Erbitterter Streit

Tierpark Hagenbeck: Mitglieder treten aus Betriebsrat zurück

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Der Eingang zum Tierpark Hagenbeck - während des Lockdowns muss auch der Zoo schließen.

Der Eingang zum Tierpark Hagenbeck - während des Lockdowns muss auch der Zoo schließen.

Foto: Marcelo Hernandez / HA

Das Zerwürfnis zwischen Geschäftsführung und Betriebsrat eskaliert erneut. Gewerkschaft spricht von "menschenunwürdigem Umgang".

Hamburg. Was zunächst wie eine Einigung aussah, eskaliert nun doch erneut: Im Konflikt um zuvor ausgesprochene Kündigungen im Tierpark Hagenbeck haben nun fünf Mitglieder des Betriebsrats ihr Amt niedergelegt oder sind ausgeschieden. Damit muss das Gremium binnen zehn Wochen neu gewählt werden, wie die Geschäftsführung des Tierparks am Montag mitteilte.

Zuvor hatte es wochenlange Auseinandersetzungen mit dem Betriebsrat über das Thema Kurzarbeit gegeben. Nach einer gerichtlichen Einigung hatte die Geschäftsführung vergangenen Freitag überraschend neun der zehn zuvor ausgesprochenen Kündigungen zurückgenommen. Doch beruhigt hat sich die Lage damit nicht.

Tierpark Hagenbeck: Chef Albrecht kritisiert "Pressekampagnen"

Denn an der Freistellung des Betriebsratsvorsitzenden und leitenden Tierpflegers Thomas Günter soll festgehalten werden. Günther ist seit 20 Jahren im Tierpark, als leitender Tierpfleger ist er etwa für das Wohl der Giraffen zuständig. Nach Angaben des Geschäftsführer sei seine Kündigung alternativlos. Unter anderem, weil Günther an einer Begehung des Parks mit Gewerkschaftsvertretern festgehalten hatte. Ob dies der Auslöser für den nun erfolgten Rücktritt der Mitglieder aus dem Betriebsrat war, ist noch unklar.

„Eine gute Zusammenarbeit zum Wohl des Unternehmens ist die wichtigste Aufgabe von Betriebsrat und Geschäftsführung. In der jüngsten Vergangenheit hatte ich leider den Eindruck, dass dies arg in Vergessenheit geraten ist", sagte Hagenbeck-Geschäftsführer Dirk Albrecht und und kritisiert die "Presseaktionen der vom Betriebsrat eingeschalteten Gewerkschaft". Diese hätten nach seinem Eindruck "die Verhandlungen um die notwendige Kurzarbeit aufgrund der monatelangen Schließungen des Tierparks unnötig erschwert.“

Nun freue er sich, so Albrecht weiter, auf eine konstruktive Zusammenarbeit mit dem neuen Betriebsrat. "Es muss wieder die Regel gelten, dass wir interne Differenzen nur intern besprechen und keine Pressekampagnen erleben. Das schadet beiden Seiten und beschädigt unnötig das Image unseres schönen Tierparks", so Albrecht.

Gewerkschaft spricht von "menschenunwürdigem Umgang"

Nach Abendblatt-Informationen und übereinstimmenden Aussagen von Mitarbeitern sei die Geschäftsführung zuvor nicht unbeteiligt an der Eskalation gewesen. Es sei massiver Druck auf Betriebsratsmitglieder ausgeübt worden. Sie sollen in Einzelterminen aufgefordert worden sein, Unterlassungen zu unterzeichnen. Auch sei vor der gerichtlichen Einigung keine Verhandlungsbereitschaft seitens der Geschäftsführung zum Thema Kurzarbeit erkennbar gewesen.

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Schon in einem Schreiben der Gewerkschaft IG Bauen-Agrar-Umwelt, das dem Abendblatt vorliegt, war von „menschenunwürdigem Umgang“ mit den Mitarbeitern durch Geschäftsführer Al­brecht die Rede. „Wir sehen uns gezwungen, auch die Politik einzuschalten, da diese Zustände nicht mehr tragbar sind“, sagte der stellvertretende Regionalleiter der Gewerkschaft, Dirk Johne. Mitarbeiter sprachen von einem „Klima der Angst“. Der Geschäftsführer selbst fühlt sich nach wie vor zu Unrecht kritisiert.