Abbau von Torf

Die letzten Paradiese: Hamburgs Moore sind bedroht

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Edgar S. Hasse
Thomas Dröse, Anne Oswald und Frederik Schawaller im Fischbeker Moor. Der Moorgürtel ist eines der größten Naturschutzgebiete der Hansestadt – und wichtig für das Klima.

Thomas Dröse, Anne Oswald und Frederik Schawaller im Fischbeker Moor. Der Moorgürtel ist eines der größten Naturschutzgebiete der Hansestadt – und wichtig für das Klima.

Foto: Roland Magunia

Wie der Naturschutzbund Hamburg die geheimnisumwitterten Biotope bewahren will: Mitte März sind digitale „Torf-Tage“ geplant.

Hamburg. Versteckt zwischen Moorbirken sitzen drei Blaujacken auf zaghaft sprießendem Grün. Es sind haupt- und ehrenamtliche Mitarbeiter des Naturschutzbundes Hamburg (Nabu). Das Logo auf dem himmelblauen Nabu-Outfit ist unschwer zu erkennen. Anne Ostwald, Referentin für Moor- und Artenschutz, Frederik Schawaller von der Nabu-Gruppe Süd und Nabu-Medienexperte Thomas Dröse machen gerade Mittagspause auf festem und trockenem Boden im Moorgürtel, dem größten Naturschutzgebiet der Stadt.

Kurz zuvor hatten sie einen Film gedreht, der bei den „Torf-Tagen“ vom 19. bis 26. März gezeigt wird. Die Aktionswoche soll dazu beitragen, die Moore Hamburgs besser zu schützen. „Wir geben praktische Tipps, welchen Beitrag zum Moorschutz wir alle im Alltag leisten können“, sagt Anne Ostwald.

Torfabbau in Mooren setzt klimaschädliche Gase frei

Jahrhundertelang hatte der Mensch die Moore genutzt, um Torf abzubauen. Der diente einst als Brennmaterial, heute landet er vorzugsweise in der Blumenerde, die Baumärkte und Gartencenter verkaufen. Wird Torf abgebaut, entweichen allerdings große Mengen klimaschädlicher Gase, und es geht ein mehrere Tausend Jahre alter Lebensraum zunehmend verloren. Schlecht in Zeiten des Klimawandels.

Das Naturschutzgebiet Moorgürtel als Teil der Landschaft Süderelbe ist 948 Hektar groß und gut 8000 Jahre alt. Wo die drei Nabu-Mitarbeiter gerade rasten, ist der Torf wie vielerorts acht Meter dick – was durchaus als stattlich gilt. Auf den ersten Blick ist das Biotop mit den Hoch- und Niedermooren, Wäldern, Kleingewässern, Röhrichten und feuchtgrünen Wiesen ein noch nicht verlorenes Paradies.

Wachtelkönig sorgt für Stopp von Bauvorhaben

Nachts krächzt hier ein Vogel, der es mit seiner Popularität bis in die bundesweiten Medien geschafft hat. Rerrp-rerrp! Dieser Ruf des Wachtelkönigs (Crex crex) kann bis zu 5000-mal pro Nacht ertönen und ist weithin zu hören. „Er kann sogar Bauvorhaben stoppen“, sagt Frederik Schawaller, der den Moorgürtel zwischen Geest und Marschen seit seinen Kindertagen kennt.

So sorgte der seltene Vogel dafür, dass die Kapazitäten des Wohnkomplexes Vogelkamp Neugraben von 3000 auf 1500 Wohneinheiten reduziert wurden. Neben dem Wachtelkönig brüten hier Kraniche, Neuntöter, hüpfen Moorfrösche herum, tummeln sich Libellen und Schmetterlinge in der Luft. Doch das Naturschutzgebiet Moorgürtel, ehemals das großflächige Randmoor des Elbe-Urstromtals, ist – wie alle Moore – bedroht. Besonders die Trockenheit setzt ihm zu. Zum einen sind es die regenarmen Wetterperioden, die den Mooren zu schaffen machen.

Hamburgs Moore durch Entwässerungsgraben bedroht

Zum anderen werden auch im Moorgürtel, der teilweise in privater Hand liegt, noch immer Entwässerungsgraben für die extensive Landwirtschaft gebaut. Die Folge: Teile des Moores könnten weiter austrocknen. „Die Moore sind dadurch bedroht“, sagt Nabu-Referentin Anne Ostwald. „Dabei sind gerade sie ein unverzichtbarer Kohlenstoffspeicher. Die Moore Deutschlands speichern mehr Kohlenstoff als der deutsche Wald, obwohl sie nur fünf Prozent der Landesfläche einnehmen.

Mit der Aktionswoche, den „Torf-Tagen“, will der Nabu Hamburg ein Zeichen für den Schutz von Hamburgs Mooren setzen. Wie viele einzelne Moore es genau in der Hansestadt gibt, lässt sich nicht sagen. Es sind Dutzende. Zum Beispiel das Eppendorfer Moor, das als das größte innerstädtische Moor Europas gilt.

„Torf-Tage“ können nur digital stattfinden

Aufgrund der Corona-Einschränkungen kann das Programm allerdings nicht wie geplant als Mischung aus Online-Veranstaltungen und Outdoor-Terminen stattfinden, sondern ausschließlich digital. Zum Auftakt findet am Freitag, 19. März, um 18 Uhr eine digitale Podiumsveranstaltung „Was hat Torf mit dem Klima zu tun?“ statt, bei der es um Moorschutz in der Klimadebatte geht. Neben solchen Aktionstagen sind das ganze Jahr über freiwillige Helfer in den Mooren im Einsatz, betreuen Besuchergruppen, laden zu Führungen ein und betreiben eine Tätigkeit, die im Fachjargon „Entkusseln“ heißt.

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Bis zum 1. März eines jeden Jahres werden junge Gehölze aus dem Moor entfernt. Sie sind Wasserkonkurrenten, und das sollte aufgrund des grassierenden Wassermangels vermieden werden. „Wir entfernen zum Beispiel Birkensprösslinge, denn eine Birke kann bis zu 25 Badewannen voll Wasser am Tag aus dem Moor ziehen“, sagt Anne Ostwald.

Hamburg: Nabu-Mitarbeiter schließen Entwässerungsgräben

Außerdem schließen Nabu-Mitarbeiter Entwässerungsgräben, um das Wasser im Gebiet aufzustauen. Dadurch setzen die torfbildenden Prozesse langsam wieder ein. Und wie das so beim Torf ist: Er braucht viel Zeit. Eine Torfschicht wächst einen Millimeter pro Jahr.

Die drei Nabu-Mitarbeiter haben inzwischen ihre Mittagspause beendet. Jetzt geht es weiter durch den Moorgürtel zum Filmdreh, der bei den Torf-Tagen gezeigt werden soll. Ein Film über eines der letzten Paradiese Hamburgs.

Weitere Informationen zum gesamten Programm: www.nabu-Hamburg.de/torftage.

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