Verläufe von Corona-Erkrankungen und leider auch viel mehr Todesfälle“, so Leonhard. „Insofern ist die Lage eine andere als im vergangenen Jahr, wir merken den Impfschutz schon.“ 73,6 Prozent der Hamburger sind laut Robert-Koch-Institut mindestens einmal geimpft; 71,1 Prozent haben einen vollständigen Impfschutz.

„Der Bundesvergleich zeigt allerdings, dass es noch Länder gibt, in denen es weniger Impffortschritte gibt. Wir müssen beobachten, wie dies die Gesamtentwicklung beeinflusst. Ich betrachte die roten Flecken auf der Landkarte mit Sorge“, sagte Leonhard dem Abendblatt. In der gegenwärtigen Lage seien die Schutz- und Hygienemaßnahmen in Hamburg ausreichend.

In Schulen werden Infektionen schneller erkannt

Die hohe Sieben-Tage-Inzidenz bei Kindern und Jugendlichen dürfte auch damit zusammenhängen, dass sie in der Schule regelmäßig getestet werden. Nach Angaben der Schulbehörde sind den Schulen von Freitag bis Sonntag 58 Infektionen mit dem Coronavirus gemeldet worden, davon 53 bei Schülerinnen und Schülern (0,02 Prozent der Schülerschaft) sowie fünf bei Schulbediensteten (0,01 Prozent). Betroffen waren 42 Schulen. Laut Behörde handelt es sich in der Regel um Einzelinfektionen. Zudem gebe es keine Hinweise darauf, dass die Infektionen an den Schulen passiert wären.

In den vergangenen zehn Tagen sind 255 Infektionen gemeldet worden. In 244 Fällen waren die Infizierten Schülerinnen und Schüler (0,09 Prozent), in elf Fällen Schulbeschäftigte (0,04 Prozent). Betroffen waren 142 Schulen. Insgesamt sind derzeit 404 Menschen in Quarantäne versetzt, davon 393 Schülerinnen und Schüler (0,1 Prozent) sowie elf Schulbeschäftigte.

Die Corona-Lage in Hamburg – Inzidenz weiter dreistellig

Die Zahl der Corona-Neuinfektionen ist zu Wochenbeginn indes wieder leicht gesunken. Die Gesundheitsbe­hörde gab die Sieben-Tage-Inzidenz am Montag mit 105,3 an. Am Sonntag war die Zahl der gemeldeten Fälle pro 100.000 Einwohner binnen sieben Tagen mit 106,6 erstmals seit Mai wieder über die 100er-Marke gestiegen. Am Montag vor einer Woche hatte der Wert noch 66,7 betragen. Am Montag kamen 151 Neuinfektionen hinzu. Die Zahl der Menschen, die seit Beginn der Pandemie im Zusammenhang mit dem Virus gestorben sind, stieg laut RKI um sechs auf 1793.

Auf den Intensivstationen der Hamburger Kliniken wurden am Montagvormittag laut dem Register der Deutschen Interdisziplinären Vereinigung für Intensiv- und Notfallmedizin (Divi) 43 Covid-Patienten behandelt, 23 von ihnen mussten invasiv beatmet werden. Insgesamt lagen Stand Freitag 116 Corona-Patienten im Krankenhaus.

UKE-Wohnheim: Ergebnis des Massentests liegt vor

Mittlerweile liegt auch das Ergebnis einer Massentestung nach einem Corona-Ausbruch in einem Auszubildenden-Wohnheim des Universitätsklinikums Eppendorf (UKE) am Grandweg vor. Dort waren zunächst 13 Bewohner der Unterkunft positiv auf das Virus getestet worden, obwohl zehn von ihnen vollständig geimpft waren.

Am Donnerstag fand daher eine Massentestung statt, zu der 200 Personen eingeladen waren. Das Ergebnis: „Es hat keine weiteren Infektionen gegeben“, teilte eine Sprecherin des Bezirksamts dem Abendblatt mit. 140 Bewohnerinnen und Bewohner seien der Einladung nachgekommen und hätten sich testen lassen.

Mehr Artikel aus dieser Rubrik gibt's hier: Hamburg