Hamburg

Umweltsenator: Kraftwerk Moorburg wird bald abgeschaltet

Das Kohlekraftwerk Moorburg hat seinem Betreiber Vattenfall in seiner kurzen Geschichte bisher wenig Freude bereitet.

Das Kohlekraftwerk Moorburg hat seinem Betreiber Vattenfall in seiner kurzen Geschichte bisher wenig Freude bereitet.

Foto: dpa Picture-Alliance / picture alliance

Jens Kerstan sieht keine Zukunft für Kohlemeiler. Aber auch ein neues Gaskraftwerk am selben Standort lehnen die Grünen ab.

Hamburg. Umweltsenator Jens Kerstan (Grüne) geht davon aus, dass das erst fünf Jahre lang am Netz laufende Kohlekraftwerk Moorburg schon sehr bald abgeschaltet wird – unabhängig davon, ob Betreiber Vattenfall bei der Auktion um hohe Abschaltprämien den Zuschlag der Bundesnetzagentur erhält. „Moorburg ist zuletzt weit unterhalb der maximalen Auslastung gelaufen. Angesichts der schwierigen Marktlage für Kohlestrom fährt das Kraftwerk nach unserer Einschätzung laufend Verluste ein“, sagte Kerstan dem Abendblatt. „Das zeigt auch die Teilnahme an der Stilllege-Auktion mit einem so jungen Kraftwerk. Selbst wenn Moorburg bei der Stilllegeprämie nicht zum Zug kommt, gehe ich davon aus, dass das Kraftwerk jetzt zügig vom Netz gehen wird. Der Konzern hat sich offenbar dazu entschieden, Moorburg stillzulegen.“

Wenn der „Kohle-Koloss“ nun bald vom Netz gehe, sei das „vor allem ein grüner Erfolg“, sagte Kerstan. Entscheidend sei gewesen, dass sich Rot-Grün darauf festgelegt habe, den Umbau der Fernwärme und damit den Ersatz für das Kohlekraftwerk Wedel mit dem „Konzept Energiepark Hafen“ zu gestalten – und nicht auf Wärme aus dem modernen Kohlekraftwerk Moorburg zurückzugreifen, wie es Vattenfall, CDU und FDP gefordert hatten. „Gesetzeslage in Hamburg ist, dass die Wärmeversorgung nicht aus Kohle und damit auch nicht aus Moorburg kommt“, so Kerstan. „Diese Festlegung musste in jahrelanger grüner Energiepolitik hart errungen und verteidigt werden.“ Vattenfall selbst hatte zuletzt mitgeteilt, dass man, sollte man den Zuschlag für eine Abschaltprämie nicht bekommen, damit fortfahren werde, „sämtliche Zukunftsperspektiven für Kraftwerk und Beschäftigte in Betracht zu ziehen und zu prüfen“.

Sorge um Versorgungssicherheit teilt Kerstan nicht

Die Sorge mancher Industriebetriebe und Politiker um die Versorgungssicherheit und Stabilität der Energiepreise teilt Kerstan nicht. „Die Bundesregierung nimmt nur in kleinen Schritten Kraftwerkskapazitäten vom Netz“, so der Senator. „Deshalb ist die Versorgungssicherheit gegeben. Das Angebot an der Strombörse sinkt durch die Abschaltungen kaum, die Strompreise werden damit erst mal stabil bleiben.“ An der Börse gebe es ein Überangebot an Strom. „Die Frage der Systemrelevanz des Kraftwerkes wird durch die Bundesnetzagentur bewertet.“ Die Grünen „würden es begrüßen, wenn hier ein Kraftwerk vom Netz ginge, das Hamburg nie gebraucht hat“, so Kerstan. „Der Standort Moorburg bietet großes Potenzial für Energiewendeprojekte.“

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Dabei haben die Grünen zuletzt intern klargemacht, dass sie den Bau eines Gaskraftwerks am Standort ablehnen, wie aus Parteikreisen zu hören ist.

Wirtschaftssenator Michael Westhagemann (parteilos) und Bürgermeister Peter Tschentscher (SPD) hatten im Wahlkampf mit dem Plan überrascht, das Kohlekraftwerk auf Gasbetrieb umzurüsten und in einem anderen Teil zu einem Wasserstoff-Elektrolyseur zu machen. Vattenfall hatte dies ohne massive Zuschüsse für wenig wirtschaftlich erachtet. Der Senat bereitet die Vergabe einer Machbarkeitsstudie vor, die bis Juni 2021 feststellen soll, ob die Pläne realistisch sind. Die Grünen plädieren dafür, den Standort neben Wasserstoff-Produktion auch für einen Speicher für überschüssige Windenergie zu nutzen – ohne den Bau eines Gaskraftwerks.

Wirtschaftssenator zeigt Verständnis für Vattenfall

Wirtschaftssenator Westhagemann zeigte derweil Verständnis für den „Versuch Vattenfalls, über die Auktion eine Entschädigung zu erhalten“, wie er dem Abendblatt sagte. „Die Versorgungssicherheit unserer Industriebetriebe ist allerdings ein hohes Gut, das auf keinen Fall gefährdet werden darf.“ Er habe hier großes Vertrauen in die Bewertung der Bundesnetzagentur. Er werde die Entwicklung eng begleiten, so Westhagemann. „Als Innovationssenator sehe ich für den Standort weiter riesiges Potenzial, insbesondere als Hub für die Wasserstoffproduktion.“