Kampf ums Maharaja

Kfz-Meister droht durch die Paulihaus-Proteste die Pleite

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Geneviève Wood
Zehn Jahre lang betrieb Max Harms seine Autowerkstatt am Neuen Pferdemarkt.

Zehn Jahre lang betrieb Max Harms seine Autowerkstatt am Neuen Pferdemarkt.

Foto: Roland Magunia / HA

Werkstatt-Betreiber geht durch Verzögerungen das Geld aus. Maharaja muss Dienstag geräumt werden. Was Steg und Paulihaus-Gegner sagen.

Hamburg. Erbittert haben sie gegen den Neubau am Neuen Pferdemarkt/ Ecke Neuer Kamp auf St. Pauli gekämpft: Aus Sicht der Protestierenden der Initiative „St. Pauli Code Jetzt!“ passt der sechsgeschossige Bau, Paulihaus genannt, nicht in den Stadtteil. Der Kampf war vergeblich.

Am Dienstagmorgen muss die Besitzerin des Restaurants Maharaja das Gebäude räumen. Einen Eilantrag gegen die Zwangsräumung hatte das Landgericht Hamburg am Montag zurückgewiesen. Es gibt Alteingesessene, die es begrüßen, dass die Bauarbeiten bald beginnen könnten.

Paulihaus: Nicht alle Betroffenen teilen Protest

Den Kampf der Initiative heißen nicht alle gut. Denn der Protest gegen den vermeintlichen Büroklotz hat Menschen in existenzielle Not gebracht. „Die Initiative steht angeblich für den kleinen Mann, aber mich hat der andauernde Protest in die Pleite getrieben“, sagt Max Harms. Der Automechaniker hatte zehn Jahre lang seine Autowerkstatt in dem alten Gebäude.

Der 58-Jährige ist jemand, der sich die Dinge genauer anschaut, sich Verträge bis zum Ende durchliest und sich dann seine eigene Meinung bildet. Und er hatte sich 2019 dazu entschlossen, ein Angebot der Stadtentwicklungsgesellschaft Steg anzunehmen. Für die Zeit bis zur Fertigstellung bekam er ein sechsstelliges Überbrückungsgeld.

Seit fünf Jahren plant die Steg mit drei anderen Hamburger Unternehmen das Paulihaus. Dort sollen später neben der Steg der Projektentwickler Hamburg Team, der Dienstleister Argus und die Pahnke Markenmacherei einziehen. Auch Max Harms, den alle nur Max nennen, sollte dann mit seiner Autowerkstatt zurückkehren in den Neubau.

Autowerkstatt geht Überbrückungsgeld aus

Natürlich haben ihm das die Projektgegner übel genommen. „Die werfen mir vor, ich hätte mich verspekuliert.“ Dabei ist er einfach pragmatisch und fern jeglicher Ideologie an die Sache herangegangen. Für Harms war es ein Superangebot. „Ich war glücklich, in den Neubau ziehen zu können. Der Altbau war völlig marode, das Ding fing an, auseinanderzuklappen. Der Keller war nass.“

Harms nahm das Geld, doch ihm droht dennoch die Pleite. Denn durch den jahrelangen Streit um den Neubau hat sich dessen Baubeginn immer weiter verzögert. Doch lange kann er sich und seine vier Mitarbeiter nicht mehr mit dem Überbrückungsgeld finanzieren, langsam geht ihm das Geld aus.

Sauer über Blockaden der Paulihaus-Gegner

„Wir hatten zweieinhalb Jahre Bauzeit eingeplant und wollten Ende 2021 in den Neubau einziehen. Wenn es jetzt noch drei Jahre dauert, bin ich pleite.“ Dann müsse er an seine Altersvorsorge und an sein Erspartes gehen. Ein Drittel seiner Rücklagen war ohnehin für die neue Werkstatt gedacht. Denn er braucht schwere Geräte, die er für die Zeit der Überbrückung verkauft hatte. Dazu gehören unter anderem eine Hebebühne und ein Kompressor.

„Ich hatte mir eine schöne neue Werkstatt vorgestellt, und nun wird die Zeit knapp“, sagt er. Vor allem sorgt er sich um seine Automechaniker. „Wir sind ein gutes Team, und die sind teilweise auch nicht mehr die Jüngsten und bekommen so schnell woanders keinen Job mehr.“ Harms ist sauer über die ständigen Blockaden seitens der Paulihaus-Gegner.

Steg: Werkstatt-Integration eine "Herausforderung"

Er ist einer der Hauptleidtragenden, weil durch die Gerichtsverfahren der Baustart immer wieder verzögert wurde. Frühzeitig und einvernehmlich, so eine Sprecherin, hatte die Steg sich als Baugemeinschaft mit ihm auf eine Rückkehr seiner Autowerkstatt ins Paulihaus verständigt und die komplexe Planung miteinander vorgenommen.

„Die Inte­gration einer Autowerkstatt in den Neubau eines innerstädtischen Büro- und Geschäftshauses ist heute keinesfalls Standard und allein schon wegen des erforderlichen Emissionsschutzes eine Herausforderung“, so die Sprecherin.

Paulihaus: Fertigstellung frühestens Ende 2023

Hans Rösner, Gesellschafter der Steg, der als Sprecher der Baugemeinschaft fungiert, macht dem Automechaniker Hoffnung: „Max weiß, dass er in der Baugemeinschaft einen verlässlichen Ansprechpartner hat. Wie ihm, so liegt auch uns am Herzen, dass wir nun hoffentlich endlich anfangen können zu bauen und er mit seinem Team schnellstmöglich die neue Werkstatt im Paulihaus beziehen kann.“

Die Gegner des umstrittenen Bürogebäudes wollen weiterkämpfen. Felicitas Jarchow von der Initiative „St. Pauli Code Jetzt!“: „Aus unserer Sicht ist die Räumung reine Schikane. Viele Anwohner haben zum Beispiel Widerspruch gegen die Entwidmung der betroffenen, heute noch öffentlichen Flurstücke eingereicht.“ Die Initiative kündigt auf ihrer Homepage an, am Dienstag vor Ort zu sein bei der Schlüsselübergabe.

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Geplant sind im nächsten Schritt die Sanierungs- und Sielarbeiten auf dem Grundstück, bevor der Hochbau beginnen kann. Eine Fertigstellung ist frühestens Ende 2023. Vielleicht rechtzeitig, damit Max Harms und sein Team einen Neustart am alten Standort schaffen.

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