Wiederbelebung

Stimmen Sie ab: Wer wird Asklepios-Lebensretter 2021?

| Lesedauer: 13 Minuten
Monique Hoenig und ihr Sohn Jan retteten Markus Keller das Leben.

Monique Hoenig und ihr Sohn Jan retteten Markus Keller das Leben.

Foto: Astrid Matucha-Bröder

Diese Kandidaten sind nominiert. Als Abendblatt-Leser können Sie per Telefon mitentscheiden, wer zu den drei Gewinnern gehören soll.

Hamburg. Man sieht es an den Vorfällen, die auf dieser Seite geschildert werden. Dass vor einem jemand mit einem Herzstillstand zusammenbricht, kann überall passieren: im Bus, am Arbeitsplatz, zu Hause. Und auch das zeigen die Berichte: Durch beherztes Eingreifen und das Durchführen einer Herzdruckmassage können auch medizinische Laien zum Lebensretter werden. Doch nicht jeder traut sich das zu.

Asklepios-Lebensretterpreis wird zum 7.Mal vergeben

Mit 65.000 Toten pro Jahr gehört der plötzliche Herz-Kreislauf-Stillstand in Deutschland nach wie vor zu den häufigsten Todesursachen. Nach Angaben des Deutschen Reanimationsregisters werden aber nur rund fünf bis zehn Prozent der Herztoten außerhalb einer Klinik durch eine Herzdruckmassage wiederbelebt. Dabei sind die ersten Minuten entscheidend. Denn der Rettungsdienst trifft meist erst dann ein, wenn im Durchschnitt acht Minuten vergangen sind und das Gehirn der Zusammengebrochenen bereits beginnt abzusterben. Die Chance, jemanden danach ins Leben zurückzuholen, liegt noch bei 75 Prozent, nach zehn Minuten nur noch bei zehn Prozent.

Um das Eingreifen von Ersthelfern zu würdigen und mehr Menschen zu ermutigen, im Notfall schnelle Hilfe zu leisten, hat der Asklepios-Konzern in Kooperation mit dem Hamburger Abendblatt den Asklepios-Lebensretterpreis ausgeschrieben, der jetzt zum 7. Mal vergeben wird. Die Initiative wird von der Feuerwehr Hamburg unterstützt.

Den Siegern wird ein persönlicher Wunsch erfüllt

Bei der Suche nach Kandidaten für den Lebensretterpreis waren die Abendblatt-Leser gefragt: Sie wurden aufgerufen, jemanden aus dem Großraum Hamburg als den „Asklepios-Lebensretter 2021“ vorzuschlagen, der durch Herzdruckmassage oder den Einsatz eines Defibrillators in den vergangenen 18 Monaten einen Menschen ins Leben zurückgeholt hat. Aus den eingegangenen Vorschlägen wurden die Personen nominiert, die das Hamburger Abendblatt heute vorstellt. Eine Jury und Sie als Leser entscheiden jetzt gemeinsam, wer von ihnen zu den drei Asklepios-Lebensrettern 2021 gehören wird.

Und so funktioniert die Abstimmung: Vom 3. bis zum 5. September können Sie die Telefonnummer wählen, die unter dem Bericht über Ihren Wunschkandidaten angegeben ist. Die Preisverleihung wird dann am Mittwoch, 22. September, im Rahmen der „Woche der Wiederbelebung“ im ehemaligen Hauptzollamt am Alten Wandrahm in der Speicherstadt stattfinden. Zu dem feierlichen Akt sind 100 Gäste aus der Hamburger Gesundheitsbranche sowie Mitglieder von Vereinen und Rettungsdiensten geladen. Alle fünf Nominierten erhalten als Anerkennung eine Medaille. Den drei Gewinnern wird ein persönlicher Wunsch erfüllt. Durch den Abend führt Abendblatt-Redakteurin Vanessa Seifert.

Arne Janke – am Arbeitsplatz Kundin wiederbelebt

Kalt ist es an diesem Novembertag. Arne Janke, der vor dem Pflanzenmarkt Kölle erste Weihnachtsbäume verkauft, geht kurz zum Aufwärmen nach drinnen. Da bricht an der Kasse eine ältere Frau zusammen. Kollegen holen den 37-Jährigen, der sich vor zehn Jahren zum Ersthelfer hat ausbilden lassen. „Ich bin belastbar und helfe gerne“, sagt Janke, der die Abteilung für Outdoor-Pflanzgefäße leitet.

Er eilt zu der auf dem Boden liegenden Dame, legt sie auf den Rücken und fängt sofort mit der Herzdruckmassage an. „Ihre Lippen waren schon blau, ich wusste also, worum es geht.“ Unterdessen alarmieren Kollegen den Rettungsdienst und schirmen den Bereich ab. Er merkt, wie der Seniorin mehrere Rippen brechen. Aber er weiß auch, dass sie das überleben wird – einen Herzstillstand nicht. Dann setzte er den Defibrillator ein, den der Markt erst wenige Monate zuvor angeschafft hatte. Drei Elektroschocks erhält die alte Dame von ihm, vier weitere auf dem Weg ins Krankenhaus. Das erzählt sie, als sie ihm für sein Engagement dankt – zunächst am Telefon, vor Kurzem persönlich. Auch ihre Tochter ruft ihn an. „Sie war dankbar, weil durch meine Hilfe ihr Neugeborenes noch eine Oma hat“, sagt Janke. Dass er die ältere Dame retten konnte, sei ein „gutes Gefühl“ und gebe ihm wieder Zuversicht“. Vor sechs Jahren hatten nämlich weder er noch der Notarzt einen Kunden wiederbeleben können.

Die Telefonnummer für die Abstimmung: 01378 / 78 19 34 (0,50 € / Anruf aus dem dt. Festnetz, höherer Mobilfunktarif)

Monique und Jan Hoenig reanimieren Ehemann und Vater

Kalt ist es an diesem Novembertag. Arne Janke, der vor dem Pflanzenmarkt Kölle erste Weihnachtsbäume verkauft, geht kurz zum Aufwärmen nach drinnen. Da bricht an der Kasse eine ältere Frau zusammen. Kollegen holen den 37-Jährigen, der sich vor zehn Jahren zum Ersthelfer hat ausbilden lassen. „Ich bin belastbar und helfe gerne“, sagt Janke, der die Abteilung für Outdoor-Pflanzgefäße leitet.

Er eilt zu der auf dem Boden liegenden Dame, legt sie auf den Rücken und fängt sofort mit der Herzdruckmassage an. „Ihre Lippen waren schon blau, ich wusste also, worum es geht.“ Unterdessen alarmieren Kollegen den Rettungsdienst und schirmen den Bereich ab. Er merkt, wie der Seniorin mehrere Rippen brechen. Aber er weiß auch, dass sie das überleben wird – einen Herzstillstand nicht. Dann setzte er den Defibrillator ein, den der Markt erst wenige Monate zuvor angeschafft hatte. Drei Elektroschocks erhält die alte Dame von ihm, vier weitere auf dem Weg ins Krankenhaus. Das erzählt sie, als sie ihm für sein Engagement dankt – zunächst am Telefon, vor Kurzem persönlich. Auch ihre Tochter ruft ihn an. „Sie war dankbar, weil durch meine Hilfe ihr Neugeborenes noch eine Oma hat“, sagt Janke. Dass er die ältere Dame retten konnte, sei ein „gutes Gefühl“ und gebe ihm wieder Zuversicht“. Vor sechs Jahren hatten nämlich weder er noch der Notarzt einen Kunden wiederbeleben können.

Die Telefonnummer für die Abstimmung: 01378 / 78 19 34 (0,50 € / Anruf aus dem dt. Festnetz, höherer Mobilfunktarif)

Anika Glischinski – Sänger überlebt dank ihrer Hilfe

Das Konzert der Gruppe Rocksin am 31. Oktober 2020 in Bergedorf läuft gut. Allerdings hat Anika Glischinski schon vorher, als sie Sänger Jean-Pierre begrüßt, den Eindruck, dass es ihm nicht gut geht. Die 44-Jährige, die Online-Trainings für ein globales Unternehmen entwickelt, findet, dass er schlapp und blass aussieht. Nach dem Auftritt fahren sie zu dritt zu einem Freund. Dort wird ihm übel. Auf dem Weg zur Toilette, bei dem sie ihn begleitet, fällt er um. „Er lag da, die Augen hatte er noch auf“, erinnert sie sich.

Sie hat lange in den USA gelebt und nach ihrer Rückkehr 2017 einen Erste-Hilfe-Kurs gemacht. Diese Auffrischung habe ihr geholfen, sagt sie. Während ihre Freundin den Notarzt ruft, bringt sie den Sänger in die stabile Seitenlage. „Aber er fiel richtig in sich zusammen, und er hatte so eine Schnappatmung, mit ganz langen Aussetzern“, sagt Glischinski. Sie dreht ihn zurück auf den Rücken und beginnt mit der Herzdruckmassage. Wie lange? „Das weiß ich nicht, sagt sie. „Meine Knie waren hinterher blau und lila.“ Ihr „Patient“ ist grau im Gesicht. Anika Glischinski hat kaum noch Hoffnung, aber sie gibt nicht auf, bis sie von den Sanitätern abgelöst wird. Als sie ihn mitnehmen, ist unklar, ob er überlebt. „Die Tage danach waren schlimm“, sagt sie. Sie weiß nicht, ob er Schäden davonträgt, fragt sich, ob sie alles richtig gemacht habe. Bei Jean-Pierre wird Herzflimmern festgestellt, außerdem hat er eine Lungenembolie erlitten. Er bekommt einen Defibrillator eingesetzt. Heute geht es ihm wieder gut, er tritt sogar wieder auf. Ist Anika Glischinski auch dabei, behält sie ihn genau im Auge.

Die Telefonnummer für die Abstimmung: 01378/ 78 19 33 (0,50 € / Anruf aus dem dt. Festnetz, höherer Mobilfunktarif)

Christoph Kelch – Busfahrer rettet Stammfahrgast

Als Christoph Kelch am 7. Dezember 2020 mit dem Bus auf der Linie 562 unterwegs ist, wundert er sich, dass ein Stammfahrgast, der sonst immer zur gleichen Zeit bei ihm einsteigt, an diesem Tag nicht an der Haltestelle ist. Ein kleines Stück weiter entdeckt er einen Mann, der am Fahrbahnrand kniet. Der 31-Jährige hält an und steigt aus. Der Mann am Boden ist der Stammfahrgast. „Er sagte, es gehe ihm ein bisschen schlecht, aber wenn ich ihm in den Bus helfen würde, würde er es bis nach Hause schaffen.“ Doch nach ein paar Schritten bricht der Mann plötzlich zusammen. „Ich habe die 112 angerufen und sofort mit der Herzdruckmassage angefangen“, erzählt Kelch. Der dreifache Familienvater absolviert berufsbedingt regelmäßig Erste-Hilfe-Kurse.

„Ich hatte die ganze Zeit über die Leitstelle der Feuerwehr am Telefon“, sagt der Ersthelfer. Das habe ihm sehr geholfen. Keine drei Minuten später seien die Sanitäter da gewesen und gleich darauf der Notarzt. Sie hätten den Mann erst auf der Straße versucht zu reanimieren, dann im Krankenwagen. „Einer kam dann raus und sagte ,wir haben ihn.‘“

Über den etwa 60-jährigen Mann weiß Kelch weiter nichts. Nur, dass er ohne bleibende Schäden überlebt hat. Das habe ihm der Notarzt, der sich zwei Tage später bei ihm gemeldet habe, mitgeteilt, so Kelch. Sein Einsatz als Lebensretter gebe ihm für die Zukunft noch mehr Selbstvertrauen: „Man hat jetzt die Erfahrung und weiß, was zu tun ist“, sagt der Busfahrer. „Viele haben in so einer Situation Angst, etwas falsch zu machen. Aber die Person ist ja schon tot, umbringen kann man sie also nicht mehr.“

Die Telefonnummer für die Abstimmung: 01378 / 78 19 32 (0,50 € / Anruf aus dem dt. Festnetz, höherer Mobilfunktarif)

Andreas Dondera – Polizist ist Lebensretter seiner Ehefrau

„Schatz, nun reicht’s. Jetzt rufe ich den Arzt“, sagt Andreas Dondera an diesem frühen Ostermontagmorgen. Doch seine Frau Barbro hört ihn nicht mehr, liegt leblos im Bett. Gerade hat sie ihn noch gebeten, zu googeln, was man gegen die vermeintlichen Nebenwirkungen eines Medikaments tun kann, unter denen sie seit Tagen leidet: Brennen im Hals, Engegefühl in der Brust. Kürzlich war bei der Fitness­trainerin und dreifachen Mutter ein zu hoher Cholesterinwert und eine Autoimmunkrankheit diagnostiziert worden. Ihr Hausarzt hatte sie schon zum Kardiologen geschickt, aber der hatte nichts feststellen können. Und so hatten sie und ihr Mann (beide 54), Cyberexperte beim LKA, die Beschwerden auf Nebenwirkungen geschoben, die im Beipackzettel auch so beschrieben wurden.

Und nun regt sie sich nicht mehr. „Ich habe sofort 112 gewählt und dann auf Anweisung sofort mit der Herzdruckmassage begonnen“, so Dondera. Selbst wäre er wohl nicht auf die Idee gekommen, da seine Frau noch röchelnd atmet. Auf dem Transport von Oldenfelde ins Krankenhaus setzt der Notarzt die Herzdruckmassage mit einer mechanischen Pumpe fort. „Vorher sagte er noch, ihre Überlebenschancen stünden fifty-fifty. Und dass sie sich, sollte sie aufwachen, vielleicht an nichts mehr erinnern könne.“ Barbro Dondera hat Glück. Sie muss zwar ein weiteres Mal notoperiert sowie an Herz und Lunge punktiert werden und lange in die Reha. Doch mittlerweile gibt sie wieder Sportunterricht und fährt Fahrrad. Nur die Tage unmittelbar vor und nach ihrem Herzstillstand sind aus ihrem Gedächtnis gelöscht.

Die Telefonnummer für die Abstimmung: 01378 / 78 19 31 (0,50 € / Anruf aus dem dt. Festnetz, höherer Mobilfunktarif)

Wiederbelebung beim Herz-Kreislauf-Stillstand

Die Wiederbelegung erfolgt nach dem Grundsatz „prüfen, rufen, drücken“. Wenn eine Person bewusstlos zusammenbricht, sollte der Helfer prüfen, ob sie ansprechbar ist und atmet, und dann unter 112 den Rettungsdienst verständigen.

Bei fehlender Atmung muss er sofort mit der Herzdruckmassage beginnen. Dabei wird der Ballen einer Hand auf das untere Drittel des Brustbeins in der Mitte des Brustkorbs gelegt, der Ballen der anderen Hand darüber. Dann sollte man mit gestreckten Armen 100-mal pro Minute drücken. Dabei hilft es, sich den Rhythmus des Songs „Stayin’ Alive“ von den Bee Gees in Erinnerung zu rufen. Er gibt genau den Takt, der für die Herzdruckmassage ideal ist.

Geschulte Helfer sollen die Mund-­zu­-Mund- Beatmung im Verhältnis von 30 Herzdruckmassagen zu zwei Beatmungen durchführen. Das Vorgehen sollte so lange fortgesetzt werden, bis der Verunglückte wieder selbstständig atmet oder der Notarzt eingetroffen ist.

( fru )

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