Earth Night

Warum in Hamburg heute das Licht ausgeknipst wird

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Der Komet "Neowise" leuchtet im Juli über dem Hamburger Nachthimmel. Deutlicher zu sehen aber ist der Lichtschein über der Stadt.

Der Komet "Neowise" leuchtet im Juli über dem Hamburger Nachthimmel. Deutlicher zu sehen aber ist der Lichtschein über der Stadt.

Foto: Privat

Zur "Earth Night" wird es in der Stadt auch an bekannten Orten dunkler als sonst. Das hat nicht nur für die Umwelt Vorteile.

Hamburg. Das Licht, Symbol der Erkenntnis, soll morgen praktisch ausgehen. Das soll aber niemanden dümmer machen, sondern einen Lerneffekt in Sachen Lichtverschmutzung erzeugen: Zur "Earth Night" soll die Nacht der Umwelt zuliebe deutschlandweit dunkel werden, um unter anderem den Sternenhimmel wieder sichtbarer werden zu lassen.

Ab 22 Uhr will die Umweltschutzorganisation "Paten der Nacht" die Menschen dazu anhalten, das Licht nur noch sparsam einzusetzen oder, wenn möglich, ganz aus zu lassen.

Earth Night: Wo Hamburg dunkel bleibt

"Wir Großstädter sind an Dauerbeleuchtungen und einen kaum sichtbaren Sternenhimmel gewöhnt", sagt Umweltsenator Jens Kerstan (Grüne), "aber dieses massiv eingesetzte Kunstlicht verbraucht nicht nur viel Energie, es bringt auch Ökosysteme durcheinander." Deshalb beteiligt sich die Stadt Hamburg an der Aktion der ehrenamtlichen Umweltschützer von "Paten der Nacht", die die Aktion zum September-Neumond 2019 ins Leben gerufen haben.

In Hamburg wird zur "Earth Night" heute ab 22 Uhr das Licht am Rathausmarkt ausgeschaltet. Auch die Alsterfontäne, der Wasserturm in Rothenburgsort, die St. Petrikirche, die Lombardsbrücke, der Fischmarkt und der Harburger Rathausplatz bleiben unbeleuchtet.

Ein Taktgeber des Lebens wird unterlaufen

Kerstan: "Jeder Einzelne kann seinen Beitrag leisten. Dazu genügt es schon, zu Hause die Vorhänge zuzuziehen und das Licht nur in den Räumen brennen zu lassen, in denen man sich aufhält. Ich freue mich, wenn viele Hamburgerinnen und Hamburger mitmachen."

Die Lichtverschmutzung lässt nicht nur die Sterne verblassen. Sie stört die Aktivitäten nachtaktiver Lebewesen, die von der Helligkeit abgelenkt und irritiert werden. Für viele Insekten ist Kunstlicht eine tödliche Falle. 60 Prozent der Lebewesen sind nachtaktiv. Beim Menschen fördert die Lichtverschmutzung Schlafstörungen.

LED spart Kosten, aber kein Licht

Auch Pflanzen werden in ihrem Vegetationsrhythmus gestört, weil die Lichtmenge für sie Jahreszeiten anzeigt. Das Licht funktioniert als Zeitindikator und steuert also biologische Prozesse. Die Verwässerung dieses Taktgebers gefährde ganze Ökosysteme, erklärt "Paten der Nacht". Und sie gefährde auch Brieftaschen: Allein in Europa würden jährlich 20 Milliarden Euro für nutzlos verschwendetes Kunstlicht ausgegeben.

Die LED-Technik werde diese Kosten zwar senken, aber aufgrund ihres günstigen Energieverbrauchs zu noch mehr nächtlichem Licht führen, wenn der Mensch nicht massiv gegengesteuere. Wozu eben jeder Einzelne leicht betragen könne.

( axö )

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