Entscheider treffen Haider

„Wahlkampf für die SPD ist Ehre und Verantwortung zugleich“

| Lesedauer: 7 Minuten
Agentur-Chef
Raphael Brinkert,
der auch schon
Wahlkampf für die
CDU gemacht hat,
wirbt jetzt für die
SPD und ihren
Spitzenkandidaten
Olaf Scholz.

Agentur-Chef Raphael Brinkert, der auch schon Wahlkampf für die CDU gemacht hat, wirbt jetzt für die SPD und ihren Spitzenkandidaten Olaf Scholz.

Foto: Roland Magunia

Heute mit dem Hamburger Werber Raphael Brinkert, der Olaf Scholz zum Bundeskanzler machen will.

Hamburg. Ein Hamburger (Politiker) will der nächste Bundeskanzler werden – und ein Hamburger (Werber) soll ihm dabei helfen. In der Reihe „Entscheider treffen Haider“ erzählt Raphael Brinkert, wie er an den Werbe-Etat der SPD gekommen ist, warum er an einen Sieg von Olaf Scholz glaubt – und wieso die besten Ideen im Homeoffice entstehen.


Das sagt Raphael Brinkert über …

… die Frage, wie man die Agentur für den Bundestagswahlkampf der SPD wird:

Für uns war es Ehre und Verantwortung zugleich, als SPD-Generalsekretär Lars Klingbeil und sein Team bei uns angefragt haben, ob wir an dem Agenturwettbewerb teilnehmen wollen. Final haben wir vor Saskia Esken, Norbert Walter-Borjans, Rolf Mützenich und Olaf Scholz präsentieren dürfen. Es macht neben der Verantwortung sehr viel Spaß.

… die Frage, ob man die SPD wählen muss, wenn man für ihre Kampagne mitverantwortlich ist:

Das schließt das Wahlgeheimnis in der Bundesrepublik aus. Aber Scherz beiseite: Wenn ich für einen Kunden arbeite, dann aus Überzeugung und mit einer hohen Loyalität. Was uns hilft ist der Blick von außen, der in Ergänzung zum Blick von innen aus der Partei, eine Erfolg versprechende Kombination ist. Wir haben gemeinsam ein klares Ziel: die Kanzlerschaft von Olaf Scholz dank eines starken Abschneidens der SPD bei der Bundestagswahl.

Als ich bei der Europawahl für Angela Merkel und die CDU gearbeitet habe, ging es darum, völkische Parteien zu verhindern, jetzt geht es darum, ein Konzept für die Zukunft zu entwickeln. Es gibt ein Leben nach dem Lockdown und für dieses hat die SPD mit ihrem Programm sehr vielversprechende Inhalte und Argumente, die das Leben der Mehrheit der Menschen in unserem Land positiv beeinflussen.

… die Stärken und Schwächen von Olaf Scholz:

Olaf Scholz war nicht nur Bürgermeister von Hamburg, sondern auch Arbeits- und Sozialminister, Finanzminister und Vizekanzler. Er hat bewiesen, dass er auf nationaler Ebene regieren kann, und er hat als Arbeitsrechtler bewiesen, dass er lieber Anwalt der Menschen als der von Steueroasen ist. Olaf Scholz steht für eine Politik, die niemanden zurücklässt – und darauf wird es in den 20er-Jahren ankommen. Wir haben nicht die Zeit der Stammtischredner oder der Lautsprecher, sondern die Zeit der fleißigen Arbeiter, die mit großer Akribie Probleme nachhaltig lösen. Das hat er nicht nur bei der Elbphilharmonie oder beim Hamburger Schulfrieden, sondern auch bei nationalen Themen wiederholt bewiesen.

… Deutschland ohne Angela Merkel und das Kommunikationsproblem der SPD:

Die Karten werden neu gemischt, sobald Deutschland klar wird, dass sich Angela Merkel aus der Politik verabschiedet. Ich bin überzeugt: Wenn es uns gelingt, überzeugend zu kommunizieren, wofür die SPD steht, wird sie ein Comeback starten. Das Kernproblem der Partei war ja in den vergangenen Jahren nicht ihre Politik, sondern die Kommunikation.

Die SPD hat viel zu oft Gattungsmarketing, also allgemeine Werbung für Politik, gemacht, und viel zu selten gesagt, was sie konkret geleistet hat. Mindestlohn, Lieferkettengesetz, das Gute-Kita-Gesetz. An vielen Stellen steckt sehr viel Sozialdemokratie in wichtigen, neuen Gesetzen, aber kaum jemand weiß das. Das müssen wir ändern und überzeugende Inhalte auch überzeugend und öffentlichkeitswirksam für die SPD besetzen.

… die ersten Grundzüge der Kampagne:

Wir haben einen klaren Zeit- und Bauplan, dazu gibt es seit Oktober einen Claim für die SPD, in dem wir erstmals in 158 Jahren die drei Buchstaben für den Bürger mit einem klaren Parteiversprechen übersetzen: SPD steht für Soziale Politik für Dich. Auf dieser Basis wird ein eigenständiger Wahlkampfauftritt von Olaf Scholz entwickelt, der Olaf Scholz nicht verändert, sondern seinen Anspruch verdeutlicht: Für unsere Zukunft, für Respekt in der Gesellschaft, für ein souveränes Europa.

… den Wahlkampf:

Es wird aufgrund der Pandemie der kürzeste, intensivste und digitalste Wahlkampf. Wir gehen mit Klarheit und Geschlossenheit, mit Plan, Mut und Kreativität in diese Phase. Die große Herausforderung bei der SPD besteht darin, dass wir mit weitaus weniger Budget sehr viel höhere Leistung erzielen müssen.

Das ist eine Aufgabe, die jedes Werbemittel beeinflusst. Ende Februar hat Olaf Scholz bereits digitale Formate wie die Zukunftsgespräche ins Leben gerufen, weitere werden in den kommenden Wochen folgen. Auch das Thema Briefwahl gewinnt in Zeiten von Corona neben Klassikern wie den Plakaten an Bedeutung.

… die Angst, dass er mit der SPD die Wahl verliert:

Wir haben Respekt vor der Aufgabe und sind uns der Größe bewusst. Aber die Wahl wird nicht mit März-Umfragen, sondern mit Wahlergebnissen am 26.9. entschieden. Wir sind uns sehr sicher, dass Olaf Scholz und die SPD positiv überraschen werden.

… seine Motivation:

Ich mag Themen, die in der „Tagesschau“ besprochen werden. Das Wetter können wir nicht beeinflussen, aber durch Kommunikation kann man einen Beitrag für die anderen Themen leisten. Ich möchte durch Kommunikation etwas verändern. Wir wollen eine Werte-Agentur für gesellschaftliche Kommunikation, Sport und Nachhaltigkeit sein und Unternehmen oder Organisationen dabei unterstützen, einen positiven Beitrag für unser Gemeinwohl zu leisten.

Das Transformationsthema der vergangenen zehn Jahre war die Digitalisierung. Wir glauben, dass das große Thema der nächsten zehn Jahre die Transformation in eine öko-soziale Marktwirtschaft sein wird. Das alte Prinzip der Ausbeutung von Natur, Tier und Mensch funktioniert nicht mehr.

… Homeoffice und Kreativität:

Wir hatten in der Agentur schon immer einen Mobil-Friday und haben jetzt einfach gesagt: Der Mobil-Friday beginnt am Montag. Das funktioniert wunderbar. Zur Kreativität: Ich halte es für ein Argument für Mittelmaß, wenn Leute behaupten, dass man gemeinsam in einem Raum sein muss, um kreativ zu sein.

Im Homeoffice wird sehr deutlich, von wem die Idee kommt, wer Vater oder Mutter eines Gedankens ist. In Meetings und Workshops kann man sich viel, viel besser verstecken. Wir sind große Fans von Home- oder Mobiloffice und werden dies auch nach der Pandemie vorleben.

… seinen Partner Dennis Lück, den erfolgreichsten Werber der Schweiz:

Wir kennen uns aus unserer gemeinsamen Zeit bei Scholz & Friends, wo wir als jüngstes Team mit Doppelherz die älteste Marke betreuen durften. Der Claim: Die Kraft der zwei Herzen. Das passt bis heute.

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