"Fleck of Shame"

Demo gegen Paulihaus und "Maharaja"-Räumung in Hamburg

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Unter dem Motto "Fleck of Shame" hundert Teilnehmer in Hamburg im Rahmen des europaweiten Housing Action Days am von der Räumung bedrohten Restaurant "Maharaja" demonstriert.

Unter dem Motto "Fleck of Shame" hundert Teilnehmer in Hamburg im Rahmen des europaweiten Housing Action Days am von der Räumung bedrohten Restaurant "Maharaja" demonstriert.

Foto: Recht auf Stadt Hamburg

Proteste gegen Immobilienspekulation am Neuen Pferdemarkt und Holsten-Areal. Auch ein bekannter Entertainer unter den Kritikern.

Hamburg. Unter dem Motto "Fleck of Shame" haben am Sonnabend in Hamburg zahlreiche Menschen für bezahlbares Wohnen und eine soziale Stadtentwicklung demonstriert. Rund hundert Teilnehmer protestierten im Rahmen des "Housing Action Day" im Schanzenviertel gegen die bevorstehende Räumung des Restaurants "Maharaja" am kommenden Dienstag und das "Paulihaus".

Mit dem "Fleck of Shame" markierten Aktivistinnen und Aktivisten am Sonnabend in ganz Deutschland Orte, die sie mit Immobilienspekulation in Verbindung bringen. In Hamburg trafen sie sich am Neuen Pferdemarkt und am ehemaligen Holsten-Areal. Neben der Rindermarkthalle an der Ecke Neuer Kamp/Neuer Pferdemarkt soll ein sechsstöckiger Neubau – das "Paulihaus" – entstehen. Dafür müssen das "Maharaja" sowie einige Bäume weichen. Aus Sicht der Protestierenden passt der Bau nicht in den Stadtteil.

Das Paulihaus sei ein "Fleck of Shame" in Hamburg

"Fehlende Bürger*Innenbeteiligung und ein intransparenter Planungsprozess machen das 'Paulihaus' zu einem Fleck of Shame“, sagte Veronika Pramor von der Initiative "St. Pauli Code Jetzt!". "Dass bestehende Betriebe verdrängt und Bäume gefällt werden sollen, um einem Büroklotz zu weichen, ist nicht nachvollziehbar. Durch den Neubau würde der Neue Pferdemarkt von einem Ort für alle zu einem exklusiven Ort für wenige werden."

Während Immobilieneigentümer von der Krise profitierten, stiegen die Kosten für Gewerbetreibende und Mieter weiter an, teilte die Initiative mit. Diese Schieflage kritisiert auch Rocko Schamoni: "Gerade in Zeiten von Corona, in denen vielen Menschen aus unterschiedlichen Sparten ihr Einkommen komplett wegbricht, sollten sich solidarische Gemeinschaften durchsetzen und besser geschützt werden."

Der Hamburger Musiker, Autor und Künstler (Studio Braun) ist Mieter bei "Viva la Bernie", einer Initiative aus Nutzerinnen und Bewohnerinnen eines Hinterhofareals an der Bernstorffstraße, das seit dem Verkauf an Berliner Investoren vor drei Jahren bedroht sei.

Protest auch gegen Wohnungsbau auf Holsten-Areal

Ebenfalls gut 100 Menschen kamen aus ähnlichem Anlass in Altona am Gelände der ehemaligen Holsten-Brauerei zusammen. Auf dem 86.000 Quadratmeter großen Areal plant die Consus Real Estate AG etwa 1300 Wohnungen, Büros, Kitas, Gastronomie, Einzelhandel und ein Hotel.

Nach mehreren Verkäufen seien die Bodenpreise dort so hoch, dass bezahlbarer Wohnraum kaum noch realisiert werden könne", kritisiert die Initiative "[ ]Knallt am Dollsten". Und die Stadt habe bei diesen Verkäufen zugesehen. „Wir waren heute mit unserem Flaschenballett vor Ort, um die Verhältnisse rund um das Holstenareal zum Tanzen zu bringen“, sagte Aktivist Theo Bruns. „Eine investorengesteuerte Stadtentwicklung mit Nettokaltmieten von 20 Euro pro Quadratmeter kann nicht die Zukunft sein."

( ras/dpa )