Naturschutz

Die Alster leidet: So soll sie jetzt entlastet werden

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Sommernacht auf der Außenalster im vergangenen September: Immer mehr Menschen nutzen die Hamburger Gewässer für Freizeitsport.

Sommernacht auf der Außenalster im vergangenen September: Immer mehr Menschen nutzen die Hamburger Gewässer für Freizeitsport.

Foto: Marcelo Hernandez

Der Senat will Freizeitnutzung und Naturschutz auf den Hamburger Gewässern besser in Einklang bringen und plant einen Runden Tisch.

Hamburg. Schon seit einigen Jahren werden die Alster und die Kanäle der Stadt immer intensiver von den Hamburgerinnen und Hamburgern für den Freizeitsport genutzt. Im vergangenen Jahr wurde der Trend zusätzlich dadurch verstärkt, dass viele Menschen wegen der Corona-Krise auf längere Reisen verzichteten und den Sommer in der Stadt verbrachten.

Einerseits zeigt die wachsende Dichte von Kanus, Tret- und Ruderbooten, Stand-up-Boards oder Segelbooten auf Alster und Kanälen, wie sehr die Hamburger ihre Gewässer zu schätzen wissen. Andererseits gab es auch viele Beschwerden von Anwohnern über mehr Lärm oder Vermüllung. Zudem sorgen sich Naturschützer über die große Belastung für Flora und Fauna. Dem will die Umweltbehörde nun mit einem neuen Konzept entgegenwirken.

Öffentlichkeitsarbeit soll Belastungen für Hamburg verringern

Die rot-grüne Koalitionsmehrheit in der Bürgerschaft hatte den Senat bereits im vergangenen Oktober aufgefordert, im Gespräch allen Beteiligten „Lösungen zu entwickeln, um weiterhin die aktive Freizeitnutzung der Hamburger Gewässer im Einklang mit den Anforderungen von Artenschutz, Naturschutz und Lärmschutz zu ermöglichen“. Zudem solle der Senat prüfen, „wie das Baden an dafür ungeeigneten Stellen und Brückensprünge im Verkehrsbereich der Alsterschifffahrt unterbunden werden können“ – und „wie die Sauberkeit der Gewässer weiter verbessert werden kann“.

Die Umweltbehörde teilte nun auf Anfrage mit, dass sie künftig vor allem durch eine gezielte Öffentlichkeitsarbeit dafür sorgen wolle, dass sich die Belastungen verringerten. „Hamburg ist eine grüne Stadt am Wasser – mit sehr vielen attraktiven Orten. Diesen kostbaren Schatz unserer Stadt lernen immer mehr Hamburger gerne neu kennen“, sagte Umweltstaatsrat und Grünkoordinator Michael Pollmann (Grüne) dem Abendblatt.

Sensibilisierung für Umgang für mit Natur

„Wir können froh sein, gerade in Zeiten wie diesen viel in Parks, Naturschutzgebieten und auf den Flüssen und Kanälen unterwegs sein zu können. Aber wir mussten feststellen, dass der gestiegene Nutzungsdruck zu neuen Konflikten führt und dass nicht alle Erholungsuchenden ihren Mitmenschen und der Natur die nötige Wertschätzung entgegenbringen.“ Deshalb wolle die Umweltbehörde „für die Zukunft auch mit gezielter Öffentlichkeitsarbeit erreichen, dass Spielregeln zur Rücksichtnahme auf die Mitmenschen und zum Schutz der Natur eingehalten werden“.

Auch werde die Behörde „versuchen, die Besucherströme besser zu lenken und zu verteilen“, so Pollmann. „Das ist nicht nur eine Frage des Abstands in Corona-Zeiten, sondern auch eine Frage des sensiblen Umgangs mit der Natur in unserer Stadt. Auf der Alster und ihren Nebengewässern ist Rücksicht auf die Brutvögel geboten.“

Kooperation mit Initiative GreenKayak

Um „Nutzungskonflikte und Missverständnisse zwischen Naturschutz, Segeln, Rudern, Angeln, Stand-up-Paddling und Bootsverleihen auf dem Wasser zu verhindern“, lade die Umweltbehörde „verschiedene Akteure noch nach Ostern zu einem Runden Tisch ein“, sagte Pollmann. „Die Initiative GreenKayak ist seit ihrem Start 2019 sehr erfolgreich in Hamburg. Sie vereint Umweltbildung, Umweltschutz und Freizeitspaß, und wir wollen die Kooperation auch über 2021 hinaus verlängern.“

Auch der Naturschutzbund Nabu plädierte jetzt erneut dafür, einen gesunden Kompromiss zwischen Freizeitnutzung und den Belangen der Umwelt zu finden. „In Zeiten sehr vieler Einschränkungen und Entbehrungen für die Hamburgerinnen und Hamburger möchten wir weitere Verbote möglichst vermeiden“, sagte der Hamburger Nabu-Vorsitzende Malte Siegert.

Balance zwischen Naturschutz und Freizeitaktivitäten

„Allerdings ist der Nutzungsdruck auf Hamburgs Natur – auf Parks und Grünflächen, auf Natur- und Landschaftsschutzgebiete sowie auf die Gewässer – seit dem vergangen Jahr verständlicherweise extrem gewachsen. Deswegen ist es aus Umweltverbandssicht wichtig, eine gute Balance zwischen Natur- und Artenschutz sowie den verstärkten Freizeitaktivitäten zu finden.“

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Das gelte auch für die Alster, so Siegert. „Die Beteiligten aus Politik und Verwaltung müssen sich mit verschiedenen Stakeholdern zeitnah darüber verständigen, wie negative Auswirkungen auf Natur und Umwelt möglichst vermieden, im Vergleich zum vergangenen Jahr zumindest deutlich begrenzt werden.“

Brut der Wasservögel in Hamburg durch Wassersport bedroht

Es gebe rund um die Alster viele geschützte und abgegrenzte Grünbereiche. Zudem beginne die Brutsaison für viele Wasservögel, die durch die starke Zunahme des Wassersports beeinträchtigt würden und ihre Brut zu verlieren drohten, so der Nabu-Chef. „Hier wünschen wir uns etwas mehr Aufmerksamkeit und von der Verwaltung Vorschläge, wie im Sinne von Mensch und Natur ein fairer Ausgleich der Interessen gestaltet werden könnte.“

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