Hamburger Baumeister

Auf den Spuren von Stadtplaner Fritz Schumacher

Das Krematorium in Ohlsdorf ist Schumachers letzter Bau.

Das Krematorium in Ohlsdorf ist Schumachers letzter Bau.

Foto: Marcelo Hernandez

Neuer Band aus der Reihe „Hamburger Köpfe“. Der Autor stellt dabei auch den unbekannten Schumacher vor.

Hamburg.  Das Beste kommt zum Schluss – oder muss es heißen der Beste? Insgesamt 41 Bände hat der Verlag Ellert Richter in 20 Jahren in seiner Reihe „Hamburger Köpfe“ herausgebracht – eine Idee, die auf Altkanzler Helmut Schmidt zurückgeht und die die „Zeit“-Stiftung verwirklichen half. Max Brauer, Gustaf Gründgens, Max Warburg – viele große Hamburger wurden auf Papier verewigt, aber auch eher unbekannte Männer wie den Verleger Friedrich Christoph Perthes oder den Erfinder des IQ, Gabriel Riesser, dem Vergessen entrissen. Was mit Albert Ballin begann, findet nun mit Fritz Schumacher sein würdiges Ende.

Wie kaum ein Zweiter hat der Architekt, Stadtplaner und Oberbaudirektor die Stadt geprägt. Nicht nur seine Gebäude, auch seine Ideen sind in der Hansestadt allgegenwärtig. „Wer sich mit dem Hamburger Stadtbild beschäftigt, der kann den Eindruck gewinnen, Fritz Schumacher fast an jeder Ecke zu begegnen“, heißt es im Geleitwort.

Schumacher war vielseitig

Das Buch schließt eine Lücke. Oft wird das Werk Fritz Schumachers auf seine Zeit als Hamburger Oberbaudirektor zwischen 1908 und 1933 reduziert, als er die Stadtentwicklung vorantrieb und mit dem Baustoff des roten Klinkers und seiner Alsterverordnung das Stadtbild prägte. Der Architekt und Hochschullehrer Hartmut Frank stellt aber auch den unbekannten Schumacher vor: Er macht sich auf seine Spuren – erzählt von seinen ersten Aufträgen in Südtirol (Schloss Prösel) und am Gardasee, beleuchtet seine Zeit im Stadtbauamt Leipzig bei Hugo Licht und an der Hochschule in Dresden – und natürlich in seiner Geburtsstadt Bremen, wo er die Villa Iken baute. Wie sehr ihn der Jugendstil prägte, zeigt der viel beachtete Entwurf eines Nietzsche-Monuments.

Frank wirft einen Blick auf die Vielseitigkeit des 1869 geborenen Schumacher. Er war ein erfolgreicher Journalist und Feuilletonist, schrieb ein Drama, entwarf Bühnenbilder, war Kulturpolitiker, Hochschullehrer und Kunst-, Architektur- und Städtebautheoretiker. Für manche Hamburger Leser dürfte das Kapitel über die drei Jahre Schumachers in Köln, wohin Oberbürgermeister Konrad Adenauer ihn von 1920 bis 1923 lockte, Neuland sein.

Das eher essayistisch aufgebaute Buch setzt aber fast zwangsläufig den Schwerpunkt auf sein langjähriges Wirken in der Hansestadt: Schumacher baute Schulen wie das Johanneum, Behörden wie die Finanzdeputation am Gänsemarkt oder das Museum für Hamburgische Geschichte, das Holthusenbad oder das Krematorium in Ohlsdorf. Als Stadtplaner entwarf er nicht nur den bis heute wirkenden Achsenplan, sondern war auch verantwortlich für den Bau der Mönckebergstraße, der Alsterkanalisation und des Stadtparks. Sein Reformwohnungsbau etwa in der Jarrestadt gilt 100 Jahre später noch als wegweisend.

Am Stadtpark wurden Bauten von Schumacher abgerissen

Nur in den direkten Nachkriegsjahren fielen Schumachers Bauten in Ungnade, es gab eine „Entnazifizierung der Steine“, die ausgerechnet ihn traf, der nie Nazi war. So wurden Schumacher-Bauten am Stadtpark kurzerhand abgerissen. „In Hamburg hatte der rote Backstein in den Augen vieler ,irgendwie‘ mit ,Blut und Boden‘ zu tun“, schreibt Frank. „Ohne seine schöpferische Ideen und sein pragmatisches Genie wäre die Stadt nicht zu dem bemerkenswerten Ort geworden, den wir trotz der Verwüstungen des Bombenkrieges und der fortdauernden Abrisslust seiner Entscheidungsträger noch heute bewundern können“, so Frank. Sein Buch bringt nicht nur den Menschen näher, sondern veranschaulicht auch sein Werk: Hamburg.