Hafenkonzern

HHLA-Betriebsrat: "Stimmung so schlecht wie lange nicht"

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Martin Kopp
Der Burchardkai im Hamburger Hafen. (Symbolbild)

Der Burchardkai im Hamburger Hafen. (Symbolbild)

Foto: Thorsten Ahlf / HA

Neuer Streit beim Hafenkonzern entzündet sich an 1500 Euro Prämie für leitende Angestellte. Unternehmen rechtfertigt Zahlung.

Hamburg. Das Verhältnis zwischen Belegschaft und Vorstand der Hamburger Hafen und Logistik AG (HHLA) gilt wegen der Sparpläne des Hafenkonzerns ohnehin als angespannt. Nun tun sich noch tiefere Risse auf. Grund sind hohe Bonuszahlungen an Geschäftsführer und weitere leitende Angestellte. Am Wochenende informierten die HHLA-Vertrauensleute die Mitarbeiter über eine Prämienzahlung von 1500 Euro, die ausschließlich an Führungskräfte geflossen sein soll. Das sei ein „enormer Verstoß gegen den Anstand und die Moral“, heißt es in dem Mitarbeiterschreiben, das dem Abendblatt vorliegt.

Ausgangspunkt der neuerlichen Auseinandersetzung ist die Tarifanpassung für das vergangene Jahr. Der Vorstand und die Vereinigte Dienstleistungsgewerkschaft (Ver.di) hatten vereinbart, dass Löhne und Gehälter bei der HHLA um ein Prozent steigen. Allerdings nicht rückwirkend für den gesamten Vertragszeitraum, der im Juli begann, sondern erst ab Oktober. Für die drei Monate davor wurde eine Einmalzahlung von 240 Euro beschlossen. Leitende Angestellte erhielten nun aber 1500 Euro. „Klammheimlich“ sei dieser Corona-Bonus gezahlt worden, lautet der Vorwurf der Vertrauensleute.

Corona-Bonus von 1500 Euro für leitende Angestellte

Der HHLA-Vorstand räumt ein, dass es den Corona-Bonus von 1500 Euro an leitende Angestellte gegeben hat. Er bestreitet aber, dass es dabei zu Ungerechtigkeiten in der Gesamtbelegschaft gekommen sei. „Der Vorstand hat im Rahmen der jährlich üblicherweise nach der Lohnrunde stattfindenden Gehaltsüberprüfung für den Kreis der leitenden Angestellten und Geschäftsführer im Jahr 2020 beschlossen, dass diese im Jahr 2020 keine prozentuale Gehaltsanpassung erhalten. Sie haben stattdessen im Jahr 2020 eine Einmalzahlung in Höhe von 1500 Euro erhalten“, sagte ein Unternehmenssprecher. Diese sei auf Basis der gesetzlichen Möglichkeiten als eine nicht wiederkehrende echte Einmalzahlung ausgezahlt worden.

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„Ich weiß nicht, ob die Führungskräfte nicht doch an der Lohnerhöhung teilgenommen haben“, sagte HHLA-Konzernbetriebsratschef Norbert Paulsen. Denn der Betriebsrat habe keinen Einblick in die Verdienste leitender Angestellter.

„Es erscheint uns aber sehr widersprüchlich, dass das Unternehmen mit uns über knallharte Kosteneinsparungen reden will und auf der anderen Seite die Besserverdienenden zusätzlich begünstigt.“ Die Kollegen an den Terminals seien äußerst erbost. „Seit sieben Jahren gehöre ich dem Betriebsrat an. Noch nie war die Stimmung in der Belegschaft so schlecht wie derzeit.“ Auch Streiks will er mit Blick auf die angespannte Situation bei der HHLA nicht ausschließen: „Alles ist möglich.“

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