Hamburg

550.000 Euro für umstrittenes Van-Gogh-Gemälde

"Die Mühle von Wijk" wurde am Dienstag versteigert – die Echtheit des angeblichen Van-Gogh-Gemäldes ist nicht abschließend geklärt.

"Die Mühle von Wijk" wurde am Dienstag versteigert – die Echtheit des angeblichen Van-Gogh-Gemäldes ist nicht abschließend geklärt.

Foto: Axel Heimken / dpa

„Die Mühle von Wijk“ soll von Vincent van Gogh stammen. Es hat eine ganz besondere Signatur – und jetzt einen neuen Eigentümer.

Hamburg. Exakt um 18 Uhr fiel am Dienstag der Hammer. Bei der Online-Auktion des Hamburger Traditionshauses Dechow konnten bis dahin Interessenten ihre Gebote für ein Gemälde abgeben, das vom niederländischen Maler Vincent van Gogh stammen und ein Frühwerk sein soll – „Die Mühle von Wijk“. Das Mindestgebot lag bei 500.000 Euro. Der Zuschlag erfolgte schließlich für das Höchstgebot von 550.000 Euro. Gemessen an Schätzungen, dass das Werk zwei Millionen Euro erzielen könnte, ein vergleichsweise geringer Betrag. Das Bild befand sich bislang im Privatbesitz eines Sammlers in Schleswig-Holstein. Wie ein Sprecher des Online-Auktionshauses sagte, bleibe der Bieter, wie immer, anonym.

Die Auktion hatte von Anfang an einen Schönheitsfehler: Das Van-Gogh-Museum in Amsterdam, die höchste Instanz in allen Fragen rund um den berühmten niederländischen Maler und seine Werke, erkannte das Bild nicht als Original an. Einige Kunstexperten kamen allerdings zu diesem Urteil: Van Gogh soll das Bild im Jahr 1881/82 nach einer Vorlage des niederländischen Landschaftsmalers Jacob van Ruisdael (1628-1682) gemalt, frei variiert und mit „van Gogh“ signiert haben.

Das Hamburger Auktionshaus sah in der freien Paraphrase und der Signatur durch van Gogh eine faszinierende Eigenart. Während Vincent van Gogh alle seine Bilder mit dem berühmten Schriftzug „Vincent“ schmückte, handele es sich bei „Die Mühle von Wijk“ mit seinem Nachnamen um eine Ausnahme. Es sei daher ein Stück Kunsthistorie, heißt es beim Versteigerer. Genau diese Eigenart mache die Geschichte hinter dem Werk so faszinierend..

Eines der frühesten erhaltenen Ölgemälde van Goghs?

Die vom Auktionshaus eingeholten Gutachten sprachen eigenen Angaben zufolge jedoch für die Originalität. Seine wissenschaftliche Expertise hatte im Vorfeld unter anderem Ulrich Kuder, emeritierter Kunstprofessor an der Universität in Kiel, zur Verfügung gestellt: „Mit diesem Bild haben wir eines der frühesten erhaltenen Ölgemälde von der Hand van Goghs, wenn nicht gar das erste erhalten gebliebene überhaupt.“ Museumswelt 2020: Lesen Sie hier die besondere Doppelausgabe

„Dechow präsentierte das Werk transparent, auf internationaler Ebene, im bestmöglichen Umfang“, sagte Projektleiter Jens-Peter Franz dem Abendblatt. Am Dienstag leitete er die Online-Auktion. Für das Unternehmen etwas Ungewöhnliches, denn es ist auf Industrieanlagen wie Maschinen und technische Vermögenswerte spezialisiert - und nicht auf Kunst. „Es ist immer etwas Besonderes, wenn eine Auktion ausläuft. Gerade diese haben wir lange intensiv vorbereitet und betreut“, sagt Franz. Bei diesem Projekt sei hinzugekommen, dass es sich nicht um das gewöhnliche Tagesgeschäft gehandelt habe, sondern um ein hochwertiges Gemälde.

"Die Mühle von Wijk" – Ort der Abholung wird geheim gehalten

Bei der Online-Auktion war die Website mehr als 30.000 Mal aufgerufen worden. Es gab drei Gebote. Wer mitmachen wollte, musste seinen Namen, Wohnadresse, E-Mail-Adresse und Telefonnummer angeben. Wann und wo der neue Eigentümer das ersteigerte Gemälde abholt, darüber wollte Dechow keine näheren Angaben machen – aus „sicherheitsrelevanten Gründen“. Auf jeden Fall werde das Bild „nicht bei uns in Hamburg abgeholt“, hieß es.

„Der Bieterkreis für diese kunsthistorische Rarität war wie erwartet limitiert. Wir freuen uns, dass wir abseits unseres üblichen Leistungsportfolios nun auch im Kunstbereich einen erfolgreichen Geschäftsabschluss für unsere Auftraggeber generieren konnten“, sagt Ron Alexander, Geschäftsführer des Auktionshauses Wilhelm Dechow GmbH.